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Rundschau-Kommentar zum Wall: Schade um eine schöne Straße​

Kommentar zur traurigen Optik am Wall : Schade um eine schöne Straße

Ich kann mich noch erinnern: Vor Jahren stand dort, wo Wall und Schloßbleiche aneinanderstoßen, ein großer Baum. Oft saßen Hunderte von Vögeln drin, die so laut zwitscherten, dass man darunter kaum sein eigenes Wort verstanden hat. Den Baum – und viele andere, mit denen der Wall das Auge erfreut hat – gibt es nicht mehr.

Was es stattdessen gibt? Eine graue Schlucht. An ihrem Eingang ist das komplette Erdgeschoss des Hotel-Komplexes durchgängig blickdicht zugeklebt, weiter die Straße entlang gilt „zugeklebt“ auch für ein großes Erdgeschoss, hinter dem sich das Lager des Fahrrad-Lieferdienstes „Flink“ befindet. Schräg gegenüber lockt im Erdgeschoss des architektonisch eleganten Fahrenkamp-Gebäudes an der Ecke Turmhof ein Süßigkeiten-Verramscher, dessen Vorgänger – ein Corona-Testzentrum – auch keine Ästhetik-Punkte sammeln konnte. (Bilder von Rundschau-Leser Jörg Salz aus den Jahren 2002 bis 2005:)

Entlang all dessen zieht sich ein bedeutend dimensionierter Radweg (nur für eine Richtung!), der trotz angeblichem Fahrrad-Boom sehr wenig genutzt wird. Außerdem gibt’s viel Raum für Busse sowie ein paar Plätze für Lieferverkehr.Was es nicht gibt, ist eine Spur von Flair oder gar städtebaulicher Schönheit. Und dabei handelt es sich beim Wall um eine Strecke, die das Label „Prachtstraße“ früher durchaus verdient hatte. Und mit „früher“ meine ich nicht etwa (nur) die Kaiserzeit.

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Mit dem Döppersberg-Umbau und der B7-Sperrung begann der Wall-Abstieg von einer attraktiven Avenue zur funktionalen, baumlosen Achse. Fest zugesichert war seinerzeit, dass, wenn der Döppersberg fertig ist, der alte Wall-Zustand wieder hergestellt wird. Mit Bäumen! Der Döppersberg ist längst fertig, aber vom Wall redet niemand mehr. Außer die FDP, die am 13. Januar per Pressemitteilung den Finger in diese Wunde gelegt hat. Danke dafür! Andere Akteure scheint der Wall offenbar nicht zu interessieren.

Wie diese Straße, an der sich hochwertige Gebäude (neben dem Fahrenkamp-Haus zum Beispiel auch das Von der Heydt-Museum) sowie einige sehr anständige Geschäfte befinden, heute aussieht, ist nicht hinnehmbar. Ebenso wenig, wie dass zu Beginn des Walls die potthässliche Schloßbleiche vor sich hindämmert – und dass an seinem Ende der Neumarkt vom aufgeräumten Anblick eines Großstadt-Wochenmarktes Lichtjahre entfernt ist.

Was ich damit sagen will: In der Elberfelder City wurde über viele Jahre hinweg das Thema Stadtentwicklung viel zu sehr vernachlässigt. Vor allem, was eine solch wichtige Straße wie den Wall betrifft, der immerhin eine „Haupteinflugschneise“ für viele (oft von außerhalb kommende) Museumsbesucher ist.

Schaut man sich allerdings den Wall und seinen Riesenradweg an, fragt man sich: Wo sollten denn, wenn man sie wieder aufstellen wollte, Bäume jetzt überhaupt hin?

Meine Befürchtung ist, dass es aus dem Rathaus heißen wird: „Da kann man jetzt nichts mehr machen.“