Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Fragen zur Hitzewelle

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Fragen zur Hitzewelle

Man könnte ja langsam vermuten, dass Petrus wegen des fürchterlichen Unwetters Ende Mai Gewissensbisse bekommen hat und jetzt für immer über Wuppertal die Sonne scheinen lässt. Seit Wochen fahren sämtliche Regenwolken und Gewitter sorgfältig um uns herum.

Dadurch haben wir jetzt zwar wieder trockene Füße, sind aber auch die Sahelzone Deutschlands.

Die Wiese in unserem Garten sieht inzwischen so braun aus wie eine zentralafrikanische Steppenlandschaft. Ich rechne täglich damit, hinter dem verdorrten Hibiskus das erste Löwenrudel bei 40 Grad träge in der prallen Sonne liegen zu sehen. Diese Situation wirft gleich mehrere Fragen auf. Vor allem die, ob wir jetzt ein völlig neues Image bekommen: Wuppertal - die Stadt, in der die Kinder mit dem Sonnenschirm in der Hand auf die Welt kommen. Unser Heimatlied? Hat Albert Hammond soeben im Zuge seines Auftritts in der Stadthalle nach der Melodie seines größten Hits neu eingesungen: It never rains in Southern Wuppervalley ...

Weiteres Problem: Den Jahrhundertsommer mit wochenlangen Temperaturen über 30 Grad hatten wir ja schon 2003. Ist das jetzt mehr — also ein Jahrtausendsommer — oder bloß ein Jahrzehntsommer? Fest steht nur, dass 2003 das Hoch Michaela ganz alleine für die Hitzewelle zuständig war. Dieses Jahr werden die Hochs aber nach Männern benannt, die offensichtlich auch was das Wetter angeht weniger multitaskingfähig sind als Frauen. Jedenfalls waren ab 22. Juli Hoch Helmut, ab 25. Juli Hoch Ingolf und ab 2. August Hoch Johannes im Einsatz. Drei Jungs für einen Zeitraum, den Michaela locker alleine geschafft hat.

Damals wie heute waren übrigens in Wuppertal Ventilatoren restlos ausverkauft. Da fragen wir uns natürlich: Was haben die Leute mit den Modellen von 2003 gemacht? Ich kann nicht erkennen, dass sich bei der Ventilatorentechnik seitdem so viel getan hätte, dass Neuanschaffungen nötig wären. Das Prinzip ist immer noch einfach und überzeugend: Propeller an, Kappes davorhalten und aufatmen.

Ganz so rekordverdächtig wie man meint ist die aktuelle Hitzewelle genau genommen gar nicht. Ältere Leser werden sich möglicherweise noch an die schreckliche Dürre von 1540 erinnern. Damals war es noch schlimmer als heute - bei flächendeckenden Temperaturen über 40 Grad konnte man sogar quer durch den Rhein laufen ohne nass zu werden. Einzige Parallele zu 2018: Es gab ebenfalls nirgendwo Ventilatoren zu kaufen.

Außerdem ist es natürlich woanders noch viel wärmer als bei uns. In Ouargla, einer Oasenstadt in der Sahara, die auf Fotos ähnlich aussieht wie unser Garten, wurden Anfang Juli 51,3 Grad gemessen. Insofern hätten wir noch viel heiße Luft nach oben. Da kann es ja auch nicht schaden, dass einige lokale Unternehmen sich schon lange im Vorfeld auf die unendliche Hitzewelle eingestellt haben: Die Stadtwerke schlossen vor einigen Wochen ihr Heizkraftwerk in Elberfeld. Und eine Metzgerei in Elberfeld gab sich schon 1964 den Namen Sonnenschein. Das nenne ich Weitsicht ...

Bis die Sonnentage!

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