Bündnis der Ratsfrauen Wuppertal „Eine der prägendsten Politikerinnen der Nachkriegszeit“

Wuppertal · Das „Bündnis der Ratsfrauen Wuppertal“ würdigt das Lebenswerk der verstorbenen ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Der Wortlaut.

Prof. Dr. Rita Süßmuth im Jahr 1996 als Präsidentin des Deutschen Bundestags.

Foto: Deutscher Bundestag/Presse-Service Steponaitis

„Mit großer Trauer nimmt das Bündnis der Ratsfrauen Wuppertal Abschied von Rita Süssmuth, die am vergangenen Wochenende verstorben ist. Mit ihr verliert Deutschland eine der prägendsten Politikerinnen der Nachkriegszeit – und Wuppertal eine herausragende Persönlichkeit, die von hier aus Geschichte geschrieben hat.

Rita Süssmuth, geboren in Wuppertal, stand wie kaum eine andere für gesellschaftlichen Aufbruch und politische Verantwortung. Als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, als langjährige Präsidentin des Deutschen Bundestages und als engagierte Vordenkerin in Fragen der Gleichstellung, Bildung und Integration hat sie Maßstäbe gesetzt – häufig gegen Widerstände aus den eigenen Reihen und gegen gesellschaftliche Vorbehalte.

Besonders prägend war ihr Wirken in der Gesundheits- und Gesellschaftspolitik während der Aids-Krise der 1980er Jahre. In einer Zeit großer Verunsicherung setzte Rita Süssmuth konsequent auf Aufklärung, Prävention und Solidarität statt auf Ausgrenzung und Stigmatisierung. Sie trug damit entscheidend dazu bei, dass Deutschland einen aufgeklärten und menschenwürdigen Umgang mit HIV und Aids entwickelte.

Darüber hinaus wirkte ihr Einsatz für die Rechte von Frauen, für Chancengleichheit und für eine offene Gesellschaft weit über ihre Amtszeiten hinaus. Rita Süssmuth hat politische Debatten angestoßen, Strukturen hinterfragt und Generationen von Frauen ermutigt, Verantwortung zu übernehmen. Dabei folgte sie konsequent ihrer Überzeugung: Gerade in großen gesellschaftlichen Fragen kann es Antworten nur mit Frauen geben. Ihr Wirken reichte über Parteigrenzen hinweg und prägte die demokratische Entwicklung unseres Landes nachhaltig.

Dass Rita Süssmuth ihre Wurzeln in Wuppertal hatte, ist für die Stadt Anlass zu besonderem Stolz. Ihr Lebensweg zeigt, welche Bedeutung Bildung, Engagement und Beharrlichkeit für gesellschaftlichen Fortschritt haben – und wie wichtig weibliche Stimmen in Politik und öffentlichem Leben sind.

Vor diesem Hintergrund erwägt das Bündnis der Ratsfrauen Wuppertal, einen Antrag zur Benennung einer Schule nach Rita Süssmuth auf den Weg zu bringen.“