Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Galopp auf zwei Beinen

Wuppertal · Wuppertal erarbeitet derzeit einen Hitzeaktionsplan. Hoffentlich wird der schnell fertig, weil es dabei sicher darum geht, draußen im Sommer wieder konstant für Temperaturen über 20 Grad und Sonnenschein zu sorgen.

Der momentane Sommer in Wuppertal ...

Der momentane Sommer in Wuppertal ...

Foto: Achim Otto

Letzteren kennen wir in Wuppertal ja nur noch von alten Urlaubsfotos, die ich gerade traurig angucke, nachdem wir Anfang August die Heizung eingeschaltet haben. Auf einem dieser Fotos habe ich einen Neoprenanzug an. Den trage ich diesen Sommer auch wieder. Aber nicht beim Tauchen, sondern beim Einkaufen ...

Bis der Hitzeaktionsplan seine Wirkung entfaltet, müssen wir uns irgendwie die Zeit vertreiben. Man könnte zum Beispiel neue Indoor-Sportarten für sich entdecken. Während der Corona-Lockdowns hat sich beispielsweise Klopapierzielschießen großer Beliebtheit erfreut. Dabei muss man Klopapierrollen mir dem Fuß in einen zwei Meter entfernten Eimer lupfen. In dieser Disziplin gibt es sogar Online-Weltmeisterschaften, bei denen man von zu Hause aus gegen andere Athleten antreten kann.

Da sich Deutschland beim Fußball in internationalen Vergleichen aber derzeit insgesamt etwas ungeschickt anstellt, lasse ich das lieber. Wenn Martina Voss-Tecklenburg und Hansi Flick gemeinsam die deutschen Klopapierzielschieß-Nationalmannschaft trainieren würden, dann hätte die bei der WM wahrscheinlich zwei Fensterscheiben zerschossen und wäre in der Vorrunde an Papua-Neuguinea gescheitert, obwohl die da kaum Wasserklosetts haben.

Eher prädestiniert für uns wäre da schon Hobby Horsing. Falls Sie von dieser Sportart noch nie gehört haben, versuche ich mal, sie zu erklären. Das ist allerdings nicht ganz einfach, weil man dabei an die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft stößt. Im Prinzip geht es nämlich darum, dass Menschen mit einem Steckenpferd – sprich einem künstlichen Pferdekopf mit Stock dran – zwischen den Beinen alle Disziplinen bestreiten, die auch zum normalen Reitsport gehören. Also Springreiten, Dressur, Geländeritt und so weiter.

Nun sieht es tendenziell etwas gewöhnungsbedürftig aus, wenn Wesen mit zwei Beinen fliegende Galoppwechsel und Piaffen machen oder über einen Oxer springen, weil diese Aktivitäten originär für Vierbeiner und nicht für Menschen auf einem Pferde-Imitat konzipiert wurden. Die dabei entstehenden Bewegungsabläufe habe ich bisher nur im legendären Film „Die Ritter der Kokosnuss“ gesehen, wo selbige mangels Schlachtrössern zu Fuß durch England galoppieren und dabei den Hufschlag durch Kokosnussgeklapper imitieren.

Das Mutterland des Hobby Horsing ist trotzdem nicht England, sondern Finnland, wo es die meiste Zeit des Jahres dunkel ist und die Bevölkerung deshalb offensichtlich ähnlich viel Zeit hat, auf dumme Gedanken zu kommen, wie wir gerade. Um einen Eindruck davon zu bekommen, können Sie sich mal die Finnischen Hobby-Horse-Meisterschaften auf YouTube angucken.

Weil Deutschland ja im Reiten traditionell richtig gut ist und Isabell Werth bei Olympia meistens alleine mehr Medaillen gewinnt als die Leichtathleten alle zusammen, werde ich also diesen Sport mal ausprobieren. Schlechter als unsere Fußball-Nationalmannschaften kann ich dabei auch nicht aussehen. Deshalb muss ich jetzt auch Schluss machen, mein Steckenpferd braucht dringend Futter ...

Bis die Tage!

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