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 Nach Toreschluss - die Wochenendsatire​: Robby Roller​

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Robby Roller

Vor einigen Monaten mussten alle Schwebebahn-Fahrer noch einmal in die Fahrschule. Sie sollten lernen, wie man richtig mit den Zügen umgeht, wenn die ab Ostern wieder mit 60 Stundenkilometern fahren können.

Theoretisch müssten sich Pilot und Passagiere an kritischen Stellen wahrscheinlich gemeinsam in die Kurve legen, damit die Waggons am Gerüst keinen Looping machen. Praktisch war die Schwebebahn diese Woche aber gar nicht mit 60, sondern phasenweise mit null Kilometern unterwegs, weil ihre weltberühmten Weichen noch öfter streiken als ver.di und die Eisenbahn-Gewerkschaft zusammen. Dem Vernehmen nach hat der Produzent des Lacks, mit dem die Schwebebahn angestrichen ist, jetzt beschlossen, den entsprechenden Farbton von Enzian-Blau in Betriebsstörungs-Blau umzubennen ...

Weil die Schwebebahn so erfolgreich modernisiert wurde, dass sie jetzt noch öfter ausfällt als Schulstunden an Wuppertaler Gymnasien, suchen die Menschen bereits nach Mobilitäts-Alternativen. Einige sind auf E-Scooter umgestiegen. E-Scooter werden Sie kennen: Das sind diese rollenden Zaunlatten mit Motor, auf deren zu schmalen Trittbrettern Menschen mit zusammengekniffenen Beinen stehen und deshalb permanent so aussehen, als müssten sie ganz dringend Pipi machen. Trotz dieser tendenziell uncoolen Haltung gelten die E-Scooter speziell bei trendbewussten Hipstern als besonders cooles Fortbewegungsmittel, das in Großstädten längst über große Verleihsysteme zur Verfügung steht.

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Früher kannten wir ja nur die Autoscooter auf der Kirmes, die speziell dafür konstruiert waren, permanent miteinander zu kollidieren. Ihre halbstarken Fahrer bewegten sich dabei allerdings in einem abgeschlossenen Geviert, so dass dabei niemand gefährdet wurde. Mit E-Scootern verhält es sich anders. Ihre Fahrer sind zwar auch gerne halbstark, sie bewegen sich aber nicht in Gevierten, sondern mitten in der Stadt. Dort dürfen sie theoretisch Bürgersteige und Fußgängerzonen nicht befahren, sind praktisch aber vorzugsweise genau dort unterwegs.

Damit sie daraus resultierende Beschimpfungen nicht hören können, tragen viele von ihnen bei der Fahrt riesige Kopfhörer. Dergestalt von der Außenwelt und ihren Regeln abgeschirmt, produzieren sie ähnlich wie die Autoscooter höchst erfolgreich alle möglichen Kollisionen, wobei die Roller im Gegensatz zu den Bumskisten auf der Kirmes dafür leider nicht konstruiert sind. Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern ist 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. Bei 18 Prozent der Vorfälle waren die Fahrer übrigens alkoholisiert, bei Autounfällen ist die Quote nur vier Prozent. Der E-Scooter ist also der „Ballermann 6“ der Mobilität.

In Wuppertal haben sich E-Scooter bisher noch nicht wirklich durchgesetzt. Das liegt an den vielen steilen Bergen in Wuppertal. Hat der Hipster zu viele vegane Burger gegessen und deshalb ein paar Kilo zugelegt, läuft er sehr schnell Gefahr, auf der Cronenberger Straße mit dem schwachbrüstigen E-Scooter rückwärts zu rollen. Trotzdem soll es auch in Wuppertal demnächst Verleihsysteme für E-Scooter geben, die dann überall in der Stadt herumstehen. In Köln werden diese Leih-Roller zwar permanent in den Rhein geworfen, aber die Wuppertaler sind ja viel vernünftiger als die jecken Kölschen. Anderenfalls findet man die Scooter in der Wupper immerhin leichter wieder, weil die nicht so tief ist.

Vielleicht ist das sogar ökologisch nützlich: Wir haben dann im Flussbett nicht nur Bobby Biber und Lucky Lachs als Störsteine, sondern auch noch Robby Roller. Kleiner Tipp: Die genervten Bürger von Paris haben gerade mit 89-Prozent-Mehrheit beschlossen, Leih-Scooter abzuschaffen und jetzt 15.000 Stück über. Vielleicht kann Wuppertal da noch einen Schnapper machen ...

Bis die Tage!