Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Clima cool, sonst nix

Wuppertal · Wuppertal hat wirklich eine Pechsträhne: Da landen wir doch tatsächlich auf Platz zwei in der Rangliste der deutschen Städte, die am besten auf Hitzewellen vorbereitet sind, und dann haben wir mitten im Juni draußen 16 Grad bei ergiebigem Gepläster.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

So ein Wetter würde ich mir auch Sonntag in Washington wünschen, wenn Donald Trump am Sonntag seinen leider erst 80. Geburtstag feiert. Zur Feier des Tages und zu Trumps Gaudium werden sich vor dem Weißen Haus Menschen in einer Arena verprügeln – ein Veranstaltungsformat, das sich in ähnlicher Form schon bei den Imperatoren im alten Rom bewährt hat.

Seinerzeit gab es im Vorprogramm gerne auch noch ein paar unterhaltsame Hinrichtungen, die aber morgen meines Wissens nicht vorgesehen sind. Wenn man ganzjährig Gemetzel in aller Welt organisiert, verliert so eine Attraktion wahrscheinlich ihren Reiz.

Nach diesen kleinen Anmerkungen werde ich mutmaßlich nicht mehr in die USA einreisen dürfen, was mich mit diversen Spielern und Schiedsrichtern verbindet, die man erst herzlich zur größten WM aller Zeiten eingeladen und dann nicht ins Stiefmutterland des Fußballs reingelassen hat. Wahrscheinlich hat Deutschland aber gegen Curaçao, das immerhin über ähnlich viele Einwohner verfügt wie Paderborn und deshalb dringend bei einer WM mitspielen muss, aber auch ohne mich auf der Tribüne eine Siegchance.

Außerdem kann man die WM ja auch einfach im Fernsehen gucken, wo die öffentlich-rechtlichen Sender zwischen unzähligen Werbespots mit wahlweise Thomas Müller oder Jürgen Klopp gelegentlich auch ausgesuchte Spiele übertragen. Offensichtlich wurde es zwischenzeitlich wettbewerbsrechtlich verboten, TV-Reklame zu produzieren, in der keiner von beiden vorkommt.

Thomas Müller alleine hat mehr Werbepartner eingesammelt als der WSV vorige Saison Punkte in der Oberliga. Wahrscheinlich hat er sich auch gerade von seiner Frau getrennt, um künftig glaubhaft Reklame für einen Scheidungsanwalt machen zu können. Ansonsten kann er mit Hilfe des von ihm beworbenen Turbogrün Rasendüngers aber auch schnell Gras über das Scheitern der Ehe wachsen lassen.

Jürgen Klopp trägt derweil nicht nur das mit oben und unten mit je 54 Zähnen besetzte Gebiss von Stefan Raab auf, sondern auch für Geld Deichmann-Schuhe, und bestreicht die wenigen in seinem Gesicht verbliebenen Freiflächen mit Paste von Nivea Men. Die damit verdiente Kohle kann er mit Hilfe der Deutschen Vermögensberatung weiter vermehren, für die er jetzt gemeinsam mit einem an leichter Altersschwäche leidenden Superhelden Reklame macht.

Es kann sich nur noch um Wochen handeln, bis Thomas Müller und Jürgen Klopp auch die Mainzelmännchen und das Sandmännchen übernehmen, zumal Letzteres mit seinem weißen Bart Kloppo ja nicht unähnlich sieht. Als Nächstes werden sie die Bachelors auf RTL, in dessen Werbepausen sie ebenfalls durchgehend auftreten, und moderieren danach statt der Kaulitz-Brüder „Wetten, dass ...“, was im Zweifel sogar ein Gewinn wäre.

Übrigens: Selbst wenn Thomas Müller, Jürgen Klopp und die Mumien von Gerd Müller, Uwe Seeler und Franz Beckenbauer gemeinsam dafür werben sollten, würde ich mir niemals das neue Auswärtstrikot der Deutschen Nationalmannschaft kaufen. Das blaue Teil mit den türkisen Nuppis drauf sieht doch aus wie der Schlafanzug von unserem Enkel.

Unten am Saum haben die adidas-Designer klein das Wort „climacool“ eingestickt. Das Klima da drin ist aber auch wirklich das Einzige, was an dem Laibchen cool ist. Ganz ähnlich wie in Wuppertal ...

Bis die Tage!