Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Taucher und Streichhölzer

Wuppertal · Viele Menschen sind heute der festen Überzeugung, man müsse keine Fremdsprachen mehr können, weil es dafür ja den Google-Übersetzer auf dem Smartphone gibt. Manche wundern sich dann, wenn sie der Taxifahrer in Bangkok statt zum Liegenden Buddha in andere Locations fährt, wo im Liegen gearbeitet wird.

 Sloweniens Nationaltrainer Matjas Kek beim Besuch des Stadions am Zoo.

Sloweniens Nationaltrainer Matjas Kek beim Besuch des Stadions am Zoo.

Foto: Dirk Freund

Ich rate bei diesem Thema aber zur Vorsicht — auch angesichts eines aktuellen Ereignisses, das diese Woche Schlagzeilen gemacht hat. Es begab sich nämlich, dass im fränkischen Örtchen mit dem an sich schon nichts Gutes verheißenden Namen Oberkotzau ein Zug gestoppt wurde und seine 80 Passagiere evakuiert werden mussten, weil eine Reisende per Bahnnotruf die Polizei alarmiert hatte. Sie war zuvor von einem Iraker angesprochen worden, der auf seinem Handydisplay arabische Buchstaben eingegeben hatte und ihr dann die automatisch in Deutsch übersetzte Nachricht zeigte, dass dieser Zug gleich explodieren werde.

Durchaus nachvollziehbar, dass die Dame in dieser Situation einen Großalarm auslöste, von dem der Betroffene dann allerdings genauso überrascht war wie von seiner Festnahme. Der 36-Jährige kannte die Strecke nämlich von einer früheren Fahrt und hatte sich deshalb nur noch einmal per Übersetzer vergewissern wollen, wann der Zug geteilt wird ...

In gewisser Weise führt natürlich auch eine Explosion zu einer Art Zugteilung, aber man sieht schon, wie schnell einem die Dinge entgleiten können, wenn man sich komplett auf die Technik verlässt. Mich persönlich hat diese Woche ein ähnliches Problem verstört. Und zwar beim Versuch, den Europäischen Fußballverband zu überreden, mir für die Berichterstattung den Besuch des Zoo-Stadions während der Trainingseinheiten der slowenischen Nationalmannschaft zu erlauben, die bekanntlich in Wuppertal ihr Basislager hat. Zu diesem Zweck füllte ich online auf der Homepage der UEFA ein entsprechendes Akkreditierungsformular aus, das mich in der Spalte „Geschlecht“ stutzen ließ: Ankreuzen konnte man hier nämlich wahlweise „Mann“, „Frau“ oder „Taucher“.

Darüber muss man erstmal nachdenken. Wir haben ja schließlich alle längst verinnerlicht, dass es sehr unterschiedliche geschlechtliche Identitäten gibt. Von Tauchern habe ich in diesem Zusammenhang allerdings noch nie gehört. Weil ich jedoch im Urlaub gerne schnorchele, schwankte ich beim Ankreuzen längere Zeit zwischen „Mann“ und „Taucher“, ehe mir endlich ein Licht aufging: Weil ich die Homepage mit dem Browser Google Chrome geöffnet hatte, wurde der englische Inhalt freundlicherweise direkt automatisch in deutschen verwandelt.

Ich weiß nicht, ob die dafür zuständige Software statt in der KI-Schule in der Klippschule oder passend zum Namen weich in der Birne war – auf jeden Fall hat sie aus der Geschlechtsangabe „Diverse“ wohl „Divers“ gelesen und das völlig korrekt mit „Taucher“ übersetzt ...

Deshalb sollten Sie sich auch nicht wundern, falls Sie auf demselben Weg die offizielle Homepage der UEFA zur Europameisterschaft öffnen und dort im ersten Menüpunkt eine Übersicht aller „Streichhölzer“ anklicken können. Googles großartiger Übersetzer bringt nämlich die auf der Originalseite hier aufgelisteten „Matches“ leider irgendwie nicht mit Fußball in Verbindung. Hoffentlich ist das nicht noch ein weiteres Indiz dafür, wie weit sich der geldgierige Fußballverband vom Sport entfernt hat ...

Bis die Tage!

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