Kommentar (nicht nur) zu Leser-Bildern Menschen wollen ihre Zukunft sehen können

Wuppertal · „Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte“ – eine alte Binsenweisheit. Und sie stimmt. Rundschau-Leser Andreas Schemberg hatte uns für die Seite 2 der vergangenen Woche gleich zwei Bilder geschickt.

Die begrünte Poststraße (mit KI erstellt).

Foto: KI-generiert von Andreas Schemberger

Von einer zukünftig möglichen (dach-)begrünten Poststraße und vom Wall, wo ein baumbestandener Grünstreifen Radweg und Kfz-Fahrbahn voneinander trennt. Andreas Schemberg hat diese Fotos mit KI generiert, was heutzutage weder schwierig noch besonders selten ist. Der Zuspruch, den er dafür aus der Leser- und Leserinnenschaft der Rundschau bekam, ist erstaunlich.

Die vielen positiven Reaktionen sind allerdings auch kein Wunder, denn das mithilfe Künstlicher Intelligenz entstandene Anschauungsmaterial wirkt weder weltfremd noch ist es so abstrus „gebaut“, dass alle gleich abgewunken hätten. Die KI, die ihre Fans und Feinde hat, zeigt hier: Menschen, die sich für Veränderungen im Stadtumfeld interessieren, Vorschläge dazu haben, und diese Vorschläge anderen anschaulich machen möchten, können das jetzt relativ schnell tun. Oder genauer gesagt, tun „lassen“.

von Stefan Seitz

Foto: Bettina Osswald

So kann es gelingen, dass das in der Tat komplexe Themenspektrum von Stadtentwicklung beziehungsweise Stadtgestaltung nicht mehr alleine bei den Experten in Verwaltung & Co. bleibt, sondern die „Lufthoheit“ in Sachen Sichtbarkeit auch ein Stück in die Hände der Menschen übergeht, die sich dafür interessieren.

Ich denke, dass sich solche Initiativen in Zukunft öfter beobachten werden lassen. Und ich finde, das müsste dazu führen, den Dialog zwischen zuständiger Verwaltung und Bürgern deutlich zu öffnen. Wenn sie nicht mehr darauf warten müssen, dass ein Team von Experten ihnen ein Bild von der eventuell möglichen Zukunft eines bestimmten Ortes macht, sondern sie sich dieses Bild selbst entwerfen können, dann kommt eine andere Augenhöhe zustande. Über ein grünes Dach der Poststraße kann man jetzt auch mit einem optischen Argument diskutieren. Für mich sieht das nicht unmöglich aus. Und zum Commerzbank-Gebäude am Kerstenplatz, wo die vorbildliche Fassadenbegrünung immer deutlichere Formen annimmt, würde es ohnehin sehr gut passen.

Ähnliches gilt für einen bepflanzten Trennstreifen auf dem Wall. Der würde eben nicht im „bösen“ Sinn trennen, sondern erstens dem Auge und der Atmosphäre guttun sowie verschiedene Verkehrsformen miteinander versöhnen. Zumal der Radweg auf dem Wall zwar oft „ungenutzt“ aussieht, es aber in Wirklichkeit nicht ist. Und in Zukunft als innerstädtische Rad-Achse noch viel mehr Bedeutung bekommen wird.

Der große Zuspruch für die Zukunftsvisionen unseres Lesers Andreas Schemberg zeigt: Dieses City-Thema (das übrigens auch bald für die Barmer Innenstadt angegangen werden muss) ist den Menschen wichtig. Nicht umsonst fordern viele Leserbriefschreiber Oberbürgermeisterin Miriam Scherff dazu auf, das Ganze zur Chefinnen-Sache zu machen. Sehe ich genauso.

Die Wall-(beziehungsweise Poststraße-)Diskussion muss geführt werden – schnell, zugewandt und positiv. Mit einem Bild, sprich Ziel, vor Augen, geht man einen Weg anders, als wenn nur im Nebel gestochert würde.