Nach Toreschluss — die Wochenendsatire: Die Krone der Luftfahrt

Nach Toreschluss — die Wochenendsatire : Die Krone der Luftfahrt

Na, sind Sie gut ins neue Jahr gekommen? Ich wünsche Ihnen jedenfalls, mit einem meiner Wuppertaler Lieblingssätze, einen guten Übergang gehabt zu haben. Ich persönlich durfte ja im Dezember drei Wochen Urlaub machen (bitte kein Neid, denn wer so lange weg darf, war meistens vorher auch sehr lange da).

Dazu habe ich mich nach Südostasien begeben, was an sich sehr schön ist. Aber nach 21 Tagen Sonne mit 30 Grad im grünen Dschungel und ausnahmslos freundlichen Menschen kriegt man dann doch wieder Sehnsucht nach moppernden Wuppertalern, Nieselregen und grauen Häuserfassaden.

Zumal auch die Rückreise ein Highlight versprach: Endlich mal mit dem größten Passagierflugzeug der Welt fliegen — von Bangkok nach Frankfurt mit dem Airbus A380! Und das auch noch mit der Lufthansa!

Vielleicht hätte es mir zu denken geben sollen, dass dieser Trip seinerzeit sogar noch billiger buchbar war als einschlägige Verbindungen mit Aeroflot. Aber daran habe ich längst nicht mehr gedacht, als ich mit nationalstolzgeschwellter Brust durch die Gangway in den zweistöckigen Flieger einmarschierte, der auch noch auf den Namen "Deutschland" hörte. Später las ich, dass er 2015 von Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich getauft worden ist. Mehr geht ja wohl nicht.

Nun muss man wissen, dass in einen Airbus A380 ungefähr 550 Passagiere passen. Davon sitzen ziemlich wenige auf ziemlich großen Plätzen für ziemlich viel Geld oben — und die anderen auf ziemlich kleinen Plätzen in der Economy Class unten.

Economy Class ist Englisch, heißt übersetzt so viel wie "eng und ungemütlich mit hohem Thrombose-Risiko" und verteilt sich im Airbus A380 auf Reihen, deren Nummerierung erst bei knapp unter 100 endet. Ich nehme mal an, dass Frau Merkel immer oben sitzt, wenn sie mal nicht ihren eigenen Flieger nimmt, denn sonst hätte sie sich das mit der Patenschaft 2015 wahrscheinlich noch mal überlegt.

Unter ungefähr jedem dritten der offensichtlich nur aus Sicht der Fluggesellschaft ökonomischen Sitzplätze ist nämlich eine rätselhafte Blechkiste verbaut, die den Fußraum ungefähr halbiert. Diese Sitze sind damit im Grunde ideal für einseitig Beinamputierte, für andere Passagiere aber suboptimal. Zumal, wenn sie mehr als Schuhgröße 35 haben und deshalb über elf Stunden lang einen Fuß beim Nachbarn oder hinter dem Ohr parken dürfen.

Die Lösung des Problems ist allerdings relativ einfach, wie ich einer Lautsprecherdurchsage des Bordpersonals entnehmen konnte. In der Premium Economy Class seien nämlich noch Plätze frei, die bis zu 55 Prozent mehr Raum und verbesserte Produktqualität böten. Und das für nur 450 Euro Zuschlag, die ich leider gerade nicht dabei hatte.

Egal, schließlich gab es reichlich Getränke aufs Haus und ein Abendessen. Nach drei Wochen Curry und Fisch griff ich voller Vorfreude zum deutschen Rindergulasch. Es handelte sich leider um das erste Gulasch mit Rind an einem langem Stück in einer dunklen Flüssigkeit, die auch als Motoröl durchgegangen wäre. Was wie Krautsalat aussah, war Koriander an Koriander.

Das legt insgesamt den Verdacht nahe, dass sich hier ein thailändischer Caterer am Thema Rindergulasch versucht und dabei in einem mit "Google Translator" übersetzten Rezept Roulade und Gulasch verwechselt hat. Das beigelegte Brötchen war übrigens eiskalt, dafür aber unten verbrannt. Ich hätte es trotzdem gegessen, wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon vom Frühstück gewusst hätte: Das hier servierte Omelett schimmerte in einem Grauton, der an die Gesichtsfarbe Goethes auf dessen Totenbett erinnerte. Möglicherweise eine originelle kulinarische Hommage an den Geburtsort des Dichters, der ja unser Zielflughafen war — aber nur bedingt zum Verzehr geeignet.

Unter diesen gastronomischen Umständen bekommen natürlich die Flugzeugtoiletten eine besondere Bedeutung. Ich hatte beste Sicht auf gleich vier davon und damit ein großartiges Unterhaltungsprogramm. Denn ob ein Häuschen frei ist oder nicht, erkennt man an einem kleinen Schildchen in Hüfthöhe, das von grün auf rot wechselt, wenn von innen der entsprechende Riegel verschoben wird.

Ist der gesamte Passagierraum aber bei einem Nachtflug wie unserem abgedunkelt, dann sind diese unbeleuchteten Schildchen praktisch nicht mehr zu erkennen. Folglich gingen permanent ratlose Menschen nicht erst in, sondern schon vor der Toilette in die Hocke, um im Restlicht aus wenigen Zentimetern Abstand die Verfügbarkeit des Klos abzuprüfen. Die Krone der deutschen Luftfahrt stellt man sich irgendwie anders vor.

Sitzt auf dem Pott übrigens ein Passagier aus einem Land mit eher hemdsärmeligen Sanitär-Sitten, der entweder gar nicht erst verriegelt, oder den Schieber nicht gefunden hat, wird der unverhoffte Anblick für den arglosen Türöffner und den neutralen Beobachter noch spektakulärer. Der Begriff "In-Flight-Entertainment" hat dabei für mich eine ganz neue analoge Bedeutung bekommen.

Die Klos verhalten sich übrigens größentechnisch umgekehrt proportional zum Flugzeug. Ideal wären sie für einen Hobbit, dem seine breiten Füße bei Turbulenzen Standfestigkeit bieten, und der ansonsten sehr klein ist.
Da Hobbits aber eher einfältig sind, werden sie jedoch nicht in der Lage sein, sich die Hände zu waschen, weil der dafür vorgesehene Wasserhahn eine Elektromechanik hat, die auch meine bescheidene Intelligenz überforderte.

Da freut man sich doch auf die Landung und die Weiterfahrt mit dem Lufthansa-Express zum eigentlichen Bestimmungsort Düsseldorf.
Für den hat uns die Lufthansa zwar Tickets verkauft, aber der Zug fährt an diesem Morgen gar nicht. Ob uns da jetzt die Bahn oder Lufthansa weiterhelfen kann, sehen beide Lager unterschiedlich.

Da denke ich nochmals an Thailand zurück, wo wir Dutzende Bootstickets, Überlandfahrten und Taxen mal eben zusammen mit zwei Hühnerspießchen im Restaurant bestellt oder in winzigen kombinierten Reisebüro-Souvenirshop-Wechselstuben geordert haben — und noch nie irgendwas nicht geklappt hat. Außerdem haben die auch noch eine der anerkannt besten Fluggesellschaften der Welt.

In mancher Hinsicht sind vielleicht gar nicht die, sondern wir das Schwellenland ...
Bis die Tage!

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