Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Das Land des Knötterns

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Das Land des Knötterns

Da habe ich mich diese Woche aber erschrocken — Rassismus-Vorwürfe gegen die Wuppertaler Oper! Genau genommen hat sich ein einzelner bedeutender überregionaler Kulturkritiker, den niemand kennt, darüber aufgeregt, dass in der Operette "Das Land des Lächelns" ein chinesischer Kammerdiener und chinesische Soldaten als Witzfiguren dargestellt werden.

Das ist natürlich ein unerhörter Vorgang, der allerdings nicht einmal den Mitarbeitern der Oper Hongkong aufgefallen ist, die genau diese Inszenierung seinerzeit gemeinsam mit dem Theater in Erfurt koproduziert und sich demzufolge also selbst rassistisch verhonepipelt haben.

Nach diesem unentschuldbaren Lapsus müssen wir jetzt natürlich mit dem Schlimmsten rechnen. Zum Beispiel damit, dass wütende Kellner in Wuppertaler China-Restaurants den Mitgliedernd es Opernensembles kein Schweinefleisch süß-sauer mehr servieren. Oder dass der als unermüdlicher Kämpfer für Menschenrechte bekannte chinesische Staatsapparat die Beziehungen zu Wuppertal einfriert und keine Busladungen voller Touristen mehr ins Engelshaus schickt. Letzteres wäre aber zu verschmerzen, weil das Engelshaus ja gerade wegen eines Umbaus geschlossen ist, der pünktlich zum 200. Geburtstag des größten Sohns der Stadt nicht fertig wird.

Aber mal im Ernst: Wie konnte der rassistische Ausfall an der Oper passieren, wo wir doch sogar bei der Wuppertaler Wirtschaftsförderung ein eigenes China-Kompetenzzentrum haben? Bei dem muss ich jetzt leider eine Art Selbstanzeige machen, weil mir ein schrecklicher Fehler unterlaufen ist: Ich habe diese Woche einem kleinen Kind das Lied mit den drei Chinesen vorgesungen.

Sie wissen schon: "Drei Chinesen mit dem Kontrabass, saßen auf der Straße und erzählten sich was. Da kam die Polizei, fragt 'Was ist denn das?‘ Drei Chinesen mit dem Kontrabass." Und natürlich weiter: "Dra Chanasen mat dam Kantrabass, saßen auf dar Straße und arzahlten sach was. Da kam da Palazei, fragt 'Was ast dann das?‘ Dra Chanasan mat dam Kantrabass." Und so weiter ...

Das Kind hat zwar begeistert mitgesungen und in die Patschehändchen geklatscht, aber ich habe jetzt ein ganz schlechtes Gewissen, weil das natürlich noch viel rassistischer ist als das "Land des Lächelns". Da sitzen drei Besucher aus einem völlig fremden Kulturkreis - ausweislich des mitgeführten Instruments mutmaßlich Musiker auf einer Gastspielreise - in Unkenntnis einheimischer Sitten und Gebräuche arglos auf der Straße und rücken dann nur wegen ihrer Ethnie in den Fokus einer polizeilichen Maßnahme. Und ich mache mich auch noch mittels sprachlicher Verzerrung doppelt darüber lustig - Schande! Wenn dem Kind mit 16 plötzlich ein zwei Finger breiter schwarzer Oberlippenbart unter der Nase wächst, dann bin ich daran Schuld ...

Wahrscheinlich sind wir gut beraten, künftig unser Kulturgut selbst herzustellen, damit wir uns nicht weiter in die Nesseln setzen und von Kritikern in der Luft zerrissen werden. Die Wuppertaler Oper könnte beispielsweise "Das Land des Knötterns" auf die Bühne bringen - mit einem übellaunigen bergischen Bleicher und zwei Pfund Kottenbutter in den Hauptrollen. Wobei: Die für die Herstellung der knorpeligen Kottenbutter-Mettwurst unweigerlich erforderliche Schweinsschlachtung könnte natürlich gegen das Gebot der Mitgeschöpflichkeit verstoßen. Da wird sich der Kritiker dann bestimmt wieder melden. Wie man's macht, macht man's falsch ...

Bis die Tage!

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