Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Dehydration Break

Wuppertal · So, da hätten wir Fußball-WM also auch aus dem Kopf. Das einzig Gute an den letzten drei Auftritten der deutschen Mannschaft war die Tatsache, dass man als WSV-Fan rückblickend die Spiele des Regionalliga-Absteigers in der abgelaufenen Saison gar nicht mehr so schlecht findet.

Symbolbild.

Foto: Dirk Freund

Weniger schön ist dagegen, dass es in Wuppertal keinen jugendlichen Fußballfan ohne Bartwuchs mehr gibt, der sich noch an nennenswerte deutsche WM-Erfolge erinnern kann.

Ich persönlich war ohnehin schon nach der Vorrunde ziemlich zuversichtlich, dass die Abkürzung „DFB“ mal wieder für „DIE FLIEGEN BALD“ steht – und zwar nach Hause. Das war spätestens im dann rückblickend doch nicht ganz so bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Ecuador erkennbar, bei dem Julian Nagelsmann zielsicher den Misserfolg einwechselte, um einige WM-Touristen mit Einsatzminuten auf Positionen zu beglücken, die sie schon immer mal nicht bekleiden wollten.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Gegen Paraguay knüpfte er souverän an diese Leistung an und kombinierte das unglückliche Wechsel-Händchen mit einer Taktik, die nicht einmal für einen Platz in der Zwischenrunde beim Sparkassen-Cup der Wuppertaler Grundschul-Fußballmannschaften gereicht hätte.

Beim DFB begann nach der anschließenden Niederlage im Sechzehntelfinale natürlich unmittelbar die Ursachenforschung. Aktuell wird untersucht, ob der Trainingsplatz der Mannschaft in Winston-Salem möglicherweise versehentlich nur 30 Meter breit war oder dort auf den Flügeln Hundeköttel lagen und die Spieler deshalb Angriffe über außen nicht üben konnten.

Der dort untätige Leroy Sané beispielsweise ist gefühlt 64 Mal von rechts nach innen gezogen und hat dabei 66 Mal den Ball verloren oder ersatzweise einen Fehlpass gespielt. Wäre er mal zur Grundlinie gegangen, hätte ihm bei seiner aktuellen Dribbelstärke allerdings ziemlich sicher die Eckfahne die Kugel abgenommen.

Weil Julian Nagelsmann über weite Teile des Spiels damit beschäftigt war, nach verbleibenden Fingernagelresten zum Abkauen zu suchen, sind ihm diese und alle anderen Fehlentwicklungen auf dem Feld leider entgangen. Auch die beispiellos mutige Reaktion auf den Pausenrückstand mit dem Wechsel eines defensiven Mittelfeldspielers gegen einen anderen defensiven Mittelfeldspieler ist ein Beleg dafür. Den vom Feld genommenen Alexander Pavlovic will Bayern München übrigens dem Vernehmen nach nächste Woche auf eBay gebraucht versteigern, weil er nach vier Wochen Nagelsmann-Schule als Mängelexemplar nicht mehr verwendbar ist.

Elfmeterschießen können wir auch nicht mehr, wobei es schon ein bisschen gemein war, dass danach auf WhatsApp ein Bildchen mit einem auf der Mondoberfläche liegenden Fußball kursiert. Unterschrift dazu: „Ball von Jonathan Tah gefunden.“ Immerhin hatte der Mann im Gegensatz zu einigen anderen wenigstens die Eier, im Elfmeterschießen anzutreten. Schön wäre es allerdings gewesen, er hätte für den Schuss nicht eine Baggerschaufel, sondern Stollenschuhe angezogen.

Wenn wir heute Torwart-Legende Sepp Maier fragen würden, wie sich die deutsche Weltmeister-Mannschaft von 1974 gegen das Paraguay-Team vom Montag geschlagen hätte, wäre seine Antwort bestimmt ganz ähnlich ausgefallen wie schon beim Aus gegen Südkorea vor acht Jahren. Sprich: „Wir hätten 3:0 gewonnen.“ - „Nur 3:0?“ - „Nun ja, die meisten von uns sind ja schon über 80!“

Ehe ich mich jetzt noch weiter echauffiere, mache ich lieber ganz im Sinne der FIFA eine Trinkpause. Sprachliche Feingeister werden an dieser Stelle übrigens bemerken, dass Trinkpause genau genommen exakt das Gegenteil von dem bedeutet, was bei der WM Mitte jeder Halbzeit auf dem Rasen passiert. Man unterbricht ja nicht das Trinken, sondern das Spielen. Es ist also kein „Hydration Break“, wie immer eingeblendet, sondern ein „Dehydration Break“. Eine Trinkpause im tatsächlichen Wortsinn mussten bei der WM nur die auch in den USA maximal feierfreudigen schottischen Fans einlegen, nachdem sie die Biervorräte aller Bars in Boston vernichtet hatten.

Auf die deutschen Leistungen können wir dagegen nur mit einem stillen Wasser anstoßen und damit die ebenso stille Hoffnung verbinden, dass endlich das Handy klingelt, das Jürgen Klopp seit Montag garantiert auch nachts neben seinem Kopfkissen liegen hat ...

Bis die Tage!