„Die Villa entstand zwischen 1882 und 1885 als Sommeresidenz der Barmer Fabrikantenfamilie Molineus, die mit der Band- und Zwirnfabrik Molineus & Co. zu den bedeutenden Unternehmerfamilien der Stadt zählte. Unter der historischen Adresse ,Carnap 78‘ – später Schönebecker Straße 151, schließlich Robert-Koch-Platz 9a – diente das Anwesen zunächst als Sommerwohnsitz, ehe Johann Wilhelm Molineus mit seiner Familie dauerhaft einzog.
Zum Ensemble gehörte auch ein Nebenhaus, in dem Hausverwalter, Bedienstete und landwirtschaftliches Personal untergebracht waren – ein Hinweis auf den einst großzügigen Zuschnitt des Grundstücks. (Bilder)
Großbrand in Villa an der A46
1937/38 erwarb der Ingenieur Karl Lenzner, der sich als Schraubenfabrikant wirtschaftlich heraufgearbeitet hatte, das Anwesen von den Molineus-Erben. Zum eigentlichen Wendepunkt in der Geschichte der Villa wurde jedoch der Bau der Autobahn A46: 1966 musste Lenzner nach einem langwierigen Rechtsstreit knapp die Hälfte seines ursprünglich rund 12.000 Quadratmeter großen Grundstücks für die neue Abfahrt Barmen-Mitte abtreten. Die einst repräsentative Villa lag fortan unmittelbar neben der Autobahnauffahrt, verlor erheblich an Wert und geriet in einen bis heute andauernden Niedergang.
Seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Rhode, steht das Gebäude zwar unter Bestandsschutz, nicht aber unter Denkmalschutz. Seit vielen Jahren leer stehend, ist die im Volksmund auch ,Gelbe Villa‘ genannte Immobilie – überregional als ,Lost Place‘ bekannt – wiederholt Ziel von unbefugtem Zutritt, Vandalismus und Bränden geworden, zuletzt 2019, 2021 und 2023.
,Der erneute Brand am Robert-Koch-Platz zeigt exemplarisch, was mit historisch wertvoller Bausubstanz geschieht, die durch das Raster des Denkmalschutzes fällt‘, so Heiko Schnickmann, Vorstandsmitglied der Abteilung Wuppertal im Bergischen Geschichtsverein. ,Uns geht es dabei nicht allein um das einzelne Gebäude, sondern auch um sein Umfeld: Wenn Grundstücke wie dieses über Jahre ungesichert bleiben, laden sie Vandalismus geradezu ein – mit den bekannten Folgen. Wir setzen uns dafür ein, dass auch Bauten ohne offiziellen Denkmalstatus, ähnlich wie etwa die Arbeiterhäuser der Familie Engels am Unterbarmer Bruch, stärker in den Blick genommen werden, bevor Verfall und Feuer sie endgültig zerstören.‘
Der Bergische Geschichtsverein bietet Eigentümerinnen und Eigentümern, Kommunen sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern an, bei der historischen Einordnung gefährdeter Gebäude zu unterstützen, und wirbt für einen vorausschauenderen Umgang mit dem baulichen Erbe der Region.“