„Geschenk an Wuppertal“ Visiodrom wird gemeinnützig

Es klingt auf den ersten Blick nach trockener Bürokratie, ist für Wuppertal aber ein ziemlicher Einschnitt: Das Visiodrom am Gaskessel ist nicht länger eine klassische GmbH, sondern firmiert ab sofort als gemeinnützige GmbH (gGmbH). Ein Schritt, der viel über ein Kulturverständnis sagt, das intern schon lange, bevor es offiziell so hieß, gelebt wurde.

Gesellschafter und Führungsriege des Visiodroms (v.l.): Andreas Feicht, Faton Zenuni, Axel Kurz, Marie Haus, Thomas Drescher, Christian Höher, Daniel Mai, Dirk Emde und Marcello Groß.

Foto: Visiodrom GmbH

Hintergrund: Die acht Gesellschafter, die das Visiodrom 2021 im umgebauten Heckinghauser Gaskessel als Location für multimediale 360-Grad-Projektionen und begleitende Ausstellungen an den Start brachten, taten das eher aus Wuppertal-Liebe denn aus wirtschaftlichem Interesse. Ihr Startkapital floss damals vollständig in Technik und Aufbau und auch die Gewinne wurden konsequent in neue Shows, Ausstattung und die wissenschaftliche Begleitung neuer Projekte reinvestiert. In der Branche weiß man: Reich kann mit vergleichbaren Einrichtungen niemand werden, nicht umsonst sind die meisten ähnlich ausgerichteten immersiven Veranstaltungsstätten in öffentlicher Hand.

„Eigentlich fühlte sich das Label ‚GmbH’ daher schon lange nicht mehr richtig an“, sagt Dirk Emde, bei dem als Gesellschafter und Geschäftsführer viele Visiodrom-Fäden zusammenlaufen. Das Visiodrom, so Emde, habe längst durch verschiedene Kulturvermittlungs- und Bildungsangebote mit einem gemeinnützigen Selbstverständnis gearbeitet, etwa mit vergünstigten Eintritte für Schulklassen. „Wir waren im falschen Gewand unterwegs.“

Dieses Problem ist mit dem Wechsel der Rechtsform behoben - was ohnehin schon Praxis war, ist nun verbindlich festgeschrieben: Etwaige Gewinne müssen in der Gesellschaft verbleiben und dürfen nur für den gemeinnützigen Zweck eingesetzt werden. Damit geht ein Kurswechsel einher, der nicht rückgängig zu machen ist und ausdrücklich nichts mit wirtschaftlicher Schieflage zu tun hat. Im Gegenteil: Das Visiodrom ist nach eigenen Angaben der erfolgreichste touristische Ort Wuppertals, rund 80 Prozent der Besucher kommen aus anderen Städten. „Wir holen regelmäßig Leute in die Stadt“, so Emde.

Das Visiodrom wolle sich aber gleichzeitig auch stärker als Ort für die Menschen etablieren, die hier heimisch sind, betont Gesellschafterin Marie Haus. Viele Wuppertaler, so die Beobachtung, kommen nämlich bislang vor allem dann, wenn sie Gäste von außerhalb haben. An einem Konzept, mit dem das geändert werden könnte, arbeitet das Team derzeit intensiv. Genau wie an der nächsten Show, die das derzeit noch laufende „Van Gogh“-Programm ablösen soll. Sie wird jenseits der bisherigen Themen aus der Kunstgeschichte buchstäblich neue Sphären erschließen und einen weiteren Schritt in Richtung des Visiodroms als Bildungs-Standort markieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Wechsel von der GmbH zur gGmbH: Das Visiodrom kann nun verstärkt auf mögliche Förderprogramme zugreifen, die Kulturbetrieben mit Gemeinnützigkeitsstatus vorbehalten sind. Der vorherige Status als (zumindest formaler) Wirtschaftsbetrieb hatte in diesem Bereich viele Zugänge versperrt. Für die Gesellschafter bedeutet der Schritt im Umkehrschluss, dass ihr Investment ins Visiodrom keine Erträge mehr abwerfen wird. Allerdings nur, wenn man es materiell betrachtet. Der „Lohn“, wie Emde es formuliert, sei nicht finanziell, sondern gesellschaftlich: Kultur für Wuppertal zu schaffen und Wuppertal über die Stadtgrenzen hinaus noch sichtbarer zu machen. Das Fazit des bekennenden Wuppertalers: „Im Prinzip ist das ein Geschenk an unsere Stadt.“