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Nach Toreschluss - Wochenendsatire​: Wolle mern reinlasse?​

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Wolle mern reinlasse?

Karneval ist ja dieses Jahr unheimlich früh. Ich hätte ihn beinahe verpasst, wenn ich nicht am Donnerstag einen Jecken gesehen hätte, der auf dem Weg zum Bahnhof war. Er hatte ein zum Wetter passendes Kostüm gewählt und sich als Rettungsschwimmer verkleidet. Ich habe sofort reagiert und geistesgegenwärtig eine Büttenrede geschrieben.

Die geht so:

Bei uns sind wirklich tolle Tage,
alle durchgedreht im Tal,
die Stadt ist nicht mehr Herr der Lage,
und jetzt kommt auch noch Karneval

Tätä!
Die Jecken rufen „Wupp-di-ka!“
und lassen Korken knallen,
nur schade für die Narren-Schar:
Der Zug ist ausgefallen ...

Die Kohle reicht nicht für den Zoch,
und das ist gut so – doch, doch,doch!
Denn führ er, nur mal angenommen,
dann wär er gar nicht angekommen,
weil die B7, so ein Mist,
seit Herbst nicht mehr befahrbar ist.
Durchfahrt gesperrt statt grüner Welle,
dank Wuppertaler Schnarchbaustelle!

Tätä, tätä, tätä!
Im Rathaus haben Weiber jetzt
den Chefsessel besetzt,
wenn Jeck‘ statt Narren hier regieren,
kann Wuppertal nur profitieren.

Tätä!
Vielleicht – das wär der größte Coup –,
hör‘n die den Leuten auch mal zu,
und kommen zu dem klaren Schluss,
dass sich schnell was ändern muss.
In Elberfeld vor allen Dingen,
der City, an der alle hingen,
wo früher hielt der Kauf groß Hof,
ist bald unser Zentralfriedhof!

Tätä!

Und Poststraße, du stolze Meile,
mit dir, da hat man keine Eile,
zehn Jahre noch, ein wahrer Graus,
buddeln wir hier Ritter aus.
Den Läden fehlt darob das Geld –
der Fluch der Grafen Elverfeldt!

  • OB Uwe Schneidewind mit dem „Stadtschlüssel“.
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    Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Kreideweiße Weihnachten
  • Der beleuchtete Werth.
    Barmer Werth : Der Lichterzauber wird jeck

Tätä, tätä, tätä!

Markthändler wollen weg vom Kolk,
weil dort nicht laufet hin das Volk,
doch schaut man mal auf die Beschicker,
so ist auch‘s Angebot manicker:
Statt frisches Obst und Bio-Kost,
gibt‘s Würstchen nur vom Müller-Rost.

Tätä!
Zerstreuung an solch tristem Ort,
bietet gern der Fußballsport.
Für den steht, stets in Rot und Blau,
bei uns im Tal der WSV.
Er bulzt auf neuem Untergrund
in Liga vier, es läuft nicht rund.
Das geht Herrn Runge auf die Nerven,
drum will er bald das Handtuch werfen.
Als Sponsor müssen endlich dann,
mal andre jecke Zahler ran.
Doch wenn sich wieder keiner findet,
der das sich an die Füße bindet,
weiß man aus der Vergangenheit:
Der Friedhelm ist bestimmt nicht weit ..

Tätä, tätä, tätä!

Wenn‘s so ist, ja, dann bleibt uns nur
zum Troste unsere Hochkultur.
Ein Zentrum bauen wir für Bausch,
die Stücke sind ein wahrer Rausch,
ob Nelken oder Mond in voll,
versteht kein Mensch, ist aber toll!
Der Pina ihr Kulturpalast,
wird teurer aber als erfasst,
dank Architekten aus New York,
jetzt bau‘n wir halt das Ding aus Kork!

Tätä!
In Kitas fehlen uns die Plätze,
in Schulen auch, es ist kein Fest,
Kinder können kaum noch Sätze,
und fallen durch beim PISA-Test.
Container sind jetzt Klassenräume,
in Schatten grüner Hardter Bäume,
im nächsten Schritt, und nicht dem letzten,
werden Schüler wir durch KI ersetzen ...

Tätä, tätä, tätä!
Da sind die Zeilen schon zuende,
der Blödsinn aber lange nicht,
drum gehe ich jetzt ganz behende
nach Haus und mach den Laden dicht.
Doch auf dem Weg ins traute Heim,
da schlägt‘s mich hin, ich fass es kaum,
ein Roller von der Firma Lime,
beendet meinen Fastnachts-Traum.
Stand mitten auf dem Trottoir,
was so nicht vorgesehen war.
Ach Wuppertal, ich muss echt lachen –
mit dir, da kann man es ja machen!

Wuppdika!