Nach Toreschluss: Chinesische Wollhandkrabben

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire : Chinesische Wollhandkrabben

Diese Woche gab es eine astronomische Weltsensation: Forscher haben zum ersten Mal ein Foto von einem schwarzen Loch gemacht. Dafür wurde ein unfassbarer technischer Aufwand mit zig Teleskopen getrieben. Die Forscher sind schön doof: Wenn man ein schwarzes Loch sehen will, in dem alles verschwindet, dann muss man doch nur in die Kassenbücher des WSV gucken ...

Die andere Meldung, die mich dieser Tage wirklich aufgerüttelt hat, kam nicht aus dem Weltall, sondern aus der Elberfelder City. Dort wurde eine chinesische Wollhandkrabbe gesichtet. Und zwar nicht auf der Speisekarte eines Restaurants, sondern ganz lebendig.

Nun muss ich allerdings einräumen, dass mir persönlich die chinesische Wollhandkrabbe bis dato gar nicht bekannt war. Ich habe zwar schon von Angorakaninchen und Kragenbären sowie einigen weiteren Tierarten mit Textil-Bezug gehört, aber noch nie von der Wollhandkrabbe. Das ist ein großes Versäumnis, denn die Stadt Wuppertal hat mitgeteilt, dass die chinesische Wollhandkrabbe auf der Liste der 100 schlimmsten Invasoren weltweit steht. Ob vor oder hinter den USA, weiß ich zwar nicht genau, aber da muss man natürlich sofort mit dem Schlimmsten rechnen.

Zumal es dieses Jahr schon der zweite Wollhandkrabbenfund in Wuppertal war. Die erste wurde kurz zuvor auf dem Friedhof Krummacherstraße entdeckt. Möglicherweise ging man damals noch leichtfertig davon aus, dass es sich um ein kulturell interessiertes Krustentier handeln könnte, das auf dem Weg zum dort befindlichen Grab von Pina Bausch war. Aber jetzt ist zu befürchten, dass Wuppertal in Kürze von chinesischen Wollhandkrabben überflutet wird.

Die chinesische Wollhandkrabbe kommt übrigens aus Ostasien und ist Anfang des 20. Jahrhunderts im Bauch von Schiffen nach Europa gekommen. Ähnlich wie die auf dem selben Weg nach Deutschland beförderte chinesischen Produktkopien richten sie hier großen wirtschaftlichen Schaden an. Deshalb wird aktuell untersucht, ob die Invasion möglicherweise schon länger im Gange ist und chinesische Wollhandkrabben auch auf der WSV-Geschäftsstelle gearbeitet haben könnten.

Nun fragt man sich natürlich, was die Chinesische Wollhandkrabbe eigentlich in Wuppertal will. Dazu muss man wissen, dass sich die Wollhandkrabbe zur Fortpflanzung aus dem angestammten Salzwasser in brackige Süßwasserbereiche zurückzieht. Interessanterweise ein ganz ähnliches Verhalten wie das von Wuppertaler Amateurfußballern am Saisonende. Nur dass die Kicker von der Süßwasser führenden Wupper zur Kopulation an den von Salzwasser umspülten Ballermann fliegen.

Dort empfinden die Einheimischen die krebsroten teutonischen Sonnenbrandkrustentiere auch als Invasoren. Insofern dürfen wir uns über die Wollhandkrabbe eigentlich nicht beschweren ...

Bis die Tage!

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