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Kommentar zur Wuppertaler Poststraße​: Ein City-Trauerspiel​

Kommentar zur Poststraße : Ein City-Trauerspiel

Nicht nur für jemanden wie mich, der in der Poststraße aufgewachsen ist (meine Mutter und mein Bruder wohnen dort immer noch), ist der Zustand dieser ehemaligen Elberfelder 1A-Lage erschreckend. Und zwar schon lang.

Wie sich die Straße aber in jüngster Zeit „präsentiert“, ist ein Schlag ins Gesicht – von Anwohnern, Geschäftsleuten sowie für alle Passanten. Eine schwarze, völlig holprig zugekleisterte Strecke, die immer einmal wieder aufgerissen, wieder zugekleistert beziehungsweise von Baugerät, Lkw und Absperrungen zugestellt wird.

Und mittendrin das frühere Abeler-Haus, das in einem so heruntergekommenen Zustand ist, dass man sich dafür bei jedem City-Besucher entschuldigen müsste. Das Haus wurde verkauft. An wen, ist nicht herauszufinden. Das Haus bleibt verrammelt – und es vergammelt. Was aus der jahrzehntealten Räderuhr und dem Glockenspiel wird? Keine Ahnung.

Zu all dem passt, dass die 2018 mit großem Aufschlag gestartete Immobilien-Standortgemeinschaft Poststraße / Alte Freiheit (ISG) gescheitert ist und nun beerdigt wird. Zu wenige Hauseigentümer waren bereit, sich mit gemeinsamem ISG-Topf-Geld für eine zeitgemäße, attraktiv beleuchtete und städtebaulich schön gestaltete Poststraße zu engagieren. Auf dem Werth in Barmen macht die dortige ISG seit 2011 erfolgreich vor, dass das geht – und wie es geht. Unglaublich peinlich für Elberfeld!

  • Blick in die Poststraße.
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  • Bild aus dem Jahr 2018.
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  • von
Stefan
Seitz
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Dort in Barmen übrigens, wo demnächst die Umgestaltung des Werth zum „Kulturteppich“ bevorsteht (das bringt auch neues Pflaster und die entsprechenden Baustellen) will man mit Infotafeln, Hinweisen aller Art plus „Baustellen-Partys“ auf die Menschen zugehen. Ihnen erklären, worum es geht – und wie lang alles dauert.

Auf der Poststraße war und ist davon keine Spur. Öffentlich sichtbare Informationen darüber, für welchen Zeitraum man sich diese üble Schlucht noch ansehen und durch sie hindurchstolpern muss, gibt es praktisch nicht.

 Stefan Seitz.
Stefan Seitz. Foto: Bettina Osswald

Dass übrigens im Rahmen der Fernwärmeleitungsarbeiten, die dem Neupflastern vorgeschaltet sind, ganz „plötzlich“ festgestellt wurde, dass unter der Poststraße archäologische Reste der mittelalterlichen Elberfelder Burg im Boden liegen (deren Katalogisierung erneute Verzögerungen bringt), macht mich fassungslos. Dass dort schon im zwölften Jahrhundert die alte Burg stand, habe ich Ende der 60er Jahre in der Grundschule im Heimatkundeunterricht gelernt.

Welchen Anblick und welche unerträglichen Zustände die Erneuerung der Elberfelder Fußgängerzone mit sich bringen wird, wenn das Projekt die Alte Freiheit – und damit das immens frequentierte Areal an den City-Arkaden – erreicht, möchte ich mir gar nicht vorstellen. 

Die Kommunikation bei diesem gesamten Fußgängerzonen-Thema ist katastrophal und muss unbedingt professionalisiert werden. Der Flurschaden bei Wuppertals Bürgern und bei den Besuchern der Stadt ist jetzt schon kaum noch zu reparieren.