Instagram-Plattform geplant Nach Vergewaltigung auf Sansibar: Wuppertalerin warnt

Wuppertal · Weiße Strände, türkisfarbenes Meer, das Versprechen vom Paradies: Orte wie Sansibar gelten vielen als Sehnsuchtsziel. Eine junge Frau aus Wuppertal möchte nun davor warnen, solche Länder allzu sehr zu romantisieren. Sie wurde dort Opfer einer bewaffneten Vergewaltigung – und spricht heute offen darüber, um andere Frauen zu sensibilisieren.

Strand auf Sansibar.

Foto: Pixabay/darkeyed

Die 24-Jährige Lola (Name geändert) hatte ein halbes Jahr auf Sansibar gearbeitet. Beruflich war sie in der Immobilienbranche tätig, ein längerer Aufenthalt schien möglich. Sie konnte sich durchaus vorstellen, dauerhaft dort zu leben – die Freundlichkeit und Offenheit der Einheimischen hatten sie schnell für das Land eingenommen. „Ich habe mich sicher gefühlt“, sagt sie. „Vielleicht zu sicher.“

Am 18. Dezember 2025, zwei Tage vor ihrer geplanten Rückreise nach Deutschland, wurde sie am helllichten Tag von mehreren Männern an einem Strand überfallen und in einem angrenzenden Waldstück vergewaltigt. Dabei wurde sie mit einem Messer bedroht, Handy und Bargeld wurden ihr abgenommen.

Der Angriff ereignete sich nach einem normalen Arbeitstag. Unterstützung durch Polizei und Krankenhaus habe sie anschließend kaum erfahren, berichtet sie. Im Krankenhaus sei sie zudem als weiße Frau mehrfach rassistisch angefeindet und nicht ernstgenommen worden. Bis heute befindet sie sich in medizinischer Nachsorge und wird in Deutschland betreut.

Es ist Lola wichtig, öffentlich über ihre Erfahrungen zu sprechen, nicht, um Angst zu verbreiten – und ausdrücklich nicht, um Frauen vorzuschreiben, wie sie sich zu verhalten hätten. Die Verantwortung liege allein bei den Tätern. Ihr Anliegen sei es vielmehr, andere Reisende davor zu bewahren, Risiken auszublenden, nur weil ein Ort als idyllisch gilt.

Gerade für alleinreisende Frauen könne ein trügerisches Sicherheitsgefühl entstehen, sagt sie. Sich unabhängig von Tageszeit oder Umgebung möglichst nur zu zweit im öffentlichen Raum zu bewegen sowie Ortungsfunktionen auf dem Smartphone zu aktivieren, damit im Notfall schnell Hilfe organisiert werden könne, seien zu empfehlende Sicherheitsmaßnahmen.

Die Herzlichkeit vieler Menschen sowie die Allgegenwärtigkeit sogenannter „Gated Communities“ dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Schattenseiten gäbe, darunter sexualisierte Gewalt, mangelhafte medizinische Versorgung und Korruption. Die Erfahrung mit den Behörden beschreibt sie als ernüchternd: Erst nach einer Geldzahlung sei der Fall weiter aufgenommen worden.

Die Wuppertalerin möchte nun eine Instagram-Plattform erstellen, auf der sich Frauen austauschen können, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, anonym und niedrigschwellig. Auch Betroffene aus Wuppertal sollen dort einen Raum finden, um gehört zu werden. Details zur Veröffentlichung will Lola zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben.

„Es geht nicht darum, ein Land schlechtzumachen“, sagt sie, „sondern darum, Aufmerksamkeit für Systeme zu schaffen, die nach sexualisierter Gewalt keinen ausreichenden Schutz bieten.“