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Rundschau-Kommentar zum Kaufhof -Aus und zur Innenstadt​

Kommentar zum Kaufhof und zur Innenstadt : Schwerer Warnschuss für die ganze City

Die zum 31. Januar 2024 angekündigte Schließung unserer Galeria-Kaufhof-Filiale hat mächtig eingeschlagen. Wenn ein Großkonzern, der offenbar viel falsch gemacht hat, Schlussstriche solcher Art zu ziehen vorhat, lässt sich auf lokaler Ebene wenig ausrichten.

Und wenn der Investor, der diesen Großkonzern vor einiger Zeit übernommen hat, eventuell gar nicht vorhatte, Arbeitsplätze und Warenangebot zu erhalten, sondern es ihm um die Kaufhof-Immobilien ging, dann eh nicht.

Das, was noch geht – beispielsweise auf gewerkschaftlicher Ebene für die Beschäftigten – muss getan und die endgültigen Ergebnisse müssen abgewartet werden.

Es mag auch sein, dass, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge sagt, Warenhäuser mit breitem Sortiment an Bedeutung verloren haben. Obwohl ich das anders sehe und es in anderen (deutschen) Städten sowie in anderen Ländern anders erlebt habe. Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten immer und immer wieder Unterschiedlichstes im Kaufhof gekauft. Aber ich gehöre halt auch nicht zu denen, die vom Paar Socken bis zum Kaffee-Vollautomaten alles bei Amazon & Co. bestellen – und dann in Krokodilstränen ausbrechen, weil die Innenstädte in Sachen Einzelhandelsatmosphäre „veröden“.

Was mir gut gefallen hat, war die Stellungnahme von IHK-Vizepräsidentin Katrin Becker, die die Managerin der City-Arkaden ist. Ihr Wortlaut: „Der aktuelle Zustand der Innenstadt, die von Baustellen geprägt ist und noch lange sein wird, war sicherlich nicht hilfreich, um den Standort zu erhalten.“ „Eine berechenbare Entwicklung der Umgebung“, so sagt sie weiter, sei zuletzt nicht vorhanden gewesen.

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Und weil sie damit absolut richtig liegt, sind mir die im Minutentakt eingetroffenen, vor Anteilnahme und Zukunfts-Beteuerungen überquellenden Verlautbarungen nahezu sämtlicher Parteien plus politischer Einzelpersonen wirklich auf die Nerven gegangen.

Weil es nämlich eben die politischen Mehrheitsparteien (der Vergangenheit und der Gegenwart) sowie die Oberbürgermeister Jung, Mucke und Schneidewind waren und sind, die über Jahre und Jahre die Elberfelder Innenstadtentwicklung – und ganz besonders die im sträflich vernachlässigten Dreieck zwischen Wall, Neumarkt (plus Neumarktstraße) und Willy-Brandt-Platz – einfach nicht im Blick gehabt haben.

Stichwort „Qualitätsoffensive Innenstadt“: Große Pläne, große Auftaktveranstaltungen – und dann? Still ruht der See. Wer macht hier Stadtentwicklung, wer Wirtschaftsförderung? Fatal, dass gerade jetzt Letztere kopflos ist, nachdem die Besetzung des bisherigen Chefsessels sich als Fehlgriff erwiesen hat.

Im Verwaltungsvorstand sitzen Dezernenten, die für Stadtentwicklung und Wirtschaft zuständig sind – und unter ihnen Abteilungen, deren Job das ist.

Ich habe überhaupt nichts gegen „goldene Bänke“ auf dem Von der Heydt-Platz und nichts gegen Zukunftsinitiativen in Sachen Mobilität. Wenn aber etwa am Von der Heydt-Platz üppig investiert wird, es aber anderswo (Poststraße oder Neumarkt) keinerlei Fortschritte gibt, oder wenn in der Südstadt, auf dem Ölberg oder Rott das Ende des Gehwegparkens als Teufel an die Wand gemalt wird, aber in Sachen sozial verträglicher Auto-Abstell-Angebote nichts zu sehen ist, dann führt das zu Frust und Wut. Nicht aber zu Lust auf die Zukunft.

Denkbar, dass das allerletzte Wort in Sachen Kaufhof-Schließung noch nicht gesprochen ist. Das wäre gut.

Noch besser aber wäre, wenn sich alle Verantwortlichen – ohne wortreiche Verlautbarungen und gegenseitige Schuldzuwesungen – darüber klar würden, dass man sich JETZT um die Elberfelder Innenstadt kümmern muss.