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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Wo ist der Wintersport?

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Wo ist der Wintersport?

Weihnachten ist kaum vorbei, da haben die nächsten Leute schon wieder Geburtstag. Das ist unglücklich, weil nach dem Fest der Feste die Geschenkideen normalerweise komplett aufgebraucht sind.

Das ist der Moment, wo man besonders gerne auf Gutscheine als Präsent zurückgreift, so dass sich der Jubilar am Ende selbst Wünsche erfüllen kann, die er eigentlich gar nicht hat. Zu diesem Zweck könnte man eigentlich auch einfach Geld abgeben, aber das gilt ja als eher unschicklich.

So begab es sich aber, dass im Freundeskreis dieser Tage für einen kalendarisch Frühgeborenen ein Gutschein zur Ergänzung seiner Skiausrüstung erworben wurde, auf dass selbiger beim bevorstehenden Winterurlaub besonders stylish die Pisten hinunterwedeln könne. Praktischerweise hatten sich andere Menschen um den Gutscheinkauf gekümmert. Mir wurde lediglich aufgetragen, zur Verzierung des Geschenkes ein kleines symbolisches Accessoire in Form eines Skifahrer-Figürchens zu erwerben. So etwas gäbe es bestimmt von Playmobil oder Lego und ich würde ja in der Stadt arbeiten und da sei das ratzfatz erledigt. In der Praxis gestaltete sich die Sache etwas schwieriger. Um nicht zu sagen: Nach anderthalbstündiger Bestreifung sämtlicher verfügbarer Spielzeugregale in Elberfeld stand ich mit leeren Händen und der traurigen Erkenntnis da, dass der Wintersport in der gesamten City-Spielfiguren-Einzelhandelslandschaft nicht mehr existent ist. Einziges hochalpines Relikt war eine Pistenraupe von Playmobil, die allerdings mehr kostete als das eigentliche Geschenk.

Wofür aber führt ein Laden 40 Zentimeter lange Pistenraupen, wenn es gar keine kleinen Skifahrer dazu gibt, die sich auf den von ihr gewalzten Abfahrten tummeln könnten? Und wieso gibt es diese kleinen Skifahrer nicht, wo doch praktisch alles andere im Kleinformat angeboten wird? Minigolfer, Skater, sogar abstruse Drachen in zahlreichen Formen und Farben sowie eine Miniatur-Poollandschaft, eine komplette Pizzeria mit Biergarten oder eine Playmobilfrau am Bügelbrett hätte ich jederzeit haben können, aber da fehlt ja der inhaltliche Zusammenhang zum Skifahren. Den hätte es bei den ebenfalls verfügbaren Playmobil-Sets „Mann mit Gipsbein im Rollstuhl“ und „Röntgenraum“ zwar gegeben, selbige erschienen mir aus Sicht des zu Beschenkenden aber eher demotivierend.

Vom Playmobil-Raubritter habe ich ebenfalls abgesehen. Raubritter kommen in Skigebieten zwar vereinzelt vor, es handelt sich dabei aber in der Regel um Schweizer Hüttenwirte, die 22 Franken für ein Paar Wiener Würstchen ohne Senf aufrufen. Kurz gesagt: Der traditionsreiche alpine Skilauf, die Königsdisziplin des Wintersports, ist mitten im Januar spielzeugtechnisch in Wuppertal nicht mehr existent. Möglicherweise hat Greta Thunberg alle diesbezüglichen Produkte eingesammelt, weil Skifahren ja umwelttechnisch am Pranger steht. Dann frage ich mich allerdings, wieso sie den Großflughafen von Lego stehen lassen hat.

Ich habe nunmehr zu Hause aus uralten Spielzeugkisten einen Mini-Rennfahrer mit Helm gefischt und ihn auf zwei Streichhölzer geklebt. Das Konstrukt sah skisportfachlich ein bisschen komisch aus, ist aber wenigstens eine Art Recycling. Vielleicht kommen wir damit bei Greta gerade noch durch ...

Bis die Tage!