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Roderich Trapps "Nach Toreschluss": Zopp deck ön Mangbrot

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Zopp deck ön Mangbrot

Die gute Nachricht vorweg: Diese Glosse fällt nicht wegen Corona aus. Anders als beispielsweise der mittelalterliche Handwerkermarkt in Barmen.

Merke: Ein bisschen Met trinken und Hufeisenschmieden im kleinen Kreis auf dem Rathausvorplatz ist also zu riskant. In Rufweite des weitgehend unter Quarantäne stehenden Kreises Heinsbergh das Bundesligaspiel Gladbach gegen Dortmund mit 60.000 Fans zu veranstalten, die beim Schreien DFB-feindlicher Parolen infektiöse Tröpfchen im Stil wandelnder Regenwaldduschen verteilen, ist dagegen kein Problem. Möglicherweise gibt es Menschen, die das plausibel erklären können. Ich habe nur irgendwie noch keinen davon getroffen.

Das soll nun nicht heißen, dass man sich nicht in Acht und die Hygiene-Empfehlungen nicht ernst nimmt. Ich habe durch das ständige Händwaschen zwar nur noch Resthaut an den Fingern, aber die Epidermis kann man ja behutsam neu aufbauen, wenn wir die Bunker wieder verlassen dürfen. Bei uns auf dem Rundschau-Klo steht außerdem ein Spender mit Desinfektionsmittel. Der war fast leer, als ich gestern da drauf drückte. Daraufhin spotzte der Restinhalt unter hohem Luftdruck tröpfchenförmig in alle Himmelsrichtungen und landete statt in den Handflächen auf meinem Balg und in meinen Augen. Jetzt habe ich ein verätztes Oberhend und nur noch 20 Prozent Sehkraft, aber wenigstens kein Corona ...

Das sind die Momente, wo man den ganzen aufgeregten Infektions-Panikern am liebsten einen Wuppertaler Spruch entgegenschleudern möchte, der leider nur noch viel zu selten angewandt wird. Es handelt sich um das gute alte: Zopp deck ön Mangbrot! Bei einer Blitzumfrage fand ich kaum noch jemanden, der damit etwas anfangen konnte. Da müssen wir also nachhelfen. Das Sprüchlein besagt so viel wie das deutschlandweit gebräuchliche „Du kannst mir mal den Buckel runterrutschen“, ist aber in seiner rustikalen bergischen Form natürlich die viel schlagkräftigere Variante. Zumal ja zum Glück hier kaum jemand einen Buckel hat, den man runterrutschen könnte.

Dass den Spruch niemand mehr kennt, dürfte damit zu tun haben, dass das derbe heimische Mangbrot bei uns weitgehend durch überkandidelte neumodische Brotsorten ersetzt worden ist, bei denen die Körner von Diplom-Ernährungswissenschaftlern einzeln mit dem Faustkeil halbiert und mit Möhren, Joghurt, Dinkel sowie Kieselsteinen zu einer heterogenen Substanz verbacken werden, die beim Bestrich mit guter Butter sofort wieder in sämtliche Bestandteile zerbröselt. Das kastenförmige Mangbrot dagegen ist ähnlich wie der Wuppertaler selbst kantig, mit harter Kruste versehen und tendenziell säuerlich, hat aber einen guten und äußerst robusten Kern. Deshalb ist das Zoppen eines Mangbrots auch weitgehend sinnlos, würde doch jedwede Flüssigkeit, in die man es tunkt, ähnlich wie beim Lotusblüteneffekt von ihm abperlen - womit auch der Sinn des Spruchs erklärt wäre.

Die Corona-Hysterie werden wir damit auch nicht aufhalten. Wenn aber nächstes Mal die Menschen wegrennen und beim Gesundheitsamt anrufen, weil Sie sich im Schwebebahnhof an einer Scheibe Low-Carb-Chiasamen-Dinkelschrot-Müslibrot verschluckt haben, dann wissen Sie jetzt wenigstens, was Sie ihnen hinterherrufen können ...

Bis die Tage!