Der erste Teil einer dazu ausgearbeiteten Schulentwicklungsplanung wird jetzt den politischen Gremien vorgelegt. Aus dem Abschlussbericht von Dr. Anna M. Makles vom „An-Inst.“ der Bergischen Universität („WIB Consult) ergibt sich demnach für alle im Auftrag der Stadt untersuchten Schulformen erheblicher Handlungsbedarf aufgrund steigender Schülerzahlen.
Steigende Förderquoten und ausgelastete Grundschulen
Den vorhandenen Förderschulen stehe eine insgesamt steigende Förderquote, insbesondere bei Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf gegenüber: „Alleine im Förderschwerpunkt ,geistige Entwicklung‘ stieg die Zahl der Kinder von 201 im Jahr 2015 auf 432 im Jahr 2024. Die Situation an den Förderschulen bewertet der Bericht als kritisch.“
Das Gleiche gelte für die Grundschulen, so die Verwaltung: „Auch sie sind fast alle voll ausgelastet. Die Optionen innerhalb der Schulgebäude, wie das Umwidmen von Fachräumen in Klasseräume, sind bereits ausgeschöpft. Die Gesamtzahl der Grundschüler stieg von 11.831 im Jahr 2015 auf 13.048 im Jahr 2020 und wird für das Jahr 2030 auf 14.127 prognostiziert. Bis zu diesem Zeitraum fehlen drei komplette Grundschulen.“
Bericht: Drei weitere Gesamtschulen und ein Gymnasium
Noch kritischer sei die Situation an den weiterführenden Schulen. Hier fehlen aktuell bereits zwei Schulen mit zehn Zügen: „Die Zahlen stiegen hier von 17.141 im Jahr 2015 auf 17.416 im Jahr 2020 und prognostizierten 19.881 Schülerinnen und Schülern im Jahr 2030. Das entspricht vier weiterführenden Schulen oder 19 Zügen.“ Hier empfiehlt die Schulentwicklungsplanung zu den bereits beschlossenen beiden neuen Gesamtschulen im Osten eine weitere Gesamtschule und ein Gymnasium im Westen Wuppertals.
In einem weiteren Schritt wird die Schulentwicklungsplanung für die berufsbildenden Schulen erarbeitet.
Ab 2026/27 Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung
Als Erfolgsentwicklung listet der Bericht den konsequenten Ausbau des offenen Ganztags durch die Stadt auf. Allerdings könne auch hier der Anstieg der Plätze mit dem steigenden Bedarf an ganztägiger Betreuung nicht mithalten, und es gebe große Differenzen in den Stadtbezirken.
Ab dem Schuljahr 2026/27 haben alle Grundschulkinder aufwachsend ab dem ersten Schuljahr einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Trotz des intensiven OGS-Ausbaus in den vergangenen Jahren liegt die Versorgungsquote gemessen am Rechtsanspruch zum Schuljahr 2026/27 bei 51,1 Prozent. Es fehlen circa 4.500 OGS-Plätze. „Weitere Ausbaubemühungen scheitern insbesondere an den bereits ausgeschöpften Küchen- und Mensakapazitäten, zusätzlichen Verwaltungs- und Personalräumen sowie weiterer notwendiger Infrastruktur. Zu diesem Thema will die Fachverwaltung daher eine eigenständige OGS-Entwicklungsplanung vorlegen“, so die Stadt.
Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und Bildungsdezernentin Annette Berg haben als Reaktion auf die fehlenden Plätze das Thema Schulbau mit höchster Priorität versehen. „In unserem dem Rat vorgelegten Haushaltsentwurf starten wir eine große Bildungsoffensive, die alle Kinder erreichen soll“, betont Scherff. „Mit 185 Millionen Euro für Schulbau alleine in den nächsten zwei Jahren werden Neubauten und Erweiterungen geschaffen, moderne Lernräume und Orte, an denen Kinder sich entfalten können. Wir investieren sehr gezielt in Bildung und Chancen, damit jedes Kind in Wuppertal bestmöglich in seinen Talenten gefördert wird. Dazu kommen 120 Millionen Euro für Hilfen zur Erziehung und die Sicherung der Schulsozialarbeit.“
Annette Berg hat nach eigenen Angaben in ihrem Geschäftsbereich eine eigene Stabsstelle für Schulbaukoordination geschaffen, um die Schulbau-Offensive 2035 „Wuppertal baut Bildung“ voranzubringen und die Schulbauprogramme für die kommenden Jahre mit allen Beteiligten von der Stadtplanung bis zum Gebäudemanagement abzustimmen.
„Mir ist es wichtig, beste Bedingungen zur Sicherung des Bildungserfolges für alle Kinder zu schaffen und somit für jedes Kind die Chance auf einen Schulabschluss zu erreichen. Wir sind mit Hochdruck dabei, die Vorläuferstandorte für die projektierten Gesamtschulen voranzutreiben. Die Zeitpläne für den Ausbau von Schulplätzen sind ambitioniert und fordern von allen Geschäftsbereichen eine sehr kreative Teamarbeit“, erläutert Berg.
Daher habe man eine „interdisziplinäre Arbeitsgruppe“ gebildet: „Die Vorläuferstandorte für die beiden Gesamtschulen im Osten sollen in 2027 in Betrieb gehen; die Förderschule Kyffhäuserstraße in 2026. Wir werden mit aufwachsenden Modulsystemen arbeiten müssen.
Als Schulträger wollen wir hochwertige bauliche und Ausstattungs-Voraussetzungen für guten Schulunterricht schaffen, damit Kinder und Jugendliche bestmöglich individuell gefördert werden können.“