„Trio-Theater“-Musical im Taltontheater Nichts für sensible Gemüter – aber empfehlenswert

Wuppertal · Das Wuppertaler „Trio-Theater“ hat sich das Stück „Elternabend“ von Peter Lund und Thomas Zaufke als erste Produktion nach fünfjähriger Pause ausgesucht. Die „Trio-Theater“-Gründer Denny Pflanz und Robin Schmale sowie Benjamin Breutel waren in der Zwischenzeit im Taltontheater (TTT) aktiv. Daher ist es kein Wunder, dass in ihrer neuesten Inszenierung Ensemble-Mitglieder des TTT mitwirken und die Aufführungen im TTT an der Wiesenstraße 118 stattfinden.

Sehr gut aufgelegt - und sehr bunt gekleidet: Das Ensemble von „Elternabend – Das Musical“ im Taltontheater.

Foto: Joachim Schmitz

Mit toller Live-Band (Leitung: Ruben Michalik) und sieben sehr guten Darstellerinnen und Darstellern, die auch gesanglich überzeugen, ist die Produktion künstlerisch wertvoll. Inhaltlich muss man sich auf krasse Themen einlassen.

„Elternabend“ ist ein Stück über Erziehung, Macht(missbrauch) und Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Eltern von Grundschulkindern, die selbst eine nachschulische Betreuung (Offener Ganztag = OGS) organisiert haben, treffen sich abends auf dem Spielplatz der OGS. Schnell wird klar, die gute Stimmung ist nur aufgesetzt. Der neue Erzieher Dennis (Sebastian Schön), der achte in sechs Jahren, ist total verschüchtert.

Wie sich herausstellt, wird er von einigen Kindern bedroht und erpresst – genau von denen, deren Eltern ihn ebenfalls unter Druck setzen. So „verdient“ Irenes Tochter Meret-Claudelle (beide Vanessa Ambrosius) daran, andere Kinder abzuziehen, während ihre Mutter ständig Klagen gegen alles und jeden anstrengt. Philipp (Robin Schmale, auch in der Rolle des Vaters), ein Junge mit ADHS, hat nicht nur regelmäßig Gewaltausbrüche, sondern nutzt diese gezielt aus, um andere zu unterdrücken.

Seine Mutter Vera (Svenja Dee) versucht, ihn mit Ritalin ruhigzustellen. Ihr Mann Gerd weiß nichts davon, weil er sich scheinbar nicht für seinen Sohn oder seine Frau interessiert. Ihm ist mehr an der nächsten Zigarette gelegen als an der Situation in der OGS. Kevin und Kurt (Denny Pflanz) sowie Maria und Anouschka (Laura Hohmann) sind die Opfer, während Emma und Gabi (Sina Dotzert) einfältig lächelnd daneben stehen.

Wie kann das lustig sein? Der Humor des Stückes liegt zum einen darin, wie sich einzelne Personen mit ihrer Meinung und ihrem Benehmen zu Volldeppen machen. Dass die Darsteller Eltern und Kinder verkörpern, bietet den direkten Vergleich der beiden Generationen. Zum anderen werden in den Gesangseinlagen diese Meinungen so überzeichnet, dass man fast unfreiwillig lachen muss.

Es ist zwar zunächst befremdlich und im Höchstmaß sarkastisch, dass ernste Themen wie Mobbing, Diskriminierung oder sexuelle Übergriffe in einem Musical mit Gesang und Tanz behandelt werden. Aber das Konzept der Autoren geht in der Wuppertaler Inszenierung auf.

Regisseur Benjamin Breutel lässt die Eltern (jeder trägt Kleidung in einer bestimmten Farbe) zum Beispiel bei einem Lobes-Tanz auf das ADHS-Medikament Ritalin beleuchtete Buchstaben schwenken. Beim Song „Der Homosexuelle an sich“ lassen sich drei Mütter, die vorher den bunt gekleideten Erzieher für sein Outing fertiggemacht haben, über die Vorzüge homosexueller Männer aus. Dabei nutzen sie Besenstiele wie einen Phallus.

Das Stück überschreitet bewusst die Grenzen des Erträglichen. Manchmal möchte man als Zuschauer aufspringen und rufen: „Aufhören, sowas kann man doch nicht sagen!“ Dann, im nächsten Moment, kommt der Wendepunkt, wo das soeben Gesagte komplett ad absurdum geführt wird. Aufatmen, lachen, weiter geht’s.

Kein Stück für sensible Gemüter, wie das „Trio-Theater“ auf seiner Homepage warnt. Dennoch empfehlenswert, da es aufzeigt, was oft in Schulen und Elternhäusern passiert. Die Premiere wurde begeistert beklatscht und einige Aufführungstermine sind bereits ausverkauft. Infos und Tickets auf www.taltontheater.de

Im Hinweis auf Triotheater.de heißt es: „Das Musical Elternabend greift familiäre Beziehungen, emotionale Grenzsituationen und persönliche Krisen in satirischer Weise auf. Die Inszenierung setzt dabei auf pointierte Darstellungen und bewusst überzeichnete Figuren. Zuschauer*innen könnten auf die entsprechenden Inhalte sensibel reagieren.“