Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Mein Schwein pfeift nicht mehr

Wuppertal · In der achtsamen Sprachwelt tritt man ja heutzutage noch schneller in Fettnäpfchen als in Taubenkacke am Hauptbahnhof, auch wenn das kaum vorstellbar erscheint.

Roderich Trapp.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Ich hatte mich gerade erst damit arrangiert, dass ich kein „Papa“ mehr bin, sondern ein „nicht gebärendes Elternteil“, weil wir ja andere Erzeugerkonstellationen nicht ausgrenzen wollen. Und jetzt habe ich auch noch einen drüber gekriegt, weil ich in dieser Funktion meinem Sohn sagte, ich hätte noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen.

Es ist nämlich offensichtlich so, dass diese Redewendung von der Tierrechte-Organisation PETA schon vor einigen Jahren auf den Index gesetzt worden ist. „Ein Hühnchen rupfen“ erfüllt den Tatbestand des Speziezismus – sprich: die moralische Diskriminierung von Lebewesen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit.

Solcherlei schändliche Herabsetzung von Tieren will PETA verhindern und empfiehlt daher sozusagen vegane Alternativen für entsprechende Redewendungen. Statt „ein Hühnchen rupfen“ (und damit Gewalt an Tieren zu verherrlichen) sollen wir „Mit dir habe ich noch Weinblätter zu rollen“ sagen. Und statt zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, mögen wir bitte zwei Erbsen auf eine Gabel laden.

Und keinesfalls darf unser Bundeskanzler im aufgeheizten Koalitionsstreit den Stier bei den Hörnern packen. PETA rät in diesem Fall dazu, die Aufgabe so furchtlos wie eine Kuhmutter anzugehen. Olaf Scholz agiert allerdings eher wie das Kaninchen vor der Schlange, von dem ich jetzt nicht genau weiß, ob es mit Blick auf das damit implizierte artentypische tierinterne Gewaltpotenzial vielleicht auch schon verboten ist ...

Bisher hat sich der Speziezismus nach meiner Wahrnehmung allerdings noch nicht endgültig durchgesetzt, zumal es bei näherem Hinsehen tatsächlich ausgesprochen viele Tier-Redewendungen gibt. Wenn man die alle ersetzen möchte, würde man sich eventuell zum Affen machen. Zum Beispiel, wenn man auch bei „zum Affen machen“ der PETA-Empfehlung folgt und sich lieber zum fleischessenden Umweltschützer macht.

Bekannt ist ja, dass man besser nicht die Katze im Sack kauft. Passiert Ihnen das trotzdem, sollten Sie daraus zweierlei lernen: Erstens den Fehler nicht ein zweites Mal zu machen – und falls doch, beim zweiten Mal gemäß PETA „Ich habe die Suppe in der Terrine gekauft“ sagen.

Nicht ganz verstehe ich übrigens, dass man die Katze auch nicht mehr aus dem Sack lassen darf, obwohl das doch eigentlich eine tierschutztechnisch vorbildliche Aktion ist. PETA will dessen ungeachtet, dass wir alternativ „die vegane Calzone aufschneiden“. Bei sowas wird ja wohl der Hund in der Pfanne verrückt – ups, was habe ich denn da gesagt: „Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt“ steht zwar nicht ausdrücklich auf dem PETA-Index, ist aber mit Sicherheit auch verboten.

Schließlich werden damit abstoßende Klischees über chinesische Kochrezepte bedient, so dass ich dafür völlig zu Recht ebenfalls zur Schnecke gemacht werde, was allerdings wegen der damit verbundenen Diskrimierung eines kleinen Weichtieres wahrscheinlich auch nicht opportun ist.

Letztlich geht das doch alles auf keine Kuhhaut, als normaler Mensch steht man vor diesem Sprachproblem wie der Ochs‘ vor dem Berg. Wenn wir Hunderte Tier-Redewendungen umwandeln wollen, müssen wir eine Menge Kröten schlucken, und am Ende ist dann doch alles für die Katz, weil uns garantiert irgendwo noch eine durchrutscht. Und man weiß ja auch nicht immer, ob eine Tier-Redewendung wirklich tierfeindlich ist. Wenn ich Ihnen zum Beispiel einen Bären aufbinde, dann könnte das für Sie deutlich schlimmer sein als für den Bären. Da liegt doch der Hase im Pfeffer. Ich glaub‘, mein Schwein pfeift nicht mehr ..

So, jetzt höre ich besser auf, sonst kriege ich noch einen hundsgemeinen Leserbrief von PETA. Die haben eventuell noch ein paar Weinblätter mit mir zu rollen.

Bis die Tage!

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