Nach Toreschluss - die Wochenendsatire Ist da Gluten im Kommissbrot?

Wuppertal · Die Bundeswehr lag ja mindestens 20 Jahre im Hospiz für weitgehend überflüssig gewordene Streitkräfte, weil alles so schön friedlich war.

 Roderich Trapp.

Roderich Trapp.

Foto: Wuppertaler Rundschau/Max Höllwarth

Als sich das 2022 plötzlich geändert hat, war man sehr überrascht, dass die unterbesetzte Truppe mit Spielzeuggewehren, gepanzerten Montagsautos und weitgehend fluguntauglichen Luftfahrzeugen nicht mal eine Sandburg hätte verteidigen können. Inzwischen gibt es immerhin wieder einen Verteidigungsminister, der Wehrdienst nicht nur aus Büchern kennt, und im Gegensatz zu seiner Vorgängerin beim Stichwort „General“ nicht als Erstes an Haushaltsreiniger denkt. Und es wird jetzt sogar über die Wiedereinführung der 2011 abgeschafften Wehrpflicht diskutiert.

Selbige habe ich persönlich in den 80er Jahren ja auch erfüllt und bin bis heute überrascht, dass die Russen trotz dieser signifikanten Schwächung unserer Armee damals von Angriffen abgesehen haben. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich quasi direkt nach der Grundausbildung, bei der man im Einnehmen großer Mengen Bier in fragwürdiger Gesellschaft geschult wurde, von Wuppertal aus in ein Manöver ziehen musste. Und zwar in Ermangelung sonstigen militärischen Fachpersonals direkt als Kommandant eines Jagdpanzers, dessen Navigation leider genauso wenig Gegenstand meiner kurz zuvor abgelegten Abiturprüfung war wie der Funkverkehr mit anderen Truppenteilen, zu denen der Sichtkontakt in der übungshalber zu verteidigenden Eifel schon nach wenigen Stunden abgerissen war.

Folglich dirigierte ich den tief unter mir sitzenden Fahrer zielsicher in einen Kreisverkehr am Rande der kleinen Fußgängerzone von Gerolstein. Nach zwei Runden mit dem 22 Tonnen schweren Panzer hatte dieser Kreisverkehr leider keine Bordsteine mehr, so dass wir lieber stehen blieben. Irgendwann kam dann ein grüner Geländewagen mit einem Offizier angefahren, der eine rote Flagge an unseren Panzer machte und meinte, wir wären jetzt abgeschossen, weil wir keine Deckung hatten ...

Meine schon damals erwachsenen Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Bundeswehr haben sich seitdem eher noch verstärkt. Immerhin waren wir in den Achtzigern ja noch anspruchslose und relativ robuste Persönlichkeiten und die Bundeswehrwelt insgesamt von großer Eindimensionalität, Frauen bei der Bundeswehr gab es beispielsweise nur auf Postern an den Innenseiten von Spindtüren, wobei die nicht sonderlich viele Uniformteile anhatten.

Und gegessen werden musste widerspruchslos, was in der Kantine von gelernten Betonmischern angerührt wurde oder in den berühmten Essenspaketen steckte. Bei Letzteren, gerne mit „EPA“ abgekürzten goldfarbenen Boxen handelte es sich um Mahlzeiten, die man heute in die Kategorie „to go“ einordnen würde. Ihre Bestandteile würden moderne Ökotrophologen allerdings nicht mehr der Gattung der Lebensmittel zurechnen.

Nicht nur deshalb frage ich mich manchmal, wie es wohl aussehen würde, wenn wir die Wehrpflicht wieder einführen. Erste Irritationen könnte es schon geben, wenn die Grundwehrdienstleistenden im Elterntaxi anrollen und feststellen, dass sie gar nicht bis auf den Kasernenhof fahren können, sondern vor der Pforte aussteigen und den Rest zu Fuß gehen müssen. „Das ist aber voll unbequem“, werden sie anmerken und auch sonst mit Unannehmlichkeiten zu kämpfen haben. Zum Beispiel beim Essenfassen: Sind die Erbsen in diesem gräulichen Eintopf aus biologischem Anbau? Gibt es das EPA auch laktosefrei und ist da etwa Gluten im Kommissbrot? Fragen, auf die es zumindest zu meiner Zeit keine Antworten gegeben hätte ...

Und es könnten sich für die jungen Menschen noch weitere auftun: Warum gibt es diese lästige Gasmaske nicht auch als App? Verliere ich Follower, wenn ich ein Selfie mit hässlicher Uniformmütze poste? Wieso sind die Knobelbecher nicht von Nike, sondern aus einer Art Roheisen? Auf welches Festival gehen wir eigentlich mit dem Zelt, das zu meiner persönlichen Ausrüstung gehört? Und wird im Verteidigungsfall an der Front denn auch ausreichend Rücksicht auf die War-Life-Balance genommen?

Drücken wir uns allen fest die Daumen, dass diese Fragen nie gestellt werden müssen ...

Bis die Tage!

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