Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Weichkäs’ mit Musik

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Weichkäs’ mit Musik

Neulich griff ich beim Frühstück zu einem Weichkäse, dessen Verpackung mich in Erstaunen versetzte. Denn da war ein QR-Code drauf, mit dessen Hilfe man beim Musik-Dienst Spotify eine „Playlist zum Dahinschmelzen“ aufrufen kann.

Das weckte in mir den Verdacht, dass der Werber, der sich diesen Käse ausgedacht hat, passend dazu selbst auch ein bisschen weich in der Birne sein muss. Nach der gleichen Wortwitz-Logik könnte man ja auch auf die Verpackung eines Tomahawk-Steaks einen Link zu Winnetou eins bis drei drucken.

Wenn ich ein Weichkäse wäre, hätte ich mir so einen Quatsch verbeten. „Gipp et dran“ würde ich dem kreativen Kopf am liebsten zurufen und damit eine wunderbare Wuppertaler Redewendung zum Einsatz bringen, die sehr pointiert ausdrückt, dass der Gesprächspartner jetzt gut beraten wäre, zu schweigen. „Gipp et dran“ kann sich aber auch auf eine Tätigkeit beziehen, die jemand tunlichst dringend einstellen sollte. Zum Beispiel die Nachbarstadt wegen eines Outlets verklagen. Das macht Wuppertal ja gerade mit Remscheid. In Wirklichkeit will das in unserer Stadt zwar niemand mehr, aber die Klage ist offensichtlich ähnlich schwer zu stoppen wie der Klimawandel. Dieser Vergleich passt übrigens auch deshalb, weil das Klima zwischen den Nachbarstädten inzwischen genauso schlecht ist wie das auf der restlichen Welt. Einziger Unterschied: Während die Erde langsam überhitzt, wird das Verhältnis von Remscheid zu Wuppertal immer frostiger ...

Neulich hat die Stadt Wuppertal extra noch einmal bei den lokalen Einzelhändlern schriftlich nachgefragt, wer sich denn wohl von einem Remscheider Outlet bedroht fühle. Die Reaktion auf die 700 Briefe war überwältigend: 28 Händler haben geantwortet. Solche Rücklaufquoten kennen Vereinsvorstände vom Aufruf an ihre Mitglieder, Kuchen für das nächste Sommerfest zu backen.

Freuen über die Klagerei auf hohem finanziellen Honorarniveau dürfen sich immer hin die beteiligten Rechtsanwälte. Wuppertal wird dabei von einer Düsseldorfer Kanzlei vertreten, die an der Königsallee residiert. Dort sind erfahrungsgemäß schon allein die Parkgebühren so hoch wie in Wuppertal die Anwaltshonorare, aber die Stadt lässt offensichtlich nichts unversucht, um den Prozess, den man gar nicht führen will, möglichst zu gewinnen.

Das könnte man jetzt paradox finden. Aber in einer Welt, in der es nicht mehr nur „Handkäs’ mit Musik“, sondern auch „Weichkäs’ mit Musik“ gibt, wundert einen ja nichts mehr ...

Bis die Tage!

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