Freitag und Samstag Wuppertaler Thementagen: Unser Leben mit dem Tod

Wuppertal · Zum sechsten Mal laden Katharina Ruth und Susanne Fudickar vom Hospizdienst Pusteblume zu den Wuppertaler Thementagen ein. Diesmal geht es um den eigenen Tod.

Katharina Ruth (li.) und Susanne Fudickar.

Foto: Sabine Damaschke

Kleidung, die schon seit 20 Jahren im Schrank hängt, vergilbte Bücher und Aktenordner sowie jede Menge Geschirr und Deko: Stunde um Stunde hat sich Susanne Fudickar durch die Hinterlassenschaften ihrer Eltern gearbeitet. „Das war nicht nur zeitintensiv, sondern auch eine starke emotionale Belastung“, erzählt sie. „An vielen Gegenständen hängen ja auch Erinnerungen, und jetzt musste ich alleine entscheiden, was weggeschmissen wird und was für mich und meine Familie noch von Bedeutung ist.“

So wie der ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Hospizdienstes „Die Pusteblume“ der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal geht es vielen Angehörigen. „Todesputz“ nennt sich dieses belastende Aufräumen. Susanne Fudickar plädiert dafür, es vor dem eigenen Tod selbst in die Hand zu nehmen. „Ein strukturiertes Entrümpeln kann befreiend sein und entlastend für die Angehörigen“, sagt sie. Auf den Wuppertaler Thementagen hält sie daher einen Kurzimpuls zum „Todesputz“. Unter dem Titel „Unser Leben mit dem Tod“ findet die Veranstaltungsreihe, die sich an eine größere Öffentlichkeit richtet, bereits zum sechsten Mal statt.

Hilflosigkeit überwinden

Ob es um Tod, Trauer oder selbstbestimmtes Sterben geht: Das Interesse an den Thementagen, zu denen Susanne Fudickar die Idee hatte, ist seit 2020 groß. Rund 100 Menschen nehmen dieses Jahr am Freitag und 150 am Samstag teil. Online schalten sich in der Regel etwa 200 Interessierte dazu. „Die Scheu, sich persönlich mit Tod und Trauer auseinanderzusetzen, ist heute weniger groß als noch vor 17 Jahren“, beobachtet die pensionierte Richterin. Damals starb ihr Sohn im Alter von 20 Jahren – und sie erlebte so viel Hilflosigkeit und Schweigen, dass sie beschloss, dagegen etwas zu tun.

Katharina Ruth, Leiterin des Hospizdienstes, griff ihre Idee der Thementage, mit der eine breitere Öffentlichkeit erreicht werden soll, gerne auf. „Wir haben unserer Veranstaltungsreihe bewusst den Untertitel ‚Unser Leben mit dem Tod‘ gegeben“, erzählt sie. „Denn weil der Tod zum Leben gehört, sollten wir uns mit ihm auseinandersetzen – ehrlich und offen, aber auch neugierig und humorvoll.“

Unternehmensfürsorge bis zur Bahre

Das geschieht etwa in den „Letzte Hilfe“-Kursen, die von vielen Hospizdiensten als eine Art „kleines 1x1 der Sterbebegleitung“ angeboten werden und in dem die Teilnehmenden lernen, was sie für sterbende Mitmenschen am Ende des Lebens tun können. Es geht aber auch um Vorsorgemöglichkeiten, dem Sterben als Teil des Lebens und um die Gestaltung eines Abschiedes in Würde.

Ehrenamtliche der „Pusteblume“ führen die Kurse auch in einigen Wuppertaler Unternehmen durch und berichten auf den Thementagen davon. „Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht und dazu gehört ein respektvoller Umgang mit Tod und Trauer“, betont Susanne Fudickar. „Der kann gelernt werden und dafür möchten wir gerne mehr Firmen gewinnen.“

Vom Umfang mit schwerwiegenden Diagnosen

Auch um Chancen und Grenzen der häuslichen Palliativversorgung, um das Sterben im Krankenhaus und den Umgang mit einer schweren Diagnose geht es in den Vorträgen und Workshops der Thementage. „Dabei fragen wir nach den Vorstellungen und Wünschen der Teilnehmenden im Hinblick auf den eigenen Tod“, kündigt Katharina Ruth an. „Wir sind gespannt auf die Ergebnisse unserer Umfrage.“

Für den evangelischen Kirchenkreis wird Pfarrerin Dorothee Nüllmeier über „Hoffen inmitten der Krise“ referieren. Die Krankenhausseelsorgerin hat schon viele Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Diagnosen begleitet und dabei festgestellt, wie wichtig kleine und große Hoffnungen sind, denn sie geben Kraft zum Leben und letztlich auch zum Sterben.

Am Schluss der Thementage steht der Humor – mit einem klaren Bezug zu den bevorstehenden Karnevalstagen. Der Dramaturg und Puppenspieler Günther Weißenborn präsentiert Lieder der Freude als „Aufwallungen der Lebenslust vor dem sicheren Tod.“