Kolumne "Nach Toresschluss": Das Paternoster-Rätsel in Wuppertal

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Das Paternoster-Rätsel

Der Paternoster im Barmer Rathaus erfüllt eine wichtige Funktion: Wegen der schlechten Haushaltslage in Wuppertal stellt er für die dort tätigen Beamten die einzige realistische Möglichkeit dar, regelmäßig befördert zu werden. Umso erfreulicher ist es, dass der Transport von Beamten zu den wenigen Dingen gehört, die im Paternoster gestattet sind.

Vieles andere ist nämlich ausdrücklich verboten, wie ein großes Schild voller Warn-Symbole am Einstieg verrät (Abbildung rechts). Was genau wir alles im Paternoster nicht dürfen, ist daraus jedoch leider nicht hundertprozentig ablesbar. Mit der Herstellung der Symbole wurden nämlich die gleichen Kalligraphen beauftragt, die schon die rätselhaften Hieroglyphen an altägyptische Tempelwände gemalt haben. Es fängt schon oben links an: Warum darf ich nicht mit Handrasenmäher in den Paternoster einsteigen? Und was wollen mir Besteck und Becher da drunter sagen? Wahrscheinlich soll man sich im Paternoster nicht zum Essen niederlassen. Nicht unwichtig, damit niemand auf die Idee kommt, sich im Paternoster ein Dreigang-Menü servieren zu lassen. Der Kinderwagen gleich daneben lässt dagegen keine Fragen offen: Bitte sehen Sie davon ab, im Paternoster Nachwuchs zu zeugen!

Noch ein Symbol weiter rechts müssen wir überrascht feststellen, dass Radfahren im Paternoster nicht gestattet ist. Wobei: Jeder, dem in der engen Kabine schon mal ein rücksichtsloser Biker über die Füße gefahren ist, wird für dieses Verbot dankbar sein. Dass man mit dem Zeichen daneben aber gleich auch noch die ganzen Skater verbannt, die im Paternoster ihre Kunststücke üben möchten, finde ich übertrieben.

Handys und Hunde sowie wahrscheinlich auch telefonierende Hunde dürfen ebenfalls nicht mitfahren. Und ganz unten in der Mitte erkennen wir auch noch ein Leiter-Verbot. Ob es sich auch auf Amtsleiter erstreckt, ist nicht ganz eindeutig. Überhaupt lässt diese letzte Symbol-Reihe Raum für Spekulationen. Denn was will uns die Abbildung unten links sagen, die aus einer Art WC-Zeichen mit halbem Engelsflügel besteht? Ich habe dazu ägyptologische Fachliteratur durchgeblättert und komme zu folgender Erklärung: Personen mit starken Flatulenzen wird von der Paternosterbenutzung abgeraten, da sonst akute Brandgefahr besteht.

Bleibt das letzte und geheimnisvollste Zeichen von allen, das uns ganz unten rechts Rätsel aufgibt, wie sie sonst nur der legendäre Symbologie-Professor Robert Langdon in den Bestseller-Romanen von Dan Brown lösen muss. Wovor will uns das kryptische Konglomerat aus Quer- und Längsstrichen wohl warnen? Geht es darum, dass wir im Paternoster keine Flöße zimmern sollen? Ist es grundsätzlich nicht statthaft, seine Paternoster-Kabine einzuzäunen? Oder weist das Schild Schatzsucher darauf hin, dass sie die sagenhafte Bundeslade des Volkes Israel in diesem Paternoster garantiert auch nicht finden werden? Möglicherweise handelt es sich aber auch um das ausdrückliche Verbot, auf dem Kabinenboden leichtfertig größere Mengen Laminat in Schiffsbodenoptik zu verlegen.

Ich bin mir da wirklich nicht so ganz sicher. Also gibt es jetzt nur zwei Lösungsmöglichkeiten: Entweder Dan Brown schreibt seinen nächsten Roman über den Paternoster im Barmer Rathaus. Oder Sie schreiben mir, wenn Sie eine Idee haben. Letzteres erscheint mir etwas aussichtsreicher ....

Bis die Tage!

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