Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Diktierfunktion

Wuppertal · In unserer sich ständig links und rechts selbst überholenden Gesellschaft wird ja mit immer weniger Erfolg immer mehr kommuniziert und geteilt.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Als dieser Tage ein unbekanntes Objekt am Himmel eine Leuchtspur über Nordrhein-Westfalen zog, wurden unmittelbar auf allen einschlägigen Plattformen alle möglichen Erklärungen für das Phänomen verbreitet. Viele waren sicher, dass wahlweise der Iran oder die USA jetzt Sprockhövel-Niederstüter mit Drohnen angreifen, Außerirdische im Anflug sind, um uns auszurotten (was angesichts einiger aktueller Entwicklungen auf der Erde durchaus nachvollziehbar wäre) – oder Ronsdorf den lange erwarteten Angriffskrieg gegen Cronenberg gestartet hat.

In Wuppertal haben sich angesichts des Phänomens viele Leute beim Notruf von Polizei und Feuerwehr gemeldet. Das ist verständlich. Denn unabhängig davon, was da oben rumfliegt: So gut, wie es gerade auf allen Ebenen in Wuppertal läuft, mussten die Bürger automatisch davon ausgehen, dass das Ding auf jeden Fall bei uns einschlägt und nirgendwo anders. Heute wissen wir, dass es sich erstens um einen Meteoriten handelte und der zweitens doch nicht am Sternenberg (nomen est omen), sondern in Koblenz runtergekommen ist.

Weil die Leute ja meinen, als Zeitungsmensch wisse man über alle Sachen schon Bescheid, bevor sie überhaupt passiert sind, erreichten auch mich per WhatsApp Nachfragen zum Himmelsphänomen. Weil niemand mehr für irgendwas Zeit hat, werden solche Nachrichten neuerdings gerne ins Smartphone gesprochen und dann von Künstlicher Intelligenz in geschriebenen Text verwandelt.

Das funktioniert schon in normaler Umgebung nur ungefähr so gut wie das Baustellenmanagement in Wuppertal und führt zu besonderes suboptimalen Ergebnissen, wenn man die Diktierfunktion bei 150 Sachen im Auto nutzt. So wird aus „Ich sehe hier gerade einen Meteor, kann das sein?“ auch schon mal ein „Ich stehe in der Metro, kaufe ein“, was den dergestalt Befragten eher ratlos zurück lässt.

Hier sehen wir ein echtes Kommunikationsproblem des 21. Jahrhunderts: An sich wäre es dringend geboten, diktierte Textnachrichten vor dem Absenden noch einmal zu kontrollieren. Sie werden aber ja genau deshalb diktiert, weil der Verfasser eben keine Zeit hat, selbst zu schreiben. Und folglich schon gar keine, den bei der Verschriftlichung der gesprochenen Worte produzierten Blödsinn gegebenenfalls zu korrigieren. Deshalb verstehen die Betroffenen dann auch die Antworten gerne nicht richtig, weil sie gar nicht wissen, was sie da in Wirklichkeit abgeschickt haben.

Das führte diese Woche zu folgendem possierlichen Missverständnis: Eine Freundin erbat per WhatsApp nähere Auskünfte zu einem Ferienhaus, das ich ihr empfohlen hatte. Bei der Anrede musste ich schmunzeln. Sie lautete „Hallo Erich“.

Ich bin zwar Kummer mit meinem sperrigen Vornamen gewöhnt, ging aber nach 40 Jahren Bekanntschaft doch zuversichtlich davon aus, dass sich der richtige inzwischen bei ihr eingeprägt haben dürfte und es sich daher eher um das klassische Diktierproblem handelt. Ohne näher auf diesen Lapsus einzugehen, übermittelte ich daher die gewünschten Infos zum Ferienquartier und bekam prompt eine Dankes-WhatsApp zurück.

Als Schelm konnte ich mir aber dann aber doch eine kurze Anspielung auf meinen massakrierten Vornamen nicht verkneifen und schrieb zurück: „Der Erich hilft immer gern ...“ Sofort poppte eine Antwort auf: „Wohnt der da?“

Bis die Tage!