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 Nach Toreschluss - die Wochenendsatire​: Am stehenden Band​

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire : Am stehenden Band

Düsseldorf hatte früher mal die längste Theke der Welt. Die wurde inzwischen ersetzt – durch die langsamste Gepäckabfertigung der Welt am örtlichen Flughafen. Diverse Bekannte erzählten mir zuletzt davon, dass die Wartezeit auf den Koffer ihre Flugzeit deutlich übertraf.

Deshalb war ich schon vorgewarnt, als ich neulich spät abends in Düsseldorf landete, um 23:10 Uhr die Passkontrolle passierte und zur Halle mit der Gepäckausgabe marschierte.

Normalerweise sieht man dort um diese Zeit nur noch eine handvoll Passagiere, gelangweilte Zollbeamte auf der Suche nach Menschen mit ausgestopften Krokodilen im Rollenkoffer und Reinigungskräfte auf merkwürdigen Autos, deren Bürsten Fliesen polieren. Diesmal aber standen an den Gepäckbändern Menschenmengen, die bei mir Erinnerungen an den Vohwinkeler Flohmarkt weckten, den jüngere Wuppertaler nur noch von alten Fotos kennen.

Ich habe von damals noch Übung im Drängeln und wuselte mich so geschmeidig durch die Grüppchen aus aller Herren Länder bis hin zu dem meinem Flug zugewiesenen Band 19, das kurz vor der holländischen Grenze liegt. Dort lief zu meiner großen Erleichterung tatsächlich schon das Gepäckband. Und es waren sogar Koffer drauf. Bei näherem Hinsehen handelte es sich leider um die von einem Flug aus Zypern, wo ich gar nicht war.

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Als nach 15 Minuten nur noch eine letzte einsame Reisetasche auf den schwarzen Lamellen kreiselte, machte sich Unruhe unter den rund 250 hier versammelten Koffererwartenden breit. Die hatten sich in typisch deutscher Manier dicht an dicht um den Rand des Förderbandes geschart und waren jederzeit bereit, blitzschnell und möglichst frühzeitig ihren Koffer zu packen und unter Umwerfen mehrerer Mitreisender vom Band zu ziehen, um auf dem Weg zum Zoll wichtige Zehnttelsekunden gutzumachen. Dann wurde das Band abgestellt.

Gleichzeitig ertönte eine Frauenstimme, die per Lautsprecher durchgab: „Die Gepäckausgabe verzögert sich wegen Personalengpässen beim Dienstleister Ihrer Airline.“ Das fand ich interessant, weil ja genau genommen der Flughafen die Dienstleister für das Ground-Handling aussucht und in Düsseldorf gerade eine seit Jahren hier aktive Firma gegen neue ausgetauscht wurde, die offenbar ein besseres Angebot, aber eigentlich kein Personal hatte.

Dieses nicht vorhandene Personal brachte uns keine Koffer, so dass ich viel Zeit hatte, auf dem TV-Monitor über dem Gepäckband wichtige Nachrichten zu lesen, die mich immer schon nicht interessierten. So erfuhr ich, dass Mario Götze ein Mädchen erwartet. „Da hat er zum ersten Mal seit dem Siegtor im WM-Finale 2014 wieder was Ordentliches zustande gebracht“, dachte ich gerade, als eine neue Durchsage kam: „Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!“.

„Welches Gepäck?“ schrien Umstehende wütend, während ich einem Flughafenmitarbeiter die unbeaufsichtigte Tasche auf unserem Band meldete. Er guckte mich mitleidig an und meinte: „Die Gepäckeinsammler machen das schon. So lange das Ding nicht tickt, ist alles in Ordnung.“ Gegen 1 Uhr nachts ist das nicht unbedingt mein Humor, aber irgendwie auch eine Antwort.

Das Band lief dann um 1:15 Uhr an, mein Koffer kam um 1:30 Uhr und damit ausreichend spät für mich, um die gebuchte Zeit im Flughafenparkhaus zu überschreiten und nicht mehr ausfahren zu können. Bis auf die Sprechtaste an der Schranke jemand reagierte, dauerte es gut zehn Minuten (vermutlich Personalmangel). Auf meine vorsichtig formulierte Beschwerde hin wurde ich formvollendet angepelzt, dass ich nicht der Einzige wäre, der nicht raus kann ...

Nächstes Mal versuche ich es in Düsseldorf lieber wieder mit der Theke. In der Gastro ist zwar auch Personalmangel, aber zweieinhalb Stunden habe ich aufs Bier noch nie gewartet ... Bis die Tage!