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Nach Toresschluss - Wochenend-Satire der Wuppertaler Rundschau

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire : Halten Sie die Ohren steif ...

Ich habe schon vor ein paar Wochen mal kurz angemerkt, dass „Bleiben sie gesund!“ das neue „Auf Wiedersehen!“ ist. Aber: Was soll uns der Hinweis „Bleiben Sie gesund!“ eigentlich sagen?

Grammatikalisch betrachtet handelt es sich um einen Imperativ, sprich die Befehlsform. Der Gesprächspartner ordnet also an, dass ich gesund zu bleiben habe. Bisher dachte ich immer, dass gesundheitliche Verordnungen Sache von Ärzten sind, aber jetzt ist das offensichtlich ausgeweitet worden. Dabei kann ich dieses Gesundbleiben ja erstens kaum aktiv beeinflussen und kenne zweitens praktisch keine Leute, die absichtlich krank werden wollen. Vielleicht mal abgesehen von faulen Schülern vor Klassenarbeiten oder Fußballern, die sich nach leichten Berührungen unter Schmerzensschreien um die eigene Achse drehen wie eine Rindsroulade, um den Schiri zu beeinflussen.

Außerdem setzt „Bleiben Sie gesund!“ ja voraus, dass der Angesprochene gesund ist, was man auch nicht automatisch unterstellen kann. Kein halbwegs vernünftiger Psychologe könnte beispielsweise Donald Trump ein munteres „Bleiben Sie gesund!“ zurufen ... „Bleiben Sie gesund!“ steht allerdings in der guten Tradition weiterer fragwürdiger Abschiedsformeln. Nehmen Sie zum Beispiel „Halten Sie die Ohren steif!“ – ich habe mich immer schon gefragt, wie man das genau macht. Nach meiner Erfahrung können die Ohren das von ganz alleine. Außer man ist ein Hase. Ähnlich verhält es sich mit „Hals- und Beinbruch!“, bei dem es sich sozusagen um den natürlichen Feind von „Bleiben Sie gesund!“ handelt. Neulich hat mir tatsächlich jemand eine Mail geschrieben, die mit „Bleiben Sie gesund und Hals- und Beinbruch!“ endete. Das ist ungefähr so, als würde der Kellner die Pilzpfanne mit den Worten „Guten Appetit, wird schon schiefgehen!“ servieren.

Ein ähnlich problematischer Imperativ wie „Bleiben Sie gesund!“ ist übrigens „Machen Sie‘s gut!“ Was genau soll man denn da eigentlich gut machen? Und unterstellt der Absender damit nicht auch böswillig, dass man das, von dem man noch gar nicht weiß, was es ist, möglicherweise auch absichtlich schlecht machen könnte? Insofern würde sich „Machen Sie‘s gut!“ immerhin als Verabschiedung anbieten, falls Sie mal einen Termin mit Donald Trump haben, bei dem sich „Bleiben Sie gesund!“ ja wie schon herausgearbeitet absolut verbietet. Zum Irreführer der freien Welt sollten Sie nebenbei bemerkt auch nicht „Bleib sauber!“ sagen. Das wären dann wirklich mal Fake News, weil er das garantiert nicht ist.

Im Übrigen rechne ich täglich damit, dass wegen Corona weitere Grußformeln angepasst werden. Demnächst sagen wir „Auf Wiederskype!“, wünschen mittags „Mahlzeit to go!“ und empfehlen „Geh mit Gott und auf zwei Meter Abstand“. Da bin ich sehr froh, dass ich mich auch heute wieder zeitlos und höflich auf gut Wuppertalerisch von Ihnen verabschieden kann:

Bis die Tage!