Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Neu startet noch lange nicht

Wuppertal · „Neu startet heute“ steht aktuell ganz groß auf der Konzern-Homepage der Deutschen Bahn, die besser werden und dazu unter anderem ein Sofortprogramm für bessere Kundenkommunikation umsetzen will.

Die Bahn – eine große Baustelle.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Christoph Petersen

Tatsächlich handelt es sich aber eher um ein Demnächstprogramm, wenn man sich die Geschichte von Werner Stiepling aus Wardenburg in Niedersachsen anhört. Der hatte im März Wuppertal besucht und war von der Stadt sehr angetan, weniger aber von seiner Rückfahrt mit der Eisenbahn, die vom Hauptbahnhof in Elberfeld über Dortmund und Osnabrück nach Oldenburg führen sollte.

Sie endete leider mit insgesamt anderthalb Stunden Verspätung – allerdings nicht in Oldenburg, sondern vorläufig in Hagen, wo der RE4 des kongenialen Bahn-Partners National Express nach diversen technischen Störungen final zum Erliegen kam und seine Fahrgäste ohne weitere Informationen über den Weitertransport nach Dortmund auf dem dortigen Bahnsteig aussetzte. Das Warten auf dem Folgezug war theoretisch erfolgreich, praktisch jedoch nicht, weil auch für diesen National Fail-Express außerplanmäßig in Hagen Endstation war.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Eine halbe Stunde später traf immerhin die S5 ein, die ihn wegen sechs Minuten Verspätung exakt drei Minuten nach dem Auslaufen seines ICE Richtung Osnabrück in Dortmund absetzte. Schade, denn 138 Minuten Gesamtfahrzeit von Wuppertal nach Dortmund hätten sogar noch ausgereicht, um den ICE zu erwischen. Leider waren es aber 141 Minuten und damit unwesentlich mehr, als man zu Fuß gebraucht hätte. Die 222 Kilometer von Dortmund nach Oldenburg durfte Stiepling zur Belohnung anschließend kleinteilig mit dem Nahverkehr überwinden.

Für seine schriftliche Beschwerde samt der Frage nach einer Erstattung der nicht genutzten ICE-Fahrkarte fühlten sich Bahn und National Express wechselseitig nicht zuständig. Am Ende beschied ihm die eigens für das Schreddern von Kundenreklamationen gegründete DB Dialog GmbH unter der recht launigen Anrede „Hallo Werner Stiepling“, dass eine Entschädigung wegen der nur 15 Minuten verspäteten Fahrt des ICE von Dortmund nach Osnabrück nicht gezahlt werden könne. (Bilder)

Bilder: Baubetrieb am Wuppertaler Hauptbahnhof
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Baubetrieb am Hauptbahnhof

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Foto: Wuppertaler Rundschau/Christoph Petersen

Die hatte er zwar gar nicht erst antreten können, aber der Dialog-Schreibroboter ist offensichtlich ähnlich leistungsfähig wie das Schienennetz und hat das nicht so ganz verstanden.

Dergestalt erfüllt von tiefer Kundenzufriedenheit kündigte Werner Stiepling sein gerade erst abgeschlossenes Probe-Abo für die BahnCard und will künftig Fernstrecken nur noch mit dem Auto fahren. „Selbst wenn der Sprit 2,50 Euro kostet“, hat er die Rundschau wissen lassen.

Aus Wuppertal wegfahren ist also schwierig. Nach Wuppertal fahren aber auch, wie eine aus Hürth bei Köln stammende Studentin der Bergischen Universität jetzt weiß. Im Zug von ihrer alten Heimat zurück ins Tal wollte eine Kontrolleurin ihre Fahrkarte sehen. Eigentlich kein Problem, weil im Semesterbeitrag das Deutschlandticket enthalten ist.

Selbiges wird in der Uni-App gespeichert und kann dann auf dem Smartphone vorgezeigt werden. Vorausgesetzt der entsprechende Bereich „Meine Ausweise“ in der App öffnet sich, wozu er nicht durchgehend neigt. So auch im Fall unserer Studentin aus Hürth, die das nach einigen vergeblichen Anmeldeversuchen der Kontrolleurin mitteilte. „Ach, sie sind auch von der Uni Wuppertal, da hatten wir in den letzten Tagen immer Probleme“, ließ die uniformierte Dame wissen, lehnte das Angebot der Studentin, ersatzweise die Immatrikulationsbescheinigung zu zeigen, aber trotzdem entschieden ab.

Natürlich würde sich aus der zwar logisch ergeben, dass die Inhaberin auch ein Deutschlandticket hat, aber sie müsse da leider sehr korrekt sein. Angesichts dieser Hartleibigkeit nahm die Pädagogik-Studentin davon Abstand, ihr Know-how einzusetzen, um die Kontrolleurin zu mehr Kundenfreundlichkeit zu erziehen, und gab stattdessen brav ihre Personalien an.

Die standen dann einige Tage später als Anschrift auf einem Brief, in dem die Bahn von ihr 60 Euro Strafe wegen Schwarzfahrens einforderte. Sollte aber doch ein Ticket vorhanden sein, könne sie es gerne im nächsten DB-Reisezentrum vorzeigen und käme dann mit sieben Euro Bearbeitungsgebühr davon.

Praktisch, dass die Bahn im Zuge ihrer Qualitätsoffensive das Reisezentrum in Wuppertal soeben geschlossen hat und unsere Studentin dafür jetzt nach Düsseldorf muss.

Ich glaube, der Neustart hat bei der Bahn ähnlich viel Verspätung wie die Züge ...

Bis die Tage!