Kommentar zum FDP-Vorschlag Luisenviertel-Konzept: Dieser alte „Altstadt“-Hut

Wuppertal · Das Luisenviertel ist Wuppertals beliebtestes Ausgeh- und Gastronomie-Areal. Im Sommer auch bis spät in den Abend und bis in die Nacht. Geographisch geht es dabei um die Strecke ab etwa Laurentiusplatz bis hinunter zum Deweerthschen Garten.

Das Luisenviertel beim Luisenfest im Jahr 2019.

Das Luisenviertel beim Luisenfest im Jahr 2019.

Foto: Max Höllwarth

Nicht immer läuft die „Begegnung“ von Gästen und Anwohnern konfliktfrei. Deswegen ist der nun endlich realisierte Vorstoß für die Schaffung der Stelle eines Nachtbürgermeisters beziehungsweise einer Nachtbürgermeisterin, wofür es jetzt im Sozialausschuss grünes Licht gab, eine sehr gute Idee.

Ein Nachtbürgermeister ist dabei nicht etwa eine Behörde, sondern ein Mensch, der sich im Viertel auskennt und bekannt ist – und der sich um die Organisation des Nachtlebens kümmern und als zentrale Anlaufstelle und Ansprechperson für Gastronomie, Veranstalter, Kulturleute, Anwohner und Einzelhändler sowie Politik und Verwaltung fungieren sowie zwischen all diesen Beteiligten und ihren Interessen vermitteln soll.

In Mannheim, Mainz, Heidelberg oder Osnabrück sowie auch in mehreren niederländischen Städten gibt es schon lange gut funktionierende Nachtbürgermeistereien. Das sollte für Wuppertal Vorbild und Anreiz sein. Denn dass es gerade im Herzstück der Luisenstraße mit später Gastronomie oder rund um den Deweerthschen Garten mit nächtlichen Sommer-Partys immer wieder Ärger gibt, ist (leider) bestens bekannt.

Grüne und CDU haben schon positive Stellungnahmen zum Nachtbürgermeister abgegeben. Ebenso die FDP. Wobei Letztere noch darüber hinaus geht – und ein „Altstadtkonzept“ für das Luisenviertel fordert. Von den Liberalen heißt es, dass „Maßnahmen wie die Sperrung eines Teils der Friedrich-Ebert-Straße oder auch die Einführung eines Nachbürgermeisters“ Einzelmaßnahmen seien, „die einen strategischen Überbau benötigen, um schlüssig zu werden.“ Das kann man so sehen.

Echter Unfug allerdings ist dies: „Die Freien Demokraten wollen mit der Bezeichnung ‚Altstadt‘ als Zusatz zum Luisenviertel das Luisenviertel auch für das Stadtmarketing als Marke stärken.“ Das hat die FDP vor vielen, vielen Jahren schon einmal gefordert: Bis hin zu Richtungsschildern auf der B7, auf denen „Altstadt“ zu lesen ist. Köln und Düsseldorf haben ihre Altstadt, wir haben unser Luisenviertel. Das können sich bestimmt auch Besucher von außerhalb merken.

Bloß weil anderswo so etwas wie das Luisenviertel „Altstadt“ heißt, muss Wuppertal noch lange nicht in dieses, laut FDP, angeblich so eminent wichtige Stadtmarketing-Horn tuten. Gut, wenn man sich vernünftig um das Luisenviertel kümmert. Aber bitte, meine Herren und Damen von der FDP: Lassen Sie endlich diesen „Altstadt“-Hut in der Mottenkiste.

In Wuppertal gibt’s keine „Altstadt“. In Wuppertal gibt’s das Luisenviertel. Und das ist auch gut so.

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