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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire​: Bagger!!! Bagger!!!

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Bagger!!! Bagger!!!

Während Präsident Joe Biden die Vereinigten Staaten von Amerika im Tiefschlaf regiert, ist sein Haustier deutlich agiler. Der zwei Jahre alte Schäferhund mit dem niedlichen Namen „Commander“ hat bisher elf Mitarbeiter des Weißen Hauses gebissen, einer davon musste ins Krankenhaus.

Die Attacken wären eventuell nachvollziehbar, wenn es sich bei den Opfern ausnahmslos um blondierte Männer mit peinlicher Frisur handeln würde, die auf den Vornamen Donald hören. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall, weshalb „Commander“ jetzt den Befehl im Weißen Haus abgeben und ausziehen muss. Außerdem soll er in „Putin“ umgetauft werden.

Falls die beiden Bidens nicht wissen, wohin mit ihrem Hund, hätte ich übrigens einen Vorschlag: Wie wär‘s mit dem Wuppertaler Zoo? Die Rundschau erreichen schließlich immer wieder Zuschriften, in denen sich Leser darüber beschweren, dass in unserem Zoo zu wenig Tiere zu sehen sind. Ich habe mir die Lage neulich mal selbst angeschaut und dazu an einem der letzten warmen Sommertage Enkel nebst Kinderwagen durch den Zoo geschoben.

Dabei bekommt der Besucher weiterhin als erstes Gehege nach dem Eingang die verfallene Rückseite der Zoogaststätten mit einer interessanten Ausstellung der Webkunst einheimischer Spinnenarten und lokaler Flora in Form von Schimmelpilzen und Grünspan zu sehen. Zum Glück folgt gleich danach mit Aralandia ein echtes Highlight, das den Eintritt alleine rechtfertigt. Muss es auch, weil danach zumindest bei unserem Besuch tatsächlich nicht mehr viel kam.

  • Fraktionssitzung der SPD im Kronleuchterfoyer (Archivbild).
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  • Clown Roderich.
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  • Roderich Trapp.
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Bei den Seelöwen fiel die Fütterung aus und die Glasscheiben im Haus mit den Königspinguinen waren wegen der hohen Temperaturen draußen alle komplett beschlagen. Nur wenn ich statt unserem Enkel unseren Fensterputzer mitgenommen hätte, wäre schon nach wenigen Minuten der erste Pinguin zu sehen gewesen. Im Pinguintunnel war‘s genauso, nur dass einem da noch regelmäßig ein paar Tropfen Kondenswasser auf den Kappes fielen ...

Im Stile von Luis Trenker den Kinderwagen weiter Schritt für Schritt bergauf wuchtend, kommt man an wunderbarem Baum- und eher überschaubarem Tierbestand vorbei. Kleine Täfelchen kündigen unterwegs verschiedene Arten an, von denen man erstens noch nie gehört hat und die zweitens auch gar nicht zu sehen sind. Ausweislich der Schilder am Eingang sind sie wahrscheinlich gerade im Zeichen der Arterhaltung mit der Fortpflanzung oder anderweitig beschäftigt und bleiben deshalb für die Besucher verborgen.

Die Löwen waren auch nicht da, weil sie entweder im mindestens ein Meter hohen Gras ihres XXL-Geländes versteckt oder hinter ihrem Felsen im Schatten lagen. Und bei den Tigern befand sich der soeben aus Duisburg nach Wuppertal umgezogene neue Kater Kasimir noch unsichtbar in der Eingewöhnungsphase, während die leider kurz danach verstorbene Tigerdame „Mymoza“ auch nur auf einem aus ihrer Höhle übertragenen Monitorbild zu sehen war, das in seiner Qualität an die ersten Experimente mit Ultraschallaufnahmen erinnerte.

Unter dem Strich kamen wir so auf etwa ein Tier pro Euro Eintritt, was man als etwas wenig empfinden könnte. Der Enkel war trotzdem begeistert, weil am Ausgang gerade das große Sommerfest der Wohnungsgenossenschaft ebv aufgebaut wurde, das zwei Tage später im Zoo stattfand. Dazu fuhr ein Radlader mit Bühnenteilen hin und her, was offensichtlich für einen Anderthalbjährigen deutlich interessanter ist als zuvor die Elefanten (standen ungünstig) oder Erdmännchen (waren in der Erde).

„Bagger!!! Bagger!!!“ schrie der Kleine vollkommen begeistert und ließ mich eine halbe Stunde lang hartnäckig hinter selbigem herrennen. Zoo geht also auch ohne Tiere ...

Bis die Tage!