Bergische Uni Wuppertal Die Schwebebahn durch die Linse von Kurt Keil

Wuppertal · Studentinnen und Studenten der Bergischen Universität erschließen seit 2023 den Nachlass des Wuppertaler Fotografen Kurt Keil. Neue Ergebnisse werden ab dem 13. Januar in einer Ausstellung präsentiert, um so die Forschung zur Stadtgeschichte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Fokus steht die Schwebebahn.

Thema der aktuellen Ausstellung ist die Schwebebahn. Genau wie Tausende andere Menschen zog sie Kurt Keil mit seiner Kamera in ihren Bann.

Foto: Kurt Keil

Über einen Zeitraum von knapp 50 Jahren fotografierte der verstorbene Pressefotograf Kurt Keil (1940 bis 2020) das Geschehen in Wuppertal. Die daraus resultierende Sammlung umfasst mehr als 500.000 Negative sowie zahllose Abzüge und Zeitungsausschnitte. Die Bilder zeigen sowohl besondere Ereignisse als auch alltägliche Szenen aus der Stadtgeschichte Wuppertals. Im Jahr 2021 gelangte Keils Nachlass in das Universitätsarchiv Wuppertal.

Studentinnen und Studenten der Bergischen Universität beschäftigen sich seit dem Wintersemester 2023/24 mit dieser Sammlung. In verschiedenen Lehrveranstaltungen lernen sie praxisorientiert das Erschließen solch umfangreichen Materials – vom ersten Sichten über das Katalogisieren und Archivieren bis hin zum Kuratieren von Ausstellungen. Ziel ist es, Studierende mit Archivarbeit und speziell der Arbeit mit und dem Erforschen von Fotomaterial vertraut zu machen.

Anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens wird in der neuen Ausstellung der eigentliche Star der Stadt Wuppertal ins Zentrum gesetzt: die Schwebebahn. Genau wie Tausende andere Menschen zog sie Kurt Keil mit seiner Kamera in ihren Bann. Das Ergebnis sind unzählige Aufnahmen von fröhlichen, einzigartigen, faszinierenden, aber teilweise auch traurigen Momenten in, unter und an der Schwebebahn, von denen eine kleine Auswahl nun neu zusammengestellt wurde.

Kurt Keil (li.) mit dem ehemaligen Rundschau-Redaktionsleiter Hendrik Walder.

Foto: Bettina Osswald

Die Ausstellung zur Schwebebahn ist die zweite der Reihe „Durch die Linse von Kurt Keil. Revisiting ...“. Wie bereits bei der Ausstellung „Revisiting Johannes Rau“, die im letzten Sommer im Johannes-Rau-Zentrum der Bergischen Universität Wuppertal gezeigt wurde, werden Exponate ausgestellt, die Keil 1992 selbst ausgewählt hat, um sie, damals in der Sparkasse Wuppertal, zu präsentieren.

Unter neuen Gesichtspunkten werden die dort gezeigten Exponate nun neu zusammengestellt und präsentiert – sie werden eben revisited. Aber anders als noch bei der letzten Ausstellung können sich die Besucher*innen nicht nur auf bereits durch Kurt Keil ausgestellte Exponate freuen, sondern auch auf weitere Fotos und spannende Objekte aus seiner Sammlung.

Der 1940 im heutigen Tschechien geborene Kurt Keil zog 1949 mit seiner Familie ins Ruhrgebiet. Im Alter von 15 Jahren begann er dort seine Ausbildung zum Installateur und kaufte sich noch während seiner Lehrzeit die erste Kamera. Seitdem widmete er sich enthusiastisch dem Fotografieren. Ab 1963 arbeitete er zunächst als freier Fotograf für die Ruhr Nachrichten und die (heutige) Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Als ihm dann vier Jahre später eine Festanstellung von der Westdeutschen Zeitung angeboten wurde, nahm er an und zog mit seiner Frau und den zwei Töchtern nach Wuppertal-Vohwinkel.

Von da an dokumentierte er das Wuppertaler Tagesgeschehen. Er begleitete beispielsweise 1972 die Jungfernfahrt der Schwebebahnwagen der Baureihe 72 und fotografierte 1987 die Einweihung der Uni-Halle. Aufnahmen von Menschen gehörten zu Kurt Keils besonderen Stärken. Kurt Keil gelang es sogar, die kamerascheue Pina Bausch (1940-2009) mehrfach vor seine Linse zu bekommen.

Keils besondere Liebe galt der Sportfotografie. So verfolgte er die Entwicklung des Wuppertaler SV über die Jahre hinweg. Auch nach seinem Renteneintritt ging er seiner Passion nach, verbrachte viel Zeit in verschiedenen Stadien und dokumentierte Sportveranstaltungen.

Kurt Keil starb 2020 in Wuppertal. Bis kurz vor seinem Tod arbeitete er an weiteren Büchern und Projekten. Nachdem während des Hochwassers 2021 der Keller des Hauses der Familie Keil überschwemmt wurde, gelangte seine fotografische Sammlung ins Universitätsarchiv, wo sie aktuell wieder neu entdeckt wird.