Nach Toreschluss - die Wochenendsatire 1999, 2015, 2026

Wuppertal · Sonnenfinsternis kommt immer so plötzlich. Nur 27 Jahre nach der letzten totalen wurde ich diese Woche wie viele andere Menschen von der herannahenden partiellen Sonnenfinsternis überrascht.

Publikumsfreundlich: Die partielle Sonnenfinsternis 2015 hinter Hochnebel vom Redaktionsfenster aus gesehen.

Foto: Jörn Koldehoff

Also unternahm ich am Mittwoch noch schnell den Versuch, im örtlichen Handel eine Schutzbrille zu erwerben, ohne die man beim direkten Blick in die Sonne ausweislich eindringlicher Expertenwarnungen unmittelbar noch blinder zu werden droht als der Angriff der Fußball-Nationalmannschaft bei der WM.

In einschlägigen Geschäften wurde mir allerdings entweder ein Vogel oder ein Schild am Eingang gezeigt, das in großen Lettern auf den restlosen Ausverkauf sämtlicher Schutzbrillen hinwies. Ich ließ mich davon aber nicht entmutigen und fand auf einer Internetseite des ZDF, das sich ja mit dem Thema Fernsehen auskennen sollte, eine Alternative in Form der Bastelanleitung für eine Lochkamera. Selbige sei sogar die sicherste Methode, die Sonnenfinsternis zu beobachten, und kinderleicht herzustellen.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Leider bin ich aber kein Kind mehr und tat mich daher mit der Produktion tendenziell doch eher schwer. Der Plan war, in der Stirnseite eines gegen Licht abgedichteten Schuhkartons ein höchstens zwei Millimeter großes Loch zu pieken, durch das ein Bild der Sonne auf die entgegensetzte, zu diesem Zweck mit Butterbrotpapier bespannte Seite projiziert werden solle.

Hält man das Instrument sodann nicht direkt ins Licht, sondern mit dem Mini-Loch leicht seitlich Richtung Himmelsschauspiel, werde sich die Veränderung des Sonnen-Umrisses gar wunderbar hinten auf der matt durchscheinenden Fläche abbilden.

Die Montage der sensiblen Projektionsfläche mit ob der Hitze leicht verdickten Fingern, die mäßige Adhäsionskraft des zuletzt kurz vor der Jahrtausendwende zum Bau einer Martinslaterne verwendeten Pritt-Stiftes und der Zeitdruck angesichts des sich Richtung 19:12 Uhr bewegenden Zeigers führten allerdings zu einem eher suboptimalen Ergebnis. Statt auf einen glatten, mattierten Bildschirm blickte ich auf eine Art knuffelige Nachbildung der Mondoberfläche.

Dementsprechend bildete sich darauf auch nicht das klassische Bild einer Sonnenfinsternis ab, sondern irgendetwas, das ich in dieser Form zuletzt als Hahnentrittmuster auf Herrensakkos gesehen hatte. Das war aber immerhin noch besser als 1999, wo ich zwar eine Schutzbrille, aber dank Wolken über Wuppertal gar keinen Blick auf die totale Sonnenfinsternis hatte.

Viel besser war das übrigens 2015. Da gab es im März auch eine partielle Sonnenfinsternis, die scheinbar alle vergessen haben, obwohl sie eigentlich die publikumsfreundlichste von allen war. Über Wuppertal hing da nämlich ein hochnebelartiger Dunstschleier, durch den man das Spektakel ganz komfortabel ohne Schutzbrille verfolgen konnte. Gerade habe ich sogar noch ein Foto davon gefunden – da hätte ich mir die ganze Bastelei eigentlich glatt sparen können ...

Bis die Tage!