Ulrike Gäth hatte keinen leichten Start ins Leben. Geboren am 6. April 1939 in schwierigen Familienverhältnissen, wächst sie in unterschiedlichen Heimen auf. Eine harte Zeit. „Einmal musste ich als Strafe einen Tag ohne Essen und Trinken im Zimmer verbringen. Ich war so hungrig, dass ich auf dem Weg zur Toilette einer Katze das Futter weggegessen habe.“
1954 beginnt sie zu arbeiten. Als Bedienung in verschiedenen Gaststätten und zwischendurch auch bei Vorwerk. 1960 folgt die erste Heirat. Die nicht sehr glückliche Ehe, aus der zwei Kinder hervorgehen, wird 1962 geschieden. Um den Lebensunterhalt für sich und den Nachwuchs zu verdienen, heuert sie als Bedienung im Nachtclub „Maxim“ in der Kirchstraße an, von dem heute nur noch die denkmalgeschützte Außenreklame übrig geblieben ist.
„Das war eine interessante Epoche, wo ich viele Männer aus der High Society Wuppertals kennengelernt habe“, erinnert sich Ulrike Gäth schmunzelnd – ohne weitere Details zu offenbaren. 1964 tritt der zweite Ehemann in ihr Leben und mit ihm in den Folgejahren drei weitere Kinder. Hausfrau und Mutter zu sein, das aber füllt sie als Macherin, die sich durchzuboxen weiß, Mitte der Siebziger nicht mehr wirklich aus.
Da rät ihr eine Freundin: „Mach doch ne Kneipe auf.“ Gesagt, getan: Ulrike Gäth übernimmt 1974 als Pächterin das „Brunnenstübchen“ auf dem Rott. Als der Betrieb nicht wie erwartet läuft, hat sie eine Idee: „Ich wollte was Außergewöhnliches und hab beim Ordnungsamt die Lizenz für eine Oben-ohne-Bar beantragt, in der Sexfilme gezeigt werden.“
Mit der Genehmigung kommt der Umsatz. „Das schlug ein wie eine Bombe. Ab da hatte ich jeden Abend von 18 bis 6 Uhr volles Haus.“ Auch wenn ein Bier mit zwei Mark damals recht teuer war, das Angebot aus Bar, Filmen und Billard verfehlte seine Wirkung nicht.
Mit kuriosen „Nebenschauplätzen“, wie sich Ulrike Gäth erinnert: „Da war dieser Wuppertaler Unternehmer. Der fuhr voll auf Uschi, eine der drei Bedienungen, ab. Und wollte sie auf dem Billardtisch beglücken. Uschi, als Mutter von fünf Kindern mit der Materie vertraut, lehnte ab. Doch als er ihr 10.000 Mark bot, gingen ihre Skrupel über die Wupper und beide schritten zur Tat. Das war aber eine Ausnahme, und Vergleichbares gab es nie wieder.“
So kurios diese Episode heute auch wirken mag, verweist sie zugleich auf ein Milieu, das hinter der schillernden Oberfläche oft von harten Lebensrealitäten geprägt war. 1977 musste die Bar aufgrund von Beschwerden der Nachbarn schließen und zog weiter. Als Wirtin zur Farbmühle und noch zu einigen Stationen mehr.
Jetzt, mit 86 und dem Abstand vieler Jahrzehnte, blickt Ulrike Gäth mit Stolz und Freude zurück auf das, wofür sie im Leben gekämpft und was sie erreicht hat – Schönes wie Unschönes. Sie findet, dass ihr Leben ein Zeitzeugnis ist für die Epoche, als Deutschland aufblühte, als Frauen, wenn auch nur zögerlich, die Tür zur Emanzipation geöffnet wurde. Und sie möchte gerne, dass all das festgehalten wird – in einem Buch.
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