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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire​: Scheinriesenrad​

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Scheinriesenrad

Vorige Woche haben sich alle über den Mini-Tannenbaum auf dem Barmer Weihnachtsmarkt beömmelt, der aus einem Bonsai-Zuchtbetrieb kommt. Das wäre für den Weihnachtsmarkt in der Elberfelder City, der jahrelang in der Advents-Kreisklasse spielte, die einmalige Chance gewesen, endlich mal an dem in Barmen vorbeizuziehen. Aber leider war bei der Eröffnung am Donnerstag irgendwie das angekündigte Riesenrad auf dem Neumarkt abhanden gekommen.

Als ich da langlief und auf einen großen Haufen Gerümpel hinter Bauzäunen guckte, dachte ich erst, sie hätten nur nicht geschafft, den dollen Otto zusammenzubauen. Vielleicht haben die Betreiber das Rad ja bei Ikea gekauft und dann fehlten beim Modell „Riesenruller“ ein paar Schrauben. Tatsächlich handelte es sich aber nur um das Baustofflager für die Fernwärmearbeiten der Stadtwerke, die übrigens so heißen, weil sie erst in ferner Zukunft beendet sein werden.

Es musste also eine andere Erklärung geben. Möglicherweise ist das vorgesehene 33 Meter hohe „Wuppertal Wheel“ ja ein Scheinriesenrad, das ähnlich wie der legendäre Tur Tur bei Jim Knopf immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Dann hätte man das Teil aber wenigstens vom Döppersberg aus sehen müssen. Ich habe das ausprobiert. Nach fünf Glühwein am hier positionierten Lions-Stand drehte sich tatsächlich einiges in meinem Blickfeld, ein Riesenrad war aber nicht dabei.

Blieb als Erklärung für das fehlende Riesenrad eigentlich nur noch, dass die Besitzer vom Aufbau abgesehen haben, weil sie feststellen mussten, dass man aus 33 Meter Höhe vom Neumarkt aus tatsächlich bis weit in die Poststraße gucken kann. Deshalb hätten Besucher möglicherweise das Eintrittsgeld zurück haben wollen. Erst später las ich dann auf unseren Rundschau-Online-Seiten, dass für das Riesenrad noch eine letzte TÜV-Genehmigung fehlt. Weihnachten kommt einfach immer so plötzlich ...

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Während wir auf das Riesenrad warten, konnten und können wir am Sonntag und Sonntag alternativ auch Fernsehen gucken. Es wird ja ein Wochenende wie in den 80er-Jahren mit „Wetten, dass ...“ und dem „Traumschiff“. Bei Letzterem setzt sich übrigens ein Trend fort, der im Moment in allen möglichen Serien um sich greift: Prominente Menschen aus anderen Branchen versuchen erfolgreich, sich als Schauspieler zu blamieren. Am Sonntag entert die aus mir unerfindlichen Gründen in Deutschland weltberühmte Cathy Hummels das „Traumschiff“. Weil damit der letzte Rest Schauspielkunst in dem Quotenrenner beerdigt wird, strahlt man die Folge passenderweise am Totensonntag aus.

Das Elend hatte allerdings bereits am Donnerstag begonnen, als Sänger Smudo von den „Fantastischen 4“ in „Soko Stuttgart“ einen Kurzauftritt hatte. Er spielte dabei überwiegend einen soeben erschossenen Ganoven, was mimisch eine leistbare Aufgabe war. Deshalb wäre es möglicherweise auch besser gewesen, wenn Heidi Klum wenige Stunden später als Gaststar bei „Die Bergretter“ frühzeitig in den Abgrund gestürzt wäre, an dem sie schon hing. Weil bei den Bergrettern aber bis auf das Niveau grundsätzlich jeder gerettet wird, durfte sie bis zum Ende der Folge mitmachen und mit einer Schramme im Gesicht eine Modenschau organisieren, die keiner sehen wollte.

Bei der letzten Folge von „Wetten. dass ...“ am Samstagabend war Heidi Klum merkwürdigerweise nicht mit dabei, was immerhin den Vorteil hat, dass Thomas Gottschalk sie bei seinem absolut sicher sehr wahrscheinlich eventuell allerletzten Auftritt als Moderator des Samstagabend-Dinosauriers nicht mit Claudia Schiffer verwechseln konnte. Beim ZDF machte man sich ja etwas Sorgen, weil der etwas zerstreute Show-Professor diesmal keine Assistentin dabei hatte, die ihn an die Namen seiner Gäste, den nächsten Programmpunkt oder den Sendeschluss erinnern konnte und ihn ausschimpfte, wenn er wieder Herrenwitze aus dem vorigen Jahrtausend reißen sollte.

Übrigens fragen sich jetzt natürlich alle, ob Thomas Gottschalk außer Werbung für Hörgeräte demnächst noch was anderes macht. Ich könnte mir beispielsweise gut vorstellen, dass er den Barmer Weihnachtsmarkt moderiert. Da gibt es immerhin eine große Bühne und sein Outfit hat farblich ja sowieso oft Ähnlichkeit mit dem vom Nikolaus. Er muss allerdings auch hier aufpassen, dass er nicht durcheinander kommt und den Barmer Weihnachtsbaum für Olaf Scholz hält. Größentechnisch spielen Kanzler und Tanne ja in einer Liga ...

Bis die Tage!