Nach Toreschluss - die Wochenendsatire der Wuppertaler Rundschau

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Hilflos im Höllenfeuer

Gehen Sie eigentlich gerne in die Sauna? Dann habe ich mit Blick auf den Wetterbericht für nächste Woche gute Nachrichten für Sie: Ab Dienstag kriegen Sie Sauna im Büro gratis. Und falls Sie im Dachgeschoss wohnen, auch noch eine Heimsauna obendrauf.

Was den Rest des Jahres angeht, sieht es in Wuppertal mit Saunavergnügen im größeren Maßstab allerdings mau aus. Früher gab es ja noch die Bergische Sonne, in der man gerne Popo an Popo mit Leuten aus dem Tal schwitzte, denen man immer schon mal nicht nackt begegnen wollte. Kurz bevor da oben in den Barfußbereichen mehr Pilze wuchsen als nebenan auf den Lichtscheider Wiesen, wurde der Betrieb aber eingestellt. Seit sieben Jahren wird es deshalb in den Sauna-Häuschen nur noch heiß, wenn Vandalen sie mal wieder anzünden.

Wuppertaler Saunafreunde müssen für ausgedehnte Wellnesstage jetzt ins Umland ausweichen. Das habe ich neulich auch mal wieder gemacht und genoss in einem führenden Badeparadies der Region Saunakultur vom Feinsten. Nun soll man in der Sauna an sich ja entspannen. Das ist aber nicht immer ganz so einfach. Denn man kann sich zwar aussuchen, ob ma lieber in die Bio-, 80-Grad-, 90-Grad- oder die einem Schnellkochtopf nicht unähnliche 100-Grad-Sauna möchte, aber nicht, wer mit einem da sitzt. Erfahrene Saunagänger werden das Problem kennen: Im ungünstigsten Fall kommt kurz nach Ihnen ein alter bergischer Saunahase durch die Tür, der es dank stetiger Zufuhr von Krüstchen und Wicküler Pils bei 1,70 Meter Größe auf ein stattliches Lebendgewicht von 130 Kilogramm gebracht hat. Diese Zuladung ist im wesentlichen in einem beeindruckenden Kugelbauch mit Nabelbruch verbaut. Solche Modelle nehmen vorzugsweise deutlich zu dicht neben Ihnen Platz und lassen Nachbarn auf der gleichen Bank beim schwungvollen Hinsetzen ein Stück in die Höhe hüpfen.

Da man sehr nah an diesem Bullemann dran sitzt, kann man sich auch besonders gut an gefälligen anatomischen Details wie dem in dieser Besucherklasse noch weit verbreiteten Rückenflokati oder der immer wieder kongenialen Kombination aus Hammerzehe und Nagelpilz erfreuen.

Den Saunagang zelebriert der Bullemann gerne mit hörbarem Schnaufen und schwungvollem Abstreifen des in Strömen rinnenden Schweißes von diversen Körperpartien. Der feine Tropfenflug kann bei Umsitzenden selbst nach 15 Minuten in der 100-Grad-Sauna noch Gänsehaut auslösen.

Und eben genau so ein reizendes Exemplar quetschte sich an besagtem Tag direkt neben mich auf die Holzbank, als ich mich in der eigentlich schon voll besetzten Sauna gerade auf den Beginn des Aufgusses mit dem vielversprechenden Namen „Höllenfeuer“ freute. Erwartungsgemäß brachte er sein mutmaßlich von einer bergischen Milchkuh entliehenes Hinterteil nicht vollständig auf dem Badehandtuch unter, ließ das welke Fleisch großzügig zu mir überlappen und begann unmittelbar zu grunzen und zu schnaufen. Ich sah diskret weg und versuchte mich abzulenken. Sonst sind ja oft Tätowierte in der Sauna, auf denen jede Menge drauf steht. Da hat man wenigstens was zu lesen. Aber diesmal saßen da nur ganz viele langweilige Leute, so dass ich die Augen schloss und mich abzulenken versuchte. Zum Beispiel mit der Frage, ob es eigentlich ratsam ist, in einer Sauna-Gastronomie Linseneintopf auf die Tageskarte zu setzen. Genau den hatte ich nämlich kurz vorher da entdeckt und mich gewundert.

Neben mir nahm das Geächze inzwischen beängstigende Ausmaße an. Obwohl der Saunameister aufgusstechnisch noch gar nicht Aktion getreten war, lief dem Neuankömmling bereits die Suppe aus allen Poren und das Gesicht wirkte trotz aufgeblasener Backen seltsam verkniffen. „Ist alles in Ordnung?“, fragte ich sicherheitshalber mal nach. Die Antwort versetzte mich in Schockstarre: „Nein“, kam es mit gequälter Stimme aus dem prallen Körper, „das ist der Linseneintopf!“

So hatte ich mir das „Höllenfeuer“ eigentlich nicht vorgestellt ...

Bis die Tage!

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