Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Halbzeitshow

Wuppertal · Am Sonntag werden wir endlich von der längsten WM aller Zeiten erlöst, die uns einige neue Erkenntnisse gebracht hat.

Symbolbild.

Foto: Dirk Freund

Zum Beispiel, dass der gute alte Spruch von Garry Lineker nicht mehr haltbar ist, der besagte: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Richtig ist inzwischen: „90 Minuten passiert nichts, und am Ende gewinnen immer die Spanier.“

Möglicherweise hat sich die FIFA deshalb auch dafür entschieden, beim Finale eine Halbzeitshow zu veranstalten, die für zusätzliche Unterhaltung sorgen soll. Zu diesem Zweck wurden Shakira, Madonna, Robbie Williams, Justin Bieber, Coldplay, Burna Boy und die südkoreanische Band BTS, bei deren bloßem Anblick 90 Prozent aller asiatischen Teenager in Ohnmacht fallen, engagiert.

Auch ohne Spezialkenntnisse in aktueller Popkultur werden Sie unmittelbar erkennen, dass es etwas schwierig sein dürfte, Auftritte dieses ambitionierten Line-ups samt Auf- und Abbau diverser Technik und Bühnen in insgesamt nur 15 Minuten Spielunterbrechung, zu pressen. Mit dieser Besetzung könnte man ja auch locker ein ganztägiges Festival bestreiten. Das Problem dabei: Die 15 Minuten dürfen laut Fußball-Regelwerk nicht überschritten werden.

Nun haben wir ja bei dieser WM auch gelernt, dass die Regeln inzwischen noch weniger wert sind als der langfristige Bundestrainer-Vertrag von Julian Nagelsmann. Deshalb wird damit gerechnet, dass die Pause locker 30 Minuten dauern könnte. Sollte das Publikum Zugaben fordern, vielleicht auch eine Stunde. Die Mannschaften könnten sich dann so lange warm halten, indem sie am Rand den berühmten Hüftschwung von Shakira nachahmen.

Anderenfalls werden sie in der Kabine leise den Madonna-Hit „Frozen“ vor sich hin summen und darüber grübeln, wie es eigentlich passieren konnte, dass aus dem Fußball eine Lachnummer in der Hand von allen guten Geistern verlassener Funktionäre geworden ist. Früher war der Spielball ein unverzichtbarer Bestandteil der weltweiten Sportart Nummer eins, jetzt ist der Sport selbst zum Spielball geworden.

Trotzdem sind in Deutschland alle sauer, dass wir jetzt schon seit mehr als zwei Wochen den anderen Nationen dabei zugucken müssen, wie sie besser Fußball spielen als wir. Deshalb warten jetzt alle darauf, dass Jürgen Klopp endlich beim DFB unterschreibt und als Trainer-Messias die Fans erlöst.

Verglichen mit den auf seinem Einstieg ruhenden Hoffnungen hatte der echte Heiland vor 2.000 Jahren allerdings einen relativ lauen Job. Wasser in Wein verwandeln scheint mir jedenfalls eher machbar als aus der offensichtlich deutlich besser UNO als Fußball spielenden Nationalmannschaft wieder einen Titelkandidaten zu machen.

Hoffnung macht mir aber die äußerliche Ähnlichkeit zwischen dem deutschen Messias und dem davor: Der zuletzt deutlich erschlankte Klopp sieht mit seinem bartumflorten hageren Gesicht ja immerhin aus wie Jesus nach dem Besuch im Barber-Shop.

Beim Thema „nicht mehr gewinnen“ werden Sie möglicherweise auch an den WSV denken, der das ja in der Vorbereitung auf die neue Saison schon wieder recht erfolgreich trainiert. Weil der neue WSV-Trainer aber im Gegensatz zu Julian Nagelsmann nicht zu viele Spieler, sondern zu wenig hat, und die auch nicht Lamborghini, sondern ausweislich des Oberliga-Etats eher Fahrrad fahren, sollten wir das Team als echte Wuppertaler trotzdem supporten. Wer das den Test gegen Borussia Mönchengladbach verpasst, hat in den ersten Saisonspielen nur noch die Auswahl zwischen Schonnebeck, Dingden und Holzheim.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Hört sich nicht doll an, hat aber einen großen Vorteil: Wenn in der Oberliga jemand eine Rote Karte kriegt, ruft garantiert kein Politiker an, um die fällige Sperre zu verhindern ...

Bis die Tage!