Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Schwebebahnstation Sonnborn Ost

Wuppertal · Die Grenze zwischen Lüge und Wahrheit ist in den Sozialen Medien dank Künstlicher Intelligenz ja inzwischen noch schwerer erkennbar als in der Politik.

So stellt sich KI die Schwebebahn vor: Türen mit Klinke, die nach außen aufgehen ...

Foto: Screenshot youtube/Stadtlegenden

Auch ohne die Hilfe von Digital-Forensikern konnte ich allerdings erkennen, dass ein auf YouTube laufendes Video mit dem Titel „Die Geisterstation der Wuppertaler Schwebebahn“ kompletter Hullifatz ist.

Es erzählt nämlich eine Gruselgeschichte, in der Fahrgäste davor gewarnt werden, dass die Bahn angeblich manchmal nachts um 1 Uhr auf freier Strecke hält, die Türen öffnet und den Blick auf das stählerne Gerüst einer Haltestelle freigibt, die als „Sonnborn Ost“ angesagt wird. Man solle dort keinesfalls aussteigen, diese Haltestelle sei 1904 noch vor der ersten offiziellen Schwebebahnfahrt wieder abgerissen worden und jetzt eine Geisterstation.

... und ein Logo, das an einen Hubschrauber erinnert, auf dem Ärmel der „Fahrdienstleiterin“.

Foto: Screenshot YouTube Stadtlegenden

Als erfahrener Wuppertaler bemerkt man sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt. Allein schon deshalb, weil die Schwebebahn ja schon deutlich vor Mitternacht zum Heia-Machen in ihre Wagenhalle fährt. Außerdem haben bei der im Video durch die sehr düstere Wuppertaler Nacht fahrenden Bahn die Türen noch Klinken und gehen nach außen auf. Da hat die eingesetzte KI unser Wahrzeichen offensichtlich mit einem D-Zug aus den 1970er Jahren verwechselt.

Darsteller im Video sind unter anderem eine digital animierte Fahrdienstleiterin mit einer Art Hubschrauber als Schwebebahn-Logo auf dem Ärmel, die sich ähnlich hölzern bewegt wie Antonio Rüdiger im Trikot der Fußball-Nationalmannschaft, und ein alter Schwebebahn-Fahrer (leider in Flugkapitän-Uniform), der im Stile der Marionetten aus der Augsburger Puppenkiste gestikuliert.

Das ist aber alles gar nicht schlimm und auch nicht zum Aufregen, weil der Betreiber des Kanals „Stadtlegenden“, der das Werk hergestellt hat, ausdrücklich erklärt, dass seine Geschichten frei erfunden und die Videos mit KI produziert sind. Schlimm ist nur, dass das nicht alle verstehen, wie uns die 79 Kommentare verraten. Zum Beispiel dieser: „Das ist ein Werbetrick, um nachts mehr Fahrgäste in die Bahn zu bekommen. Man nennt es Event Traveling.“ Ein anderer ist geschockt: „Ich wohne in Wuppertal und benutze immer die Schwebebahn. Jetzt nie wieder.“

Ebenfalls in Wuppertal wohnt ein Mann, der die ganze Sache durchschaut hat und schreibt: „1904 gab es noch keine Schwebebahn. Erst 1906. Also liebe Touris: keine Angst und willkommen.“

Nach meinen Unterlagen fuhr die Schwebebahn allerdings schon 1901, weshalb wir ja auch gerade Jubiläum feiern. Aber wer weiß, ob das überhaupt stimmt – oder waren Sie etwa damals dabei?

Bis die Tage!