Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Der Pissup-Schlumpf

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Der Pissup-Schlumpf

Früher war eine Hochzeit relativ einfach. Man ging ins Standesamt oder die Kirche und machte dann eine Feier. Heute ist der Vorgang zwar im Prinzip noch der gleiche, aber der Aufwand drumherum nicht: Wer etwas auf sich hält – und das tun nach meiner Beobachtung etwa 105 Prozent aller Bräute –, der plant eine Veranstaltung, die in den Dimensionen dem Wiener Opernball nicht unähnlich, aber insgesamt doch deutlich komplexer ist.

Das fängt schon bei der Auswahl der richtigen Location für die Feier an. Erfahrene Hochzeitsplaner raten inzwischen dazu, zunächst einen Raum zu reservieren und erst dann einen Partner zu suchen, weil angesagte Locations oft über Jahre im Voraus ausgebucht sind. Ähnlich gefragt sind hochzeitstaugliche Partybands, Caterer, Floristen, Fachberater in Brautmodengeschäften, Fotografen, Spezialisten für Hochzeits-Makeup und -Frisuren, Pfarrer, Alleinunterhalter und was noch zur personellen Grundausstattung einer würdigen Eheschließung gehört.

Das Einzige, mit dem die Brautleuten nichts zu tun haben, ist der Junggesellen-Abschied. Für den gibt es inzwischen übrigens auch leistungsfähige internationale Dienstleister, die beispielsweise „Steak + Strip“ in Amsterdam anbieten. Dabei geht es laut Werbung auf der Homepage des Unternehmens „um die Symbiose aus zart gebratenem und von der Sonne gebräunten Fleisch“. Alternativ kann man aber auch einen „Pissup-Schlumpf“ mieten, der sich drei Stunden lang am Bräutigam festkettet und mit ihm und seinen sauflustigen Kumpanen durch Bars im Rotlichtviertel der Grachten-Metropole zieht. Werbeversprechen: „Und wenn einer von beiden aufs Klo muss, dann wird das für alle anderen sehr, sehr lustig.“

Da wird der Bräutigam möglicherweise froh sein, wenn er die Planung rund um die Hochzeit wieder selbst in der Hand hat. Das ist allerdings selten der Fall, weil in der Regel die Braut treibende Kraft bei der Ausarbeitung sämtlicher Details zur Perfektionierung des allerschönsten Tags im Leben ist.

Selbiges birgt aber auch die Gefahr, dass sich die Dame in Weiß schon bei kleinsten Abweichungen vom vorskizzierten Gesamtkunstwerk schwarz ärgert. Sind etwa innerhalb des von Diplom-Tischdekorateuren in wochenlangen Planungssitzungen konzipierten Layout- und Coulor-Konzepts der Hochzeitstafel die Servietten plötzlich lachsfarben statt blassrosa, ist die Hochzeit praktisch gelaufen.

Sehr schön kann man solche Katastrophen im Rahmen der beliebten VOX-Serie „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ beobachten, bei der auch die Budgets genannt werden, mit denen die dort vorgestellten Paare operieren. Wenn ich die Zahlen so lesen, wird die nächste Staffel wahrscheinlich „Vier Hochzeiten und zwei Privatinsolvenzen“ heißen.

Möglicherweise greifen deshalb praktisch veranlagte Brautväter, denen ja zumindest nach alter Tradition die Finanzierung der töchterlichen Hochzeit obliegt, auch schon mal zur Selbsthilfe. Ich komme da drauf, weil mir neulich eine Brautmutter aus Schwelm davon erzählte, wie sich ihr Mann plötzlich draußen an die Arbeit machte und Europaletten weiß anstrich. „Super, der baut mir Gartenmöbel“, freute sich die Dame. Leider handelte es sich aber um die High-Heels-Garagen, die Töchterchen beauftragt hatte, auf dass weibliche Gäste dort ihre hohen Hacken parken und gegen veranstalterseitig gestellte Flip-Flops tauschen können ...

Bin ich froh, dass ich nur einen Sohn habe. Da komme ich mit dem Schlumpf aus!

Bis die Tage!

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