Nach Toreschluss – die Wochenendsatire Nicht plausibel

Wuppertal · Voriges Jahr um diese Zeit waren wir ja alle in großer Sorge, weil man stündlich mit Atomschlägen und dem Ausbleiben der Energieversorgung rechnen musste. Beides ist zum Glück nicht eingetreten, aber das Thema beschäftigt uns auch noch rückwirkend.

 Symbolbild.

Symbolbild.

Foto: UniService Transfer

Weil wir seinerzeit von der Regierung aufgefordert wurden, Vorräte für den Krisenfall anzulegen, haben wir jetzt bei uns so viele Dosen im Keller, dass wir bis zur BUGA 2031 täglich Ravioli essen könnten. Und an die Waschmaschine kommen wir auch nur mühsam ran, weil 40 Kästen Mineralwasser im Weg stehen.

Noch wichtiger als das Hamstern war voriges Jahr aber das Energiesparen. Irgendwie sahen wir uns ja alle schon in Wolldecken gemummelt im Schein der letzten Kerze sitzen und auf dem Campingkocher die schon erwähnten Ravioli aufwärmen, weil Strom und Gas alle sind. Deshalb wurde bei uns zu Hause natürlich auch alles getan, um Energie zu sparen: Beim Duschen hatte das Wasser Temperaturen, die problemlos die artgerechte Mitnahme eines Pinguins erlaubt hätten.

Unser Kühlschrank war so warm eingestellt, dass wir die Eier nach dem Rausholen gar nicht mehr kochen mussten, um sie hart zu kriegen. Natürlich haben wir auch die letzten verbliebenen Glühlampen unter wüsten Beschimpfungen ob ihrer Strom-Gier gegen LEDs getauscht. Und selbst die wurden nur im Notfall eingeschaltet, was zu vielen äußerst schmerzhaften Begegnungen mit Bettpfosten und Stuhlbeinen führte.

Nach langen Monaten der Energie-Diät schlug jetzt die Stunde der Abrechnung. Zu diesem Zweck las ich die Zähler im Keller ab, verglich die Werte mit denen aus dem Vorjahr ... und rannte dann jubelnd durchs Haus wie ein Mittelstürmer, der gerade in der Nachspielzeit des WM-Finales den Siegtreffer per Fallrückzieher gemacht hat. Angesichts des bomfortionellen Verbrauchs-Rückgangs bekam ich nach langer Zeit mal nicht wegen der nur noch auf 16 Grad erwärmten Räume, sondern aus purer Ergriffenheit eine Gänsehaut.

Nun galt es nur noch, die ermittelten Verbräuche dem Energieversorger mitzuteilen. Selbstverständlich sind wir als überzeugte Wuppertaler nicht bei Lockangebotundmorgennichtmehrdastrom oder Rheinfallenergie, sondern bei den Wuppertaler Stadtwerken. Auf deren Homepage gibt es einen Button mit dem sympathischen Namen „Meine WSW“, der suggeriert, dass einem der ganze Laden gehört, obwohl man im Ergebnis meistens was zahlen muss, wenn man sich damit einloggt.

Diesmal aber war ich voller Zuversicht, dass genau das nicht eintritt, als ich dort meine Zählerstände eingab. Statt einer Bestätigung oder eines Glückwunsches ploppte jedoch folgender Satz auf: „Ihre Angaben sind nicht plausibel“. Man werde Kontrolleure in Marsch setzen, um die Stände zu überprüfen. Übersetzt heißt das: „Du Birnemann willst uns wohl veräppeln, die Werte glaubst du doch selbst nicht!“

Erbost rief ich die Nummer an, unter der man seine Zählerstände telefonisch melden kann. Eine sehr nette Frau nahm sie problemlos entgegen. Als ich ihr sagte, dass die Homepage sie nicht plausibel findet, lachte sie nur und sagte: „Ich habe da keine Probleme. Sie wurden doch zum Sparen angehalten.“

Liebe Stadtwerke: Dann erklärt das doch bitte auch mal eurem Computer ...

Bis die Tage!

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