Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Eine Luftnummer

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Eine Luftnummer

Wenn Sie mich hier in den letzten zwei Wochen vermisst haben sollten, liegt das daran, dass ich in Urlaub war. Zu diesem Zweck hatte ich Flüge nach Kreta bei einer renommierten deutschen Airline gebucht, deren Namen ich hier nicht nennen will.

Er reimt sich allerdings auf das beliebte Universalwürzmittel "Fondor".

Passend dazu waren die Ticketpreise auch ziemlich gepfeffert, aber nachdem sich Air Berlin in Luft aufgelöst hat, gibt es ja nicht mehr so viel Auswahl an Urlaubsfliegern, die einem auf Anhieb das gute Gefühl vermitteln, voraussichtlich mit den Rädern zuerst zu landen.

Umso größer war die Bestürzung, als der Shuttle-Bus auf dem Rollfeld vor der Maschine einer ganz anderen Fluggesellschaft hielt, von der selbst Luftfahrtexperten aus dem Kreis der Passagiere noch nie gehört hatten. Das dürfte daran gelegen haben, dass dieses 2017 gegründete Traditionsunternehmen der griechischen Aeronautik bereits Anfang 2018 den Betrieb wieder eingestellt hatte und jetzt offensichtlich mit seiner imposanten, aus insgesamt zwei Flugzeugen bestehenden Flotte ein überraschendes Comeback als Partnerairline des deutschen Ferienfliegers feiern darf.

Letzterer hatte zur Verstärkung der hellenischen Besatzung immerhin einen eigenen Flugbegleiter abgestellt, um wenigstens ein deutschsprachiges Besatzungsmitglied anbieten zu können. Dabei handelte es sich um einen offenbar erst kürzlich flügge gewordenen Steward, der die Beschwerden der Passagiere über die passend zum Herkunftsland eher spartanisch ausgestattete Maschine locker konterte: Man hätte uns natürlich sehr gerne mit eigenem Fluggerät befördert, aber wegen der Air-Berlin-Pleite müsse man heutzutage ja dankbar sein, überhaupt noch in den Urlaub geflogen zu werden. Das können Sie sich ungefähr so vorstellen, als würden Sie einen Mercedes kaufen, aber nur einen Trabbi samt der Erklärung geliefert bekommen, Sie sollten doch froh sein, nicht zu Fuß gehen zu müssen.

Der Flugbegleiter machte das aber alles wieder gut — mit der Ankündigung, zum Trost gäbe es die normalerweise kostenpflichtigen Getränke und ein Bütterken heute gratis. Prompt lagen sich wildfremde deutsche Pauschaltouristen in den Armen und applaudierten auch nach der überraschend soliden Landung noch einmal herzlich, als der Sonnyboy sich mit dem genialen Scherz "Schön, dass Sie bei uns geblieben sind!" verabschiedete. So weit zum besseren Teil der Reise.

Für den Rückflug hatten die deutschen Luftikusse nämlich eine weitere griechische Partner-Airline aufgetrieben, die zwar immerhin über fünf Maschinen verfügt, von denen die uns zugedachte aber mit genauso vielen Stunden Verspätung an den Start gebracht wurde. Dieser Flieger war im Wesentlichen mit zwei Triebwerken samt Flügeln ausgestattet und verzichtete gänzlich auf überflüssigen Kabinen-Schnickschnack wie Bildschirme, Beinfreiheit oder verstellbare Rückenlehnen.

"Die Sitze erinnern mich an die Stühle damals im Bus in Ecuador", wunderte sich eine Frau in der Reihe hinter uns. Ich wollte mich gerade umdrehen und ihr sagen "Logisch, das ist hier ja auch ein Airbus", da kam mir die Ansage der deutschen Flugbegleiterin zuvor. Selbige war ähnlich wie ihr männlicher Kollege zwei Wochen vorher als deutschsprachiger Beschwerdeprellbock abgestellt worden, zumal die restliche Kabinencrew selbst an Englisch kläglich scheiterte ("Schtau jo Lagäsch insi Ovrettcompamän").

Leider verfügte die Prellböckin über weniger rhetorisches Talent und Selbstbewusstsein als ihr Vorgänger, war aber vielleicht auch ein bisschen nervös, weil sie auch noch folgenden Hinweis geben musste. Man sei froh, dass man eine Partner-Airlinie habe — O-Ton — "verleiten können"), uns zu fliegen, weil keine eigene Besatzung aufzutreiben gewesen wäre. Leider könne diese Maschine jedoch kein Wasser tanken, weshalb man zum Zwecke des Händewaschens Seltersflaschen auf den Toiletten deponiert habe.

Auf die Zubereitung von Kaffee und Tee müsse mangels Wassers ebenfalls verzichtet werden. Unter diesen viel versprechenden Voraussetzungen kann man ihren mäßig optimistischen Abschlusssatz durchaus nachvollziehen: "Wir werden versuchen, Sie trotzdem sicher nach Düsseldorf zu bringen." So fliegt man doch gerne los ...

Bis die Tage!

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