Am Sonntag, 16. November, erlitt Elisabeth Bosshammer bei einem Restaurantbesuch einen Herzstillstand. Ein ausgebildeter Ersthelfer begann innerhalb weniger Sekunden mit der Reanimation, der Rettungsdienst setzte später einen Defibrillator ein. Elisabeth Bosshammer kam auf die Intensivstation. Erst nach mehreren Tagen war klar, dass sie wieder aufwachen würde.
„Ich bin in der Zeit nicht von ihrer Seite gewichen“, sagt Ralf Bosshammer. Den Marktstand in Wuppertal räumte er leer und informierte die Kundschaft mit einem Zettel über die Pause. Viele Menschen reagierten mit Nachrichten und guten Wünschen. Für diese Anteilnahme möchten sich die Eheleute ausdrücklich bedanken. Am 18. November zeigte Elisabeth Bosshammer erstmals wieder eine Reaktion, nachdem ihr Mann sie mit ihrem Kosenamen angesprochen hatte.
Es folgten Rehamaßnahmen, Arzttermine und die langsame Rückkehr in den Alltag. Acht gebrochene Rippen und ein gebrochenes Brustbein waren Folgen der Reanimation, inzwischen trägt sie einen implantierten Defibrillator. Ihr Herz sei mittlerweile in Ordnung, sagen die Bosshammers. Kleine Bewegungseinschränkungen bestünden weiterhin.
Aus dem Erlebten ziehen die Eheleute zwei klare Konsequenzen: Sie wollen einerseits wieder bewusst aktiv werden und andererseits daran erinnern, wie wichtig fundierte Erste-Hilfe-Kenntnisse sind. „Wann macht man als normaler Mensch schon einen Erste-Hilfe-Kurs? Meist nur beim Führerschein, und das ist oft Jahrzehnte her“, sagt Bosshammer. Ohne den schnellen Einsatz des Ersthelfers hätte seine Frau vermutlich nicht überlebt. Die beiden möchten sich nun deshalb selbst für einen Erste-Hilfe-Kurs anmelden.
Die Bosshammers bezeichnen sich selbst augenzwinkernd als „Marktklopper“ und schätzen die besondere Atmosphäre des klassischen Marktgeschäfts. „Wir haben hier Menschen über Generationen begleitet.“ Der persönliche Austausch sei durch Onlinehandel und Lieferdienste zwar schwieriger geworden, habe aber weiterhin seinen Wert – gerade an einem zentralen Ort wie dem Neumarkt.
Die beiden wünschen sich, dass der Markt wieder stärker belebt wird. Neue Händler seien willkommen, Vielfalt ausdrücklich erwünscht. Beispiele dafür sehen sie bei ihren Kollegen auf dem Platz, die sie sehr schätzen. Einen Käsestand mit rund 180 Sorten gebe es im Supermarkt so beispielsweise nicht, sagen sie.
Zum Neustart am 4. Februar planen die Bosshammers eine kleine Aktion für ihre Kundschaft, als Zeichen des Dankes für die Unterstützung in den vergangenen Wochen. Das lukrative Advents- und Weihnachtsgeschäft mussten sie in diesem Jahr auslassen. „In dieser Zeit war Geld nebensächlich“, erinnert sich Ralf Bosshammer an die schweren Tage. Wichtig sei allein gewesen, dass seine Frau zurück ins Leben gefunden habe.
Er betont zudem: „Stillstand ist das Schlimmste, was man in so einer verletzlichen Situation machen kann – auch für den Körper.“ Seine Frau vermisse den Markt, die Gespräche und den direkten Kontakt zu den Menschen sehr. Umso größer ist nun die Vorfreude auf die Rückkehr auf den Neumarkt.