Nach Toreschluss: Hosenscheißer-Limousinen

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Hosenscheißer-Limousinen

Das ist ja im wahrsten Sinne des Wortes der Hammer: Da wollte diese Woche doch tatsächlich ein Mann nicht länger in einer an der Station Werther Brücke offenbar hängen gebliebenen Schwebebahn auf die Öffnung der Türen warten, hat deshalb mit dem Nothammer eine Scheibe eingeschlagen und ist locker-flockig ausgestiegen.

Auf unserer Homepage haben wir eines der Videos verlinkt, das Mitfahrer von diesem ungewöhnlichen Abgang gedreht haben. Ich sehe das durchaus positiv: Der Notausstieg funktioniert im Gegensatz zu den Türen offenbar einwandfrei, die Scheibe ließ sich problemlos entfernen und das Durchklettern ist ohne große Verrenkungen möglich. Wenigstens eine Sache, die bei den neuen Bahnen super geplant ist ....

Weniger gut geplant waren die Klappsitze vorne hinter dem Fahrer, die nur benutzt werden sollten, wenn gerade niemand hier mit seinem Kinderwagen oder Rollstuhl parken will. Der Name Klappsitz kommt aber daher, dass dieses Prinzip grundsätzlich nicht klappt, wenn am nächsten Bahnhof Stoffel mit der Fott auf diesen Plätzen sitzen bleiben, obwohl Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen zusteigen. Und von diesen Kindsköpfen gibt es offenbar genauso viele wie Kleinkinder.

Erschwerend kommt hinzu, dass Kinderwagen heute mit ihren Bemaßungen und Sicherheitseinrichtungen SUVs nicht unähnlich sind und entsprechend Platz brauchen. Bekannte führten mir dieser Tage ihr neues Modell mit gepolstertem Fünf-Punkt-Gurtsystem, Aluminiumgestell, Moskitonetz, federunterstützter Sicherheitsparkbremse, Vierfach Schraubendruckfederung, Getränkehalter und einem höhenverstellbaren Griff vor, der genau aussieht wie ein Lederlenkrad im Auto, das man für den Preis dieser rollenden Zwergenburg problemlos gebraucht kaufen könnte.

Zu unterscheiden ist dabei übrigens grundsätzlich zwischen den Kinderwagen für noch liegend zu befördernde Babys und den Sportwagen für bereits sitzfähigen Nachwuchs. Jahrelang habe ich mich gefragt, warum letztere Sportwagen heißen, obwohl es sich doch genau genommen um klobige Kindertransportsessel ohne Achtzylinder und Turbolader handelt. Die Antwort fand ich jetzt in der Katalogbeschreibung des Models „Scuderia Ferrari“ von Hersteller „cybex“: Der Baby-Bolide, so verspricht man den Interessenten, bringe „das Feeling von der Rennstrecke direkt zu Dir“. Da muss Mutti dann aber ganz schön schnell schieben, sonst wird das nix ...

Ich persönlich wurde als Baby in den Sechzigern übrigens nicht in schraubendruckgefederten Hosenscheißer-Limousinen, sondern auf einer Art Sperrholzplatte mit vier Rädern befördert. Wie habe ich das bloß überlebt?

Bis die Tage!