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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire​: Niemals in New York

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Niemals in New York

Pünktlich zu Beginn der für ihren Betrieb eher ungeeigneten Jahreszeit gibt es in Wuppertal über Nacht plötzlich E-Scooter zum Ausleihen.

Den ersten Roller der Firma Lime sah ich am Freitagmorgen an der Briller Straße, wo er geschickt gleich zwei der dort eher raren Parkplätze am Randstreifen blockierte. Ich vermute daher, dass sich der Anbieter bewusst nach sauren Südfrüchten benannt hat, weil Autofahrer bei so einem Anblick selbiges ebenfalls sind ...

Aber eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben: Wir müssen nämlich morgen alle ganz früh aufstehen, um Vincenzo Gualtieris Boxkampf im Sportschau-Livestream zu gucken. Denn wann kämpft schon mal ein Sportler aus dem Tal um zwei Profi-Weltmeistergürtel im Mittelgewicht? Und dann ist der Junge auch noch im selben Sportverein groß geworden, in dem ich bis heute Tischtennis spiele. Nur trete ich leider nicht mehr im Mittelgewicht, sondern im Halbschwergewicht an und spiele um Bezirks- und nicht um Weltmeisterschaften.

Damit Sie mal wissen, was es bedeutet, was Gualtieri da veranstaltet: Bisher haben überhaupt erst drei deutsche Profis mehrere WM-Gürtel gleichzeitig erobert: Max Schmeling, Dariusz Michalczewski und Sven Ottke. Und Max Schmeling ist der einzige Deutsche, der je einen WM-Kampf in den USA gewinnen konnte. Gualtieri wäre der zweite, weil der Kampf nämlich in den Vereinigten Staaten stattfindet.

  • Fraktionssitzung der SPD im Kronleuchterfoyer (Archivbild).
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Dazu muss man wissen, dass man als Deutscher in den USA WM-Boxkämpfe nur gewinnen kann, wenn man den Gegner K.O. haut und die Punktrichter sicherheitshalber auch. Sonst siegt immer der andere, weil die Promoter das so wünschen, selbst wenn dieser andere als Boxer ungefähr so versiert ist wie der gleichnamige Hund.

Der Gegner von Gualtieri heißt Janibek Alimkhanuly, und soll planmäßig in Amerika ein Superstar werden. Das kann unser Wuppertaler Jong allerdings verhindern. Die Chancen dafür stehen an den amerikanischen Wettbörsen eher schlecht, aber die Zocker in den USA wissen ja auch nicht, welchen unheimlichen Rückenwind aus der Heimat Gualtieri mit über den großen Teich genommen hat.

Die Motivations-Krönung dürfte ein Schreiben unseres Sportdezernenten sein, der Gualtieri persönlich viel Glück wünschte. Und zwar mit einer Mail, die mit folgendem Satz beginnt: „Wenige Tage vor der Titelverteidigung in New York, am frühen Sonntagmorgen unserer Zeitrechnung, richte ich Ihnen die besten Grüße und Gelingenswünsche von vielen Tausend Wuppertalerinnen und Wuppertalern für Ihren großen Kampf gegen Janibek Alimkhamuby aus.“

Meinen Namen würde ich da allerdings gerne ausnehmen und lieber selbst Glück wünschen, weil die gut gemeinten Worte des Dezernenten Hinweise darauf enthalten, dass er, der nicht nur für Sport, sondern auch für Kultur zuständig ist, sich in der Oper etwas besser auskennt als im Ring. Der Kampf findet nämlich gar nicht in New York statt, sondern in Houston. Falls sich Gualtieri auf den Sportdezernenten verlassen hat und in diesem Moment Rundschau liest, sollte er jetzt ganz schnell die Boxhandschuhe einpacken und im Schweinsgalopp 1.665 Meilen nach Texas fahren, um rechtzeitig zum Kampf zu kommen.

Bei dem heißt der Gegner übrigens nicht wie im Schreiben des Sportdezernenten Janibek Alimkhamuby, sondern – wie vorhin erwähnt – Janibek Alimkhanuly. Aber vielleicht handelt es sich bei Janibek Alimkhamuby ja um einen berühmten armenischen Tenor und der Dezernent hat das irgendwie durcheinander gebracht. Ich würde sagen, das war ein klassischer „Nocke-Out“ ...

Bis die Tage!