Kommentar zur Situation am Elberfelder Wall Ein Unzustand und Skandal

Wuppertal · Machen wir eine kleine Zeitreise ins Jahr 2014: Damals standen noch zwölf große Bäume entlang des Walls, die dann gefällt wurden, weil die Stadtwerke hier Ausweich-Haltestellen für Busse während des Döppersberg-Umbaus einrichten wollten.

Baumlos und planlos: Von einer zentralen Prachtstraße ist der Wall im Jahr 2026 meilenweit entfernt ...

Foto: Wuppertaler Rundschau/tom

2018 war der neue Busbahnhof fertig. Kurz zuvor hatte der damalige Dezernent Frank Meyer die Verkehrsausschusspolitiker ermahnt, man müsse sich bald Grundsatzgedanken darüber machen, wie viele Autos Wuppertal auf dem Wall will. Oder ob hier Fußgänger und Radfahrer Vorrang haben sollen.

Zugehört hat ihm keiner. Der Wall wurde weder (wie einst versprochen) neu begrünt noch grundsätzlich neu gedacht. Standard-Ausrede seit fast zehn Jahren: Man wolle erst ein Mobilitätskonzept und eine Art städtebaulichen Masterplan für die Elberfelder Innenstadt entwickeln und eventuell dabei den Straßenverlauf am Neumarkt verlegen.

Von diesem Konzept sind wir bis heute ungefähr so weit entfernt wie Wuppertal von einer gesunden Finanzlage – trotz zahlloser Innenstadtkonferenzen, City-Talkrunden und Co. Erinnert sich eigentlich noch jemand an die berühmte „Qualitätsoffensive Innenstadt“? Über die hat mein Kollege Stefan Seitz schon 2023 geschrieben: „Große Pläne, große Auftaktveranstaltungen – und dann? Still ruht der See.“

Einzige Neuerung in all den Jahren: Auf der Straße wurde Wuppertals sinnfreiester Fahrradweg eingerichtet, auf dem unaufmerksame Passanten in einem der meistfrequentierten Fußgängerbereiche Wuppertals den Zweirädern als Slalomstangen dienen. Abgerundet wird dieses Gesamtkunstwerk durch einen Schilderwald an der Einfahrt zum Wall, den kein Autofahrer in verkehrsüblicher Zeit durchblicken kann.

Dieser Unzustand ist umso trauriger, weil am Wall etwa mit dem Fahrenkamp-Haus, dem Bürokomplex an der Ecke Schloßbleiche und dem soeben aufwändig sanierten Commerzbank-Gebäude durchaus qualifizierte Immobilien stehen, die sich vom tristen Nachkriegs-Einerlei positiv abheben. Vom Von der Heydt-Museum ganz zu schweigen. Und ob Peek & Cloppenburg bei seinem 2008 am Wall eröffneten Neubau wirklich von „Weltstadthaus“ gesprochen hätte, wenn die Mode-Kette um die Entwicklung der Straße in den nächsten Jahren gewusst hätte, wage ich auch zu bezweifeln.

Die Politik hat sich das Geschehen am Wall tatenlos angesehen – unabhängig von politischen Konstellationen im Rat. 2023 legte immerhin die FDP mal kurz den Finger in die Wunde und erinnerte an das Versprechen, Bäume neu anzupflanzen. Ergebnis: null!

Sich jahrelang nicht mit einem Straßenherzstück der Elberfelder Innenstadt zu beschäftigen, nicht aktiv mindestens auf Interimslösungen für eine bessere Optik zu drängen – und unabhängig von späteren Lösungen am Neumarkt für den größeren Teil des Walls nach intelligenteren Verkehrskonzepten zu suchen, halte ich für einen Skandal.

Überspitzt gesagt ist das alles für mich so, als würde Düsseldorf kurzfristig die Bäume an der Königsallee abholzen und sich ewig damit Zeit lassen, seine zentrale Prachtstraße in der City ihrer Bedeutung angemessen zu gestalten. Nicht vorstellbar? In Wuppertal schon ...