Schon vor dem Gebäude steht ein echtes Stück Schwebebahngeschichte: Ein ausrangierter Gelenktriebwagen von 1972, barrierefrei begehbar und selbst Teil der Ausstellung. Bergermann hat ihn einst einer Privatperson abgekauft, die sich den Wagen ursprünglich in den Garten stellen wollte.
Das erwies sich allerdings als deutlich komplizierter als gedacht. Denn juristisch gilt ein Schwebebahnwagen nicht als Gegenstand, sondern als Gebäude, inklusive Auflagen für Fundament und Brandschutz. Heute beherbergt der Wagen unter anderem eine eigene Ausstellung und sogar eine Mini-Schwebebahn im Maßstab 1:87.
Im Hauptgebäude entfaltet sich dann auf rund 600 Quadratmetern eine detailverliebte Welt aus Anlagen, Dioramen und Originalexponaten. Modelle der Schwebebahn aus verschiedenen Epochen stehen neben Bauteilen, alten Schienen, Stromschienen, Signalen oder Fahrständen. Auch die Wuppertaler Verkehrsgeschichte insgesamt wird sichtbar, etwa mit Anlagen zur Barmer Bergbahn oder zur Straßenbahn.
Dabei räumt Bergermann auch mit einer verbreiteten Legende auf: Kaiser Wilhelm II. soll die Schwebebahn eingeweiht haben, tatsächlich absolvierte er lediglich eine Probefahrt, die offizielle Inbetriebnahme erfolgte ohne kaiserlichen Pomp. Besonders im Jubiläumsjahr wird deutlich, wie stark die Schwebebahn das Wachstum der einst getrennten Städte Barmen und Elberfeld geprägt hat.
Ein besonderer Blickfang ist ein komplett in Handarbeit gebautes Modell des Döppersbergs, wie er in den 1980er-Jahren aussah – eine private Spende, die aufwändig restauriert wurde. Auch die Nordbahntrasse, einst Teil der „Rheinischen Strecke“, taucht im Miniaturformat wieder auf. Viele Besucher entdecken dabei vertraute Orte neu und erinnern sich plötzlich an eigene Wege durch die Stadt.
Bergermann, 69, hatte die Idee für das Projekt schon lange, bevor das WUMILA 2024 eröffnete. Den Namen entwickelte er bereits 2007, inspiriert vom Hamburger Miniaturwunderland („MiWuLa“), durch einfaches Vertauschen der Buchstaben. Lange blieb es eine Vision, doch der leidenschaftliche Modelleisenbahner ließ sie nie los. In einem VHS-Kurs zur Eisenbahnplanung traf er schließlich auf Gleichgesinnte, die seine Begeisterung teilten und sofort mitziehen wollten.
Aus diesem Kreis entstand nach und nach ein Team, das heute aus mehr als 25 Ehrenamtlichen besteht. Einige sind bis heute dabei, auch Freundschaften sind entstanden. Eintrittsgelder fließen ausschließlich in laufende Kosten, Material, neue Modelle und Restaurierungen. Es verdient also niemand Geld im WUMILA, alle arbeiten aus Leidenschaft. Und, wie Modellbauer gerne sagen: „Fertig wird man nie.“
Außerdem gibt es noch das, was Bergermann augenzwinkernd das „selig-dümmliche Modellbahnlächeln“ nennt: Jenes ehrliche Strahlen, das viele Besucher überkommt, sobald die kleinen Fahrzeuge ihre Runden drehen. Besonders Kinder seien dafür anfällig, sagt er. Aber eigentlich erwische es fast alle.
Wer das Wahrzeichen einmal aus einer völlig anderen Perspektive erleben möchte, findet hier vielleicht den ungewöhnlichsten Zugang als staunender Riese in einer Miniaturstadt. Neben der Wuppertaler Verkehrsgeschichte zeigt das WUMILA auch zahlreiche klassische Eisenbahnanlagen, internationale Motive, etwa aus der Schweiz, und liebevoll gestaltete Fantasie- und Alltagslandschaften.
So wird der Rundgang zu einer Reise durch die große Welt der Modelleisenbahnen, in der die Schwebebahn zwar eine große Rolle spielt, aber längst nicht die einzige Attraktion ist. Wer sich vom Staunen erholen möchte, kann im Café Platz nehmen, stilecht auf echten Bahnsitzen. Selbst die Kaffeepause ist im WUMILA somit Teil der Zeitreise.