Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Alles ganz eezy

Wuppertal · Woran denken Sie, wenn Sie die Wortschöpfung „eezy“ hören? Ich hatte spontan einen aufstrebenden Wuppertaler Hip-Hop-Sänger vor Augen, weil die ja immer so coole Namen haben.

Ist doch „eezy“!

Foto: Achim Otto

„MC eezy feat. The Delayed Busses“ auf Platz 1 der deutschen Single-Charts mit dem Hit „Lost im Ersatzverkehr“ – das wäre doch durchaus vorstellbar. Tatsächlich ist „eezy“ aber der Name des neuen digitalen Tickets, mit dem man in ganz Nordrhein-Westfalen kostengünstig Bus und Bahn fahren kann. Vorausgesetzt natürlich, dass selbige auch kommen – und die in Wuppertal zuständige Ticket-App „WSW move“ funktioniert.

Theoretisch geht das folgendermaßen: Man sucht die App zwischen den 3.000 anderen auf dem Smartphone, mit denen man immer schon mal wieder Bonuspunkte für den Erhalt einer Gratis-Gurke beim Kauf von einem Doppelzentner Gemüse einlösen oder den Kalorienverbrauch beim Fußweg zum nächsten Burgerladen ermitteln wollte.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Sodann öffnet man die App, gibt seine Starthaltestelle ein und drückt den Button „Jetzt einchecken“. Wenn man angekommen ist, checkt man aus und bekommt den Preis für die Luftlinien-Entfernung zwischen Start und Ziel schmerzfrei vom Konto abgebucht. Ein- und Auschecken konnte man bis dato eigentlich nur in Hotels, aber das hört sich natürlich deutlich moderner an als Ein- und Aussteigen.

Modern ist auch, dass Apps permanent Updates bekommen, um danach zuverlässig schlechter oder gar nicht mehr zu funktionieren. Das stellte dieser Tage auch ein Gelegenheits-eezy-Nutzer fest, der gemäß der Werbung „schnell & eezy“ an einer Bushaltestelle in Barmen einchecken wollte und von einem neuen Design der Benutzeroberfläche kalt erwischt wurde. Die war jetzt schön unübersichtlich und erforderte mehr Klicks und die händische Suche nach einer Starthaltestelle, die sonst per Karte angezeigt wurde.

Nach dem Ausstieg am Neuenteich kam immerhin die vertraute Nachricht „Du bist ausgecheckt“, woran sich die App allerdings bei der Rückfahrt leider nicht mehr erinnern konnte. Da erhielt der Fahrgast beim Startversuch nämlich die freundliche Mitteilung „Sie sind noch eingecheckt“. Im zweiten Anlauf ploppte dann folgende Meldung auf: „Der Service ist im Moment leider nicht verfügbar. Bitte versuchen Sie es später erneut.“ Eine überaus hilfreiche Warnung, wenn der Bus bereits in Sichtweite ist.

Weil man seine Heimfahrt ja ungern verschiebt, nur weil die App Mittagspause macht oder für 3,5 Prozent mehr Akkustrom streikt, startete der Mann noch einen dritten Versuch und bekam in letzter Sekunde wieder eine Fahrt angezeigt.

Dieser nervige Ablauf war dann immer noch besser als der ein paar Tage später. Da meldete das App-Knöpfchen nämlich: „Warnung – Die URL ist ungültig oder wurde nicht gefunden“ – und ließ ihren Besitzer ratlos am Schwebebahnhof zurück. Er suchte noch ein bisschen den Boden des Bahnsteigs für den Fall ab, dass der App die verlorene URL da irgendwo runtergefallen war, kaufte nach drei weiteren erfolglosen Aufruf-Versuchen dann aber statt digital mit eezy ganz easy analog mit Geld ein Ticket am Fahrkartenautomaten.

Da konnte seine Frau ja ganz froh sein, dass bei ihr die Installation von eezy auf einem neuen iPhone gar nicht erst funktioniert hat. Sie flog nach dem Akzeptieren der Geschäftsbedingungen immer raus.

Seine große Zufriedenheit mit der Performance der App schilderte der Fahrgast in einer Mail an die Stadtwerke. Die Antwort lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Gesetzlich vorgeschriebene Verbesserungen im Hinblick auf die Barrierefreiheit der App führen dazu, dass man sie jetzt nicht mehr so gut benutzen kann. Vielleicht sollte beim nächsten eezy-Update dann neben „Einchecken“ und „Auschecken“ auch noch ein Button für „Ausrasten“ eingebaut werden ...

Bis die Tage!