Dieses Unterfangen hat der bisher noch eher mäßig erfolgreiche Influencer „mr.taha01“ jetzt auch für Wuppertal gestartet und auf Instagram seinen bedauernswerten 583 Followern präsentiert.
Unter dem Titel „Wuppertal bis es hässlich ist“ klickt er sich zunächst in den Dorner Weg und befindet: „Ist in Ordnung, würd‘ ich sagen“, was in einer von Wuppertals teuersten Wohngegenden nicht direkt überrascht. Erstaunlicher ist schon, dass er beim nächsten Stop auf der B7 zwischen Werther Brücke und Wupperfeld beim Rundblick auf Nachkriegsbebauung mit Depressionspotenzial und kahle Bäume regelrecht in Verzückung gerät: „Wow, sieht wirklich schön aus!“ Und angesichts des Schwebebahngerüsts feststellt: „Oh, eine Straßenbahn. Sieht auf jeden Fall schön aus ...“
Angesichts solcher Einordnungen fragt man sich natürlich, in welchem Umfeld der Influencer selbst wohl wohnt, zumal er im Anschluss auch das vergleichsweise bedrückende Gewerbegebiet Klausen „nicht hässlich, auf jeden Fall neutral“ findet. Ich nehme daher an, er residiert in Hagen, wo ich das „...bis es hässlich ist“-Experiment“ soeben dreimal gestartet habe, aber nie über den ersten Stopp hinausgekommen bin.
Nicht ganz passt dazu aber die Stelle, an der mr.taha01 seine Wuppertal-Tour abbricht. Das tut er nämlich an der Elberfelder Hansastraße im Angesicht wunderschöner historischer Häuserfassaden, vor denen jeder Denkmalschützer ehrfürchtig in die Knie gehen würde. „Diesmal nicht so schön, meiner Meinung nach natürlich“, befindet er und ist raus. Nicht ohne seine Follower aufzufordern, ihre Meinung dazu in die Kommentare zu schreiben.
Logisch, dass Wuppertaler diesen Quark so nicht stehen lassen wollen und dem Influencerchen verbal ordentlich einen einschenken, zumal es auch noch die Spots den falschen Stadtteilen zugeordnet hat, was bei uns bekanntlich sehr ungern gesehen ist.
Einer der beteiligten Lokalpatrioten hat allerdings ein kleines Eigentor geschossen. „Schade, dass ihr die Geschichte dieser Stadt nicht kennt“, lässt er wissen und gibt auch gleich mal passende Beispiele aus der Welt der Kultur: „Pinakothek Bausch ist weltbekannt! Toni Crack Skulpturenpark und, und und ...“
Da sehen wir dann auch auf der Seite des Belehrenden noch etwas Luft nach oben mit Blick auf die Kunst-Highlights im Tal. Zum Glück hat er das Thema nicht noch weiter ausgeführt und vom Brillenviertel, dem Luisendrittel oder dem Bengelshaus geschwärmt, das man von der Schwebebahnanhaltestelle Adlerhorstbrücke aus erreicht. Und hat auch nicht auf die bedeutenden Werke von Paula Modertochter-Becker im Auf der Heide-Museum in Elberfeld hingewiesen.
Hätte unser Mikro-Influencer in Google Maps übrigens auf Letzteres geklickt, wäre er auf dem Wall gelandet und hätte wahrscheinlich befunden: „Viel Beton, keine Bäume und lauter Löcher in der Straße. Auf jeden Fall nicht hässlich ...“
Bis die Tage!